Workshops 2026

Diana Cichecki

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

Prof’in Dr. Christine Demmer

Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft

Die Analyse sprachlicher Daten, etwa in Form von Transkripten von Interviews oder in Form medialer, politischer oder auch wissenschaftlicher Texte, ist Aufgabe vieler qualitativer Forscher*innen. Doch wie lassen sich der implizite Sinn dieser Daten rekonstruieren und die Rekonstruktionen im Text belegen? Im Workshop wird mit dem Integrativen Basisverfahren von Cornelia Helfferich und Jan Kruse eine methodische Lösung für diese Herausforderungen vorgestellt. Um das Vorgehen des Integrativen Basisverfahrens zu verdeutlichen, könnte das Bild eines Gegenstandes gezeichnet werden, der zu Beginn wortwörtlich „im Dunkeln“ steht. Schritt für Schritt wird er mit jeweils verschieden fokussierten methodischen Zugriffen ausgeleuchtet. Jeder dieser Zugriffe beleuchtet wie ein Scheinwerfer einen bestimmten Bereich des Gegenstandes; erst in ihrem Zusammenspiel wird der Gegenstand in seiner Gesamtheit sichtbar. In diesem Sinne kombiniert das Integrative Basisverfahren verschiedene methodische Zugangsweisen zu textuellen Daten. Grundlage des Verfahrens ist eine sequenzanalytische und linguistische Fundierung, die sich auf drei sprachlichen Aufmerksamkeitsebenen bewegt: Semantik, Pragmatik, Syntaktik. Konkrete Analyseheuristiken sind beispielsweise die Metaphern-, Positioning- und Agency-Analyse. Analysierbar wird damit neben dem, was gesagt wird auch das, wie etwas gesagt wird. Mit dieser Konzentration auf die Versprachlichung von implizitem Sinn bietet das Integrative Basisverfahren eine konkrete Vorgehensweise, die Orientierung gibt und so den Einstieg in die Analyse erleichtert. Im Workshop werden wir nach einem Einblick ins Integrative Basisverfahren möglichst schnell in die Analysepraxis einsteigen und den Teilnehmer*innen auf diese Weise die methodischen Grundzüge des Verfahrens auf forschungspraktische Weise vermitteln.

Literatur

  • Bethmann, Stephanie (2020). Methoden als Problemlöser: Wegweiser für die qualitative Forschungspraxis (2. Auflage). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Demmer, Christine & Lipkina, Julia (2024). Das Integrative Basisverfahren nach Jan Kruse – Potenziale und Desiderata für die erziehungswissenschaftliche Forschung. Zeitschrift für Qualitative Forschung, 25(2), 273–288. 
  • Eckert, Judith & Cichecki, Diana (2020). Mit „gescheiterten“ Interviews arbeiten. Impulse für eine reflexiv-interaktionistische Interviewforschung. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Kruse, Jan (2015). Qualitative Interviewforschung: Ein integrativer Ansatz (2. Auflage). Weinheim: Beltz Juventa.

Workshop: Foucaultsche Diskursanalyse

Prof. Dr. Rainer Diaz-Bone

Universität Luzern, Soziologisches Seminar

Die Foucaultsche Diskursanalyse hat sich als eine nicht subjektzentrierte Form der qualitativen Sozialforschung etabliert. Sie basiert auf der Wissenschaftsphilosophie der französischen Epistemologie (Gaston Bachelard). Es handelt sich dabei um eine (neo)strukturalistische Interpretationspraxis (oder „Hermeneutik“) der kollektiven Denksysteme und der kollektiven Wissensordnungen. Dabei wird die Diskurstheorie Foucaults systematisch umgesetzt in die empirische Analyse von Diskursen, Diskurseffekten, Interdiskurs(effekt)en und Dispositiven. Die Foucaultsche Diskursanalyse ist eine Methodologie, die praktisch (a) die Organisation des diskursanalytischen Forschungsprozesses – von der Entwicklung der Fragestellung bis zur diskursanalytischen Erklärung sozialer Wirklichkeit – reflektiert und reglementiert, die (b) die Passung konkreter Praktiken, Instrumente, Techniken für den Forschungsprozess evaluiert und anleitet und die sich (c) in der konkreten diskursanalytischen Interpretation als Kompetenz entfaltet, wenn es in der Analyse von Materialien (Texten) darum geht, hieran die diskursive Praxis und die „Ordnung der Diskurse““ zu rekonstruieren.

Der Workshop dient einmal der Einführung in die Foucaultsche Diskursanalyse, weiter der praktischen Übung an Materialien und dann auch der Klärung von Fragen der Teilnehmenden. Der Workshop wendet sich an Forscherinnen und Forscher, die empirisch-systematische Diskursanalysen beginnen wollen oder damit begonnen haben und die diese Reflexionen auf die Entwicklung des Forschungsprozesses, auf strategische Entscheidungen (wie weiter?, wie vergleichen?, was sind diskursanalytische Erklärungen und Resultate?) sowie auf die Qualität von Diskursanalysen beziehen müssen.

Aktiv Teilnehmende können ihr Projekt/ihr Material in den Workshop einbringen, um methodische und methodologische Fragen zu klären, die sich in ihrem Projekt ergeben haben.

Literatur

Dr. Thorsten Dresing

audiotranskription.de, Marburg

Die Frage, die sich viele qualitativ Forschende in Bezug auf KI aktuell stellen, ist: „Darf, soll, will, muss ich KI einsetzen? Und wenn ja: wie?“ Der Workshop verfolgt das Ziel, Teilnehmende bei der Beantwortung dieser Frage zu unterstützen und in die Lage zu versetzen, informiert und eigenständig zu entscheiden, welche Rolle KI in ihrer qualitativen Forschungspraxis spielen soll – und welche nicht. Er gibt sowohl der ablehnenden Haltung als auch der methodisch interessierten Neugier fundierte Argumente an die Hand.

Im ersten Teil wird ein systematischer Überblick über den aktuellen Stand des KI-Einsatzes gegeben: Nutzungsstrategien und ihre Grenzen, die Frage der wissenschaftlichen Transparenz und Zitierbarkeit, aktuelle empirische Befunde zu kognitiven Effekten der KI-Nutzung bei Forschenden sowie die DSGVO-Problematik jenseits vereinfachter Lösungsversprechen – einschließlich der Frage, warum Anonymisierung für qualitative Daten keine tragfähige Lösung darstellt. Darüber hinaus werden Ansätze zur methodisierten Integration von Large Language Models (LLMs) in Verfahren der qualitativen Textanalyse vorgestellt und diskutiert.

Im zweiten Teil wird eines dieser Verfahren – die hybride Interpretation (Krähnke/Pehl/Dresing) – demonstriert: Die methodisch kontrollierte Arbeit mit drei verschiedenen LLMs an einer konkreten Textpassage, bei der die Agency konsequent bei den Forschenden verbleibt. Bereitgestelltes Übungsmaterial ermöglicht nachträglich ein eigenes Erproben. Vorkenntnisse im Umgang mit LLMs sind nicht erforderlich. Bitte bringen Sie ein eigenes Notebook mit. Übungsmaterial und eine Kurzanleitung werden als Download zur Verfügung gestellt.

Literatur

  • Dresing, Thorsten (2026). KI in der qualitativen Forschung: Zwischen Beschleunigung, Erosion und Methodeninnovation. Vortragsskript, https://www.audiotranskription.de/ki-einsatz-in-der-qualitativen-forschung/.
  • Dresing, Thorsten; Pehl, Thorsten & Krähnke, Uwe (in Vorbereitung). Anonymisierung allein reicht nicht. Methodische, ethische und datenschutzrechtliche Kriterien bei der KI-gestützten Verarbeitung qualitativer Interviewdaten.
  • Krähnke, Uwe; Dresing, Thorsten & Pehl, Thorsten (in Vorbereitung). Serendipity-Prompting: Large Language Models als mäeutische Impulsgeber bei der qualitativen Datenanalyse.
  • Krähnke, Uwe; Pehl, Thorsten & Dresing, Thorsten (2025). Hybride Interpretation textbasierter Daten mit dialogisch integrierten LLMs: Zur Nutzung generativer KI in der qualitativen Forschunghttps://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-99389-7.
  • Pehl, Thorsten; Dresing, Thorsten & Krähnke, Uwe (2026/im Druck). The hybrid interpretation group with dialogically integrated LLMs. On the use of generative AI for interpretative reconstructive analysis. In Susanne Friese & David L. Morgan (Hrsg.), Qualitative Data Analysis with Artificial Intelligence: Theory, Methods and Practice.

Dr. Kai Dröge

Hochschule Luzern / Institut für Sozialforschung (IfS), Frankfurt am Main

Der Erfolg von ChatGPT hat auch in der qualitativen Forschungscommunity zu einem großen Interesse an künstlicher Intelligenz (KI) geführt, aber auch einige kontroverse Debatten ausgelöst. Der Workshop richtet sich an alle, die neugierig darauf sind, die Möglichkeiten und Grenzen dieser neuen Technologie im Rahmen der qualitativen Datenanalyse gemeinsam zu erkunden.

Ein wesentlicher Teil des Workshops wird aus praktischen Experimenten und deren gemeinsamer Reflexion bestehen. Dabei arbeiten wir mit der Open-Source-Software QualCoder, die ich selbst um eine Reihe von KI-basierten Funktionen ergänzt habe. Wenn alles klappt, wird es frisch zum Methodentreffen eine neue und stark erweiterte Programmversion geben. Methodisch werden wir vor allem auf kodierende Verfahren schauen (bspw. die Grounded-Theory-Methodologie). Aber auch Personen mit einem anderen methodischen Hintergrund sind herzlich willkommen. Besondere technische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Neben der Erprobung konkreter Anwendungsszenarien möchte ich auch einen Blick hinter die Kulissen werfen: Wie erschließt sich die KI den Inhalt unserer Daten? Welche Prompts werden verwendet? Was ist mit dem Datenschutz? Es geht darum, Berührungsängste abzubauen, damit wir diese neuen Tools produktiv, aber auch kritisch-methodisch reflektiert in unsere Forschungspraxis einbauen können.

Wenn gewünscht, können wir auch die Frage nach dem Einsatz von KI in der Lehre qualitativer Methoden diskutieren.

Bitte bringen Sie einen Laptop mit (Windows/Mac/Linux). Bei einem Dienstrechner sollten Sie vorab klären, ob und wie Sie darauf QualCoder installieren dürfen.

Materialien

Workshop: Ethnografie

Dr. Laura Fuhrmann

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Erziehungswissenschaft, AG Schulforschung/Schulpädagogik

Die Ethnografie stellt einen umfassenden Forschungsansatz dar, unter dem sich unterschiedliche Methoden versammeln. Im Mittelpunkt steht dabei das Feld bzw. der Forschungsgegenstand, von dem ausgehend Entscheidungen im Forschungsprozess getroffen werden (Breidenstein et al. 2020). Zu den zentralen Methoden zählt die teilnehmende Beobachtung und eine damit verbundene längerdauernde Teilnahme im Feld. Das Ziel ist es, über den Mitvollzug des Geschehens im Feld ein tiefgehendes Verständnis über die Regeln und Prozesse zu erlangen, über die involvierte Akteur*innen ihr Tun sinnhaft ordnen. Die Rolle der Ethnograf*innen geht dabei allerdings nicht im Mitvollzug auf, sie konstituiert sich vielmehr über die Herstellung einer analytischen Distanz zum Geschehen und den Erfahrungen im Zuge der Beobachtung (Bräu & Fuhrmann 2025). Hierzu zählen bspw. die Verschriftlichung der Felderfahrungen und deren Auswertung sowie die Auseinandersetzung mit den eigenen Standortgebundenheiten (Pöhlmann & Sökefeld 2021; Streck et al. 2013).

Im Workshop werden die methodologischen Grundlagen sowie forschungspraktischen Umsetzungen erarbeitet und diskutiert. Potenziale und Grenzen ethnografischer Ansätze werden dabei mit Fokus auf die Interessenschwerpunkte und Fragestellungen der Workshopteilnehmer*innen reflektiert. Die Teilnehmenden werden zudem eingeladen, eigenes ethnografisches Datenmaterial einzubringen, um sich an diesem mit Fragen nach der eigenen Positioniertheit im Feld, der Gegenstandskonstruktion durch die Ethnograf*innen, usw. auseinanderzusetzen.

Literatur

  • Bräu, Karin & Fuhrmann, Laura (2025). Introduction to Ethnographic Research and Main Challenges of Gathering Data. In Maria Hallitzky, Félix Mulhanga, Karla Spendrin & Nariakira Yoshida (Hrsg.), Expanding Horizons and Local Connectedness. Challenges for Qualitative Teaching Research and Development in Intercultural Contexts (S. 75–87). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.
  • Breidenstein, Georg; Hirschauer, Stefan; Kalthoff, Herbert & Nieswand, Boris (2020). Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung (3. Auflage). Konstanz: UTB.
  • Fuhrmann, Laura (2022). Hausaufgaben im Unterricht. Ethnographie eines schulischen Entgrenzungsphänomens. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
  • Pöhlmann, Tim & Sökefeld, Martin (2021). Ethnographie und Repräsentation: Einführung in ein Verhältnis zwischen Autorität und Krise. München: Institut für Ethnologie, LMU München, https://epub.ub.uni-muenchen.de/75161/1/28_Poehlmann_Soekefeld_Ethnologie_und_Repraesentation.pdf.
  • Streck, Rebekka; Unterkofler, Ursula & Reinecke-Terner, Anja (2013). Das „Fremdwerden“ eigener Beobachtungsprotokolle – Rekonstruktionen von Schreibpraxen als methodische Reflexion. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research,14(1), Art. 16, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-14.1.1821.

Prof. Dr. Betina Hollstein

Universität Bremen, Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik

Monika Leichtling

Universität Bremen, Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik

Data Sharing und die Nachnutzung qualitativer Forschungsdaten stoßen zunehmend auf Interesse bei Forschenden. Gerade besonders aufwändig erhobene qualitative Daten wie etwa qualitative Längsschnittstudien können während der Projektlaufzeit oft nur teilweise ausgewertet werden. Solche Datenschätze bergen Möglichkeiten für die Bearbeitung weiterer inhaltlicher Fragestellungen und die Anwendung neuer Analysestrategien, etwa beim zeitlichen, räumlichen oder sachlichen Vergleich mehrerer Fallstudien. Archivierte Studien können Anregungen geben für neue Fragestellungen und dabei helfen, eigene Erhebungen besser vorzubereiten. Auch in der universitären Lehre finden qualitative Sekundärnutzungen zunehmend Eingang (Stichwort forschendes Lernen).

Mittlerweile gibt es in Deutschland einige Forschungsdatenzentren, die qualitative Daten für die Nachnutzung in Forschung und Lehre bereitstellen und Forschende dabei unterstützen, qualitative Daten für die Archivierung so vorzubereiten, dass die Nachnutzungspotenziale der Daten optimiert werden. QualidataNet, ein im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) aufgebautes Netzwerk von Forschungsdatenzentren, hat vor kurzem einen central point of entry für qualitativ Forschende aus den Sozialwissenschaften eingerichtet und weist bereits 126 qualitative Datensätze nach, die von Forschenden nachgenutzt werden können (https://www.qualidatanet.com/de/).

In dem Workshop sollen Möglichkeiten, Chancen und Herausforderungen bei der Nachnutzung qualitativer Forschungsdaten und der Durchführung qualitativer Sekundäranalysen diskutiert werden. Zur Sprache kommen auch ganz praktische Fragen, Herausforderungen und Fallstricke, die sich bei der Analyse von Daten stellen, die von anderen qualitativ Forschenden erhoben wurden.

Aspekte, die im Rahmen des Workshops anhand von praktischen Beispielen aus unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Forschungsbereichen diskutiert werden, sind:

  • Themen, Methoden und Erträge qualitativer Sekundäranalysen
  • Theoretische und method(olog)ische Perspektiven: Welche inhaltlichen und methodischen Zielsetzungen können im Rahmen von qualitativen Sekundäranalysen verfolgt werden? Wann sind Sekundäranalysen sinnvoll? Wofür kann man sie (nicht) verwenden?
  • Welche praktischen Fragen, Probleme und Herausforderungen stellen sich bei qualitativen Sekundäranalysen? Wo liegen Fallstricke und wie kann man damit umgehen?
  • Daten suchen und finden: Wie und wo finde ich passende Daten? Welche Infrastrukturen kann ich nutzen?
  • Passung / Data fit: Welche Daten eignen sich für welche Auswertungsstrategien und Methoden?  Wie prüfe ich, ob Daten sich für die gewählte Problemstellung eignen?
  • Forschungsdesign und Sampling: Wie plane und gestalte ich die Sekundäranalyse mehrerer Datensätze? Bei umfangreichen Datensätzen: Was sind mögliche Strategien bei der Fallauswahl?
  • Daten-Kontexte: Wie bedeutsam sind Informationen über die sozio-kulturelle Ebene der Studie, das Setting und die konkrete Erhebungssituation für das Verständnis des Sinngehalts von Primärdaten?
  • Datenschutz, Forschungsethik und Qualitätssicherung: Welche Bedingungen hinsichtlich Anonymisierung oder Datenschutz können dazu führen, dass meine Erkenntnismöglichkeiten erheblich eingeschränkt oder gar verhindert werden? Wie kann Qualitätssicherung bei Sekundäranalysen gewährleistet werden? Wie kann forschungsethischen Aspekten Rechnung getragen werden? Was sind sinnvolle Gütekriterien?

Der Workshop soll zum einen dazu dienen, Interessierte in die Grundlagen dieser Forschungsstrategie einzuführen, zum anderen Forschende, die selbst eine Sekundäranalyse planen oder bereits durchführen, zu unterstützen. Gerne können letztere den Stand ihrer Untersuchung vorstellen, um ihre konkreten Erfahrungen und praktische Probleme zu diskutieren.

Literatur

  • Corti, Louise; Witzel, Andreas & Bishop, Libby (Hrsg.) (2005). Sekundäranalyse qualitativer Daten/ Secondary Analysis of Qualitative Data. Forum Qualitative Sozialforschung 6(1), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/13.
  • Hollstein, Betina & Strübing, Jörg (Hrsg.) (2018). Archivierung und Zugang zu Qualitativen Daten. RatSWD Working Paper 267/2018. Berlin: Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten, DOI: https://doi.org/10.17620/02671.35.
  • Hughes, Kathryn & Tarrant, Anna (Eds.). (2020). Qualitative secondary analysis. London: Sage.
  • Medjedović, Irena (2014). Qualitative Sekundäranalyse. Zum Potenzial einer neuen Forschungsstrategie in der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer VS.
  • Richter, Caroline & Mojescik, Katharina (Hrsg.) (2021). Qualitative Sekundäranalysen: Daten der Sozialforschung aufbereiten und nachnutzen. Wiesbaden: Springer.

Jun.-Prof. Dr. Martin Hunold

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik

Die Dokumentarische Methode ist ein Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung und findet mittlerweile in vielfältigen Gegenstandsbereichen und zahlreichen Disziplinen Anwendung; zunehmend beweist sie in transdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojekten ihre Stärken. Die Dokumentarische Methode ist in der Arbeit mit Gruppendiskussionen, teilnehmender Beobachtung und narrativen Interviews entstanden, dann für weitere Textsorten und in den letzten Jahren für die Bild- und Videoanalyse weiterentwickelt worden.

Ziel des Workshops ist es neben der Einführung in die Dokumentarische Methode, anhand konkreter, forschungspraktischer Beispiele aus dem Material der Teilnehmer*innen die grundlegenden Arbeitsschritte, Kristallisations- und Knackpunkte der Dokumentarischen Methode erfahrbar zu machen.

Den methodischen Schwerpunkt soll die Arbeit mit Gruppendiskussionen und/oder narrativ orientierten Interviews (alle Formen) bilden.

Wenn Sie interessiert sind, dass wir die Dokumentarische Methode entlang Ihres Vorhabens im Workshop beleuchten, sind folgende Unterlagen als Materialgrundlage notwendig:

  • Projektplanung und Forschungsdesigns (max. 3 Seiten)
  • Trankskripte von Gruppendiskussionen oder:
  • Interviews (alle Formen)
  • Interpretation (formulierende und reflektierende Interpretation nach der Dokumentarischen Methode) zu Ihrem Material (Transkript), die uns zur Verfügung gestellt wird (max. 12 Seiten).

Es können maximal zwei Vorlagen diskutiert werden.

Literatur

  • Bohnsack, Ralf (2021). Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden (10. Auflage). Opladen: Verlag Barbara Budrich.
  • Hunold, Martin (2020). Organisationale Erziehungspraxis. Zur Rekonstruktion und Typisierung der Erziehung von Erwachsenen durch Organisationen. In Arnd-Michael Nohl (Hrsg.), Rekonstruktive Erziehungsforschung (Reihe: Rekonstruktive Bildungsforschung, Band 20, S. 139–165). Wiesbaden: Springer VS.
  • Loos, Peter; Nohl, Arnd-Michael; Przyborski, Aglaja & Schäffer, Burkhard (2013). Dokumentarische Methode. Grundlagen – Entwicklungen – Anwendungen. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
  • Nohl, Arnd-Michael (2017). Interview und dokumentarische Methode. Anleitungen für die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS.
  • Przyborski, Aglaja (2004). Gesprächsanalyse und dokumentarische Methode. Qualitative Auswertung von Gesprächen, Gruppendiskussionen und anderen Diskursen. Wiesbaden: VS Verlag.

Dr. Charlie Kaufhold

Internationale Psychoanalytische Universität Berlin

In diesem Workshop soll gemeinsam in den Reflexionsprozess eingestiegen und anhand von konkreten Forschungsprojekten herausgearbeitet werden, wie genau die Subjektivität der*des Forschenden mit dem Forschungsprozess verwoben ist. Hierzu wird in einem geschützten Rahmen mit der sozialwissenschaftlichen Methode des Szenischen Verstehens anhand von Stegreiferzählungen einzelner Teilnehmer*innen die Bedeutung der je konkreten gesellschaftlich gewordenen Subjektivität der Forscher*innen für die verschiedenen Facetten des Forschungsprozesses ausgelotet.

Die Szenische Reflexion wird eingesetzt, um folgenden Fragen nachzugehen: Welche konkrete Bedeutung haben die Subjektivität und die Biografie der*des Forschenden für die Wahl des Forschungsgegenstands? Welche Relevanz haben Subjektivität und Biografie der*des Forschenden in der Gestaltung des Forschungsprozesses sowie für die Generierung der empirischen Ergebnisse und der Theorie?

Darüber, dass die Reflexion von Subjektivität ein Gütekriterium in der qualitativen Sozialforschung ist, gibt es weitestgehend Einigkeit. In diesem Workshop soll dieser Anspruch konkret umgesetzt werden, indem die subjektiven Anteile der Forscher*innen szenisch verstanden und damit reflektiert werden.

Literatur

  • Brehm, Alina & Langer, Phil C. (2025). Is It Really (All) About Empathy? – A Strong Reflexivity Approach to Emotionally Charged Research Experiences. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 26(1), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-26.1.
  • Kaufhold, Charlie (2026/im Druck). Tiefenhermeneutische Reflexion. In Laura Behrmann, André Epp, Juliana Gras, Anna Christina Nowak, Petra Panenka, Christoph Stamann, Rubina Vock & Nicole Weydmann (Hrsg.), Qualitative Forschung lehren. Didaktische Impulse aus der Praxis (S. 74–80). Opladen: Verlag Barbara Budrich, DOI: https://www.utb.de/doi/book/10.36198/9783838566252.
  • Kühner, Angela; Ploder, Andrea & Langer, Phil C. (2016). Introduction to the Special Issue: European Contributions to Strong Reflexivity. Qualitative Inquiry, 22(9), 699–704.
  • Lorenzer, Alfred (1988 [1986]). Tiefenhermeneutische Kulturanalyse. In Hans-Dieter König, Alfred Lorenzer, Heinz Lüdde, Søren Nagbøl, Ulrike Prokop, Gunzelin Schmid Noerr & Annelinde Eggert (Hrsg.), Kultur-Analysen. Psychoanalytische Studien zur Kultur (S. 11–98). Frankfurt am Main: Fischer Verlag.
  • Roth, Wolff-Michael; Breuer, Franz & Mruck, Katja (2003). Subjectivity and Reflexivity in Qualitative Research II. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 4(2), https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/18.

Workshop: Psychoanalytische Sozialforschung

Prof. Dr. Phil C. Langer

Internationale Psychoanalytische Universität Berlin, Psychoanalytische Sozialpsychologie und Sozialpsychiatrie

Paul Obermeyer

Internationale Psychoanalytische Universität Berlin

Psychoanalytische Sozialforschung richtet ihr Erkenntnisinteresse nicht nur auf das explizit Gesagte und Augenscheinliche, sondern auch auf latente Sinngehalte, affektive Dynamiken in einem komplexen Beziehungsgeschehen sowie das gesellschaftlich und kulturell produzierte Unbewusste in empirischen Materialien. Sie fragt danach, wie soziale Wirklichkeit nicht nur bewusst gedeutet und sprachlich eindeutig repräsentiert, sondern auch (und gerade auch) in konflikthaften, begehrensförmigen, abwehrorganisierten und beziehungsdynamischen Prozessen hervorgebracht wird. Damit rückt eine Dimension qualitativer Forschung in den Vordergrund, die sich für Irritationen und Brüche, Atmosphären und Emotionen, szenische Verdichtungen und Widerstände, das Nicht- oder Noch-nicht-Sagbare interessiert.

Der Workshop bietet eine Einführung in zentrale methodologische und methodische Perspektiven psychoanalytischer Sozialforschung. Im Mittelpunkt stehen Ansätze starker Reflexivität, die in ethnopsychoanalytisch fundierter Weise unsere Subjektivität als Forschende als wichtige epistemische Quelle kritischer Wissensproduktion ernst nimmt, die tiefenhermeneutische Interpretation mit ihrem Interesse am szenischen Verstehen sowie die Forschungsvignette als psychoanalytisch informierter Methode des interpretativ verdichtenden Schreibens. Diskutiert wird, wie sich manifeste und latente Gehalte von Interviews, Gruppendiskussionen, Feldprotokollen und anderen qualitativen Materialien aufeinander beziehen lassen, ohne vorschnell zu psychologisieren, soziale Verhältnisse auf individuelles Erleben zu verkürzen oder in die Gefahr von Überinterpretation zu kommen.

Wir verstehen den Workshop als Ermutigung zu einer reflexiv lustvollen Forschungspraxis, die die eigene Verstrickung offensiv und methodisch kontrolliert in die Analyse einbezieht. Er richtet sich an Forschende, die ihre Forschungshaltung und ihren Forschungsstil – von Design über Datenproduktion und Datenauswertung bis hin zur Vermittlung der Forschungserfahrungen und -befunde – psychoanalytisch informiert (weiter-)entwickeln möchten.

Eigene Projekte und Materialien können ggf. eingebracht werden. Daran interessierte Teilnehmer*innen werden gebeten, sich im Vorfeld bei uns zu melden.

Literatur

  • Brehm, Alina & Langer, Phil C. (2025). Is it really (all) about empathy?—A strong reflexivity approach to emotionally charged research experiences [74 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 26(1), Art. 7, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-26.1.4344.
  • Frosh, Stephen & Saville Young, Lisa (2017). Psychoanalytic approaches to qualitative psychology. In Carla Willig & Wendy Stainton Rogers (Hrsg.), The Sage handbook of qualitative research in psychology (S. 124–140). London: Sage.
  • Haubl, Rolf & Lohl, Jan (2020). Tiefenhermeneutik. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie: Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage, S. 555–577). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_57.
  • Langer, Phil C. (2016). The research vignette: Reflexive writing as interpretative representation of qualitative inquiry—A methodological proposition. Qualitative Inquiry22(9), 735–744.
  • Ploder, Andrea; Kühner, Angela & Langer, Phil C. (2024). Es ist professionell, Gefühle zu haben. Plädoyer für einen stark reflexiven Umgang mit Affekten und Emotionen in der qualitativen Forschungspraxis. Psychologie und Gesellschaftskritik48(2), 541–565.

Prof. i.R. Dr. Philipp Mayring

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Institut für Psychologie / Verein zur Förderung Qualitativer Forschung ASQ, Klagenfurt

Im Workshop sollen Arbeitsweisen qualitativ orientierter systematischer sozialwissenschaftlicher Inhaltsanalyse ausprobiert und diskutiert werden. Die Qualitative Inhaltsanalyse stellt einen Forschungsstil dar, der

  • theoriegeleitet und regelgeleitet vorgeht,
  • das zu analysierende Material in ein Kommunikationsmodell einordnet und darauf bezogen die Ziele der Analyse definiert,
  • die zentralen Analyseaspekte in Kategorien(-systemen) formuliert,
  • das Material in inhaltsanalytische Einheiten zerlegt und danach schrittweise bearbeitet,
  • das Instrumentarium (Kategoriensysteme und inhaltsanalytische Regeln) in einer Pilotstudie überarbeitet,
  • die Zuordnung von Kategorien zu Textstellen als interpretativen, regelgeleiteten Prozess auffasst,
  • im weiteren Verlauf auch Quantifizierungen (z.B. Kategorienhäufigkeiten) zulässt
  • und die Ergebnisse an Gütekriterien (z.B. Interkoderreliabilität) misst.

Es werden die einzelnen qualitativ inhaltsanalytischen Verfahren (induktive Kategorienentwicklung, deduktive Kategorienanwendung) vorgestellt und anhand eines gemeinsamen Textes (eine Seite Interviewtranskript) im Workshop durchgeführt. Dabei wird mit einer von uns entwickelten und frei im open access zugänglichen Software (qcamap.org) gearbeitet. Wer möchte, kann gleich selbst im Workshop mit der Software arbeiten.

Besonderes wichtig erscheint es auch hier, nicht blind Verfahrensweisen anzuwenden, sondern spezifisch auf Gegenstand und Fragestellung anzupassen und Kombinationsmöglichkeiten mitzubedenken.

Literatur

  • Mayring, Philipp (2020). Qualitative content analysis: demarcation, varieties, developments [30 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 20(3), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-20.3.3343
  • Mayring, Philipp (2022). Qualitative Content Analysis. A Step-by-Step Guide. London: Sage.
  • Mayring, Philipp (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (13. überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Mayring, Philipp (2023). Einführung in die Qualitative Sozialforschung (7. Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Mayring, Philipp (2025). Qualitative Content Analysis With ChatGPT: Pitfalls, Rough Approximations and Gross Errors. A Field Report. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 26(1), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-26.1.4252.

Workshop: Qualitative Inhaltsanalyse

Dr. Stefan Rädiker

Methoden-Expertise.de

Dieser Workshop führt in die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse zur Auswertung qualitativer Daten ein. Im Mittelpunkt steht die Umsetzung der inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse für Textdaten wie z.B. Einzelinterviews, Gruppeninterviews, Dokumente, Antworten auf offene Surveyfragen, Webseiten und Social-Media-Daten.

Anhand von Übungen zur Kategorienbildung und Kategorienanwendung erarbeiten wir typische methodische Herausforderungen und Lösungsansätze. Ein kurzer Austausch über die Möglichkeiten des Einbezugs von KI in die qualitative Inhaltsanalyse runden den Workshop ab.

Inhalt:

  • Überblick über die typischen Schritte einer inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse:
    Schritt 1: Initiierende Textarbeit
    Schritt 2: Hauptkategorien entwickeln
    Schritt 3: Interviews mit Hauptkategorien codieren (1. Codierphase)
    Schritt 4: Textstellen einer Hauptkategorie zusammenstellen und induktiv am Material Subkategorien bilden; Textstellen mit Subkategorien codieren (2. Codierphase)
    Schritt 5: Kategorienbasierte Auswertung und Ergebnisdarstellung
    Schritt 6: Berichtserstellung und Dokumentation
  • Übungen zur Kategorienbildung
  • Einbezug von KI

Alle Teilnehmenden erhalten vorab die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema einzubringen, sodass wir diese im Workshop berücksichtigen können.

Literatur

  • Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2024). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz (6. Auflage). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2024). Fokussierte Interviewanalyse mit MAXQDA (2. Auflage). Wiesbaden: Springer VS.
  • Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2023). Qualitative Content Analysis. Methods, Practice and Software. London: Sage. 

Prof. Dr. Günter Mey

Hochschule Magdeburg-Stendal / Institut für Qualitative Forschung, Internationale Akademie Berlin

Performative Sozialwissenschaft (Performative Social Science, kurz: PSS) steht für ein Programm, um Forschung mit künstlerisch-ästhetischen Mitteln zu betreiben und umzusetzen. Trotz der divergierenden Ansätze – etwa Arts-related Research, Arts-informed Research und Arts-based Research – eint die sich seit zwei Jahrzehnten formierende PSS ihre Kritik an eine Limitation auf traditionelle Explorations- und Darstellungspraktiken von Wissenschaft und deren begrenzter Verbreitung sowie eingeschränkter öffentlicher Wirksamkeit und entwickelt eine Fülle an Alternativen: textuell (Autoethnografie, Fiction, Poetik), inszenatorisch (Theater, Tanz und Musik) und visuell (Film, Foto, Comic) sowie in Form von Ausstellungen/Installationen und Web-Animationen.

In dem Workshop wird nach einer Übersicht über Grundlinien der PPS und einiger ausgewählter Beispiele – entlang der Interessen und möglicher Projekte der Teilnehmenden – die Integration von sowie Umsetzung qualitativer Forschung in performativ angelegte Projekte erörtert. Dabei soll Raum sein, nicht nur um zu diskutieren, wie Forschungsergebnisse „transformiert“ und „übersetzt“ werden können, um eine erhöhte Sichtbarkeit zu schaffen und wie PSS im Dienst der Dissemination qualitativer Forschungsresultate betrieben werden kann, sondern ebenso gefragt werden, wie mittels künstlerisch-ästhetischer Ansätze Themen exploriert sowie Daten generiert werden können, wenn PSS auch im Dienst der Erkenntnisfunktion steht.

Literatur

  • Jones, Kip; Gergen, Mary; Yallop, John J. Guiney; Lopez de Vallejo, Irene; Roberts, Brian & Wright, Peter (Hrsg.) (2008). Performative social science / Performative Sozialwissenschaft. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 9(2), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/10.
  • Leavy, Patricia (2020). Method meets art (3. Auflage). New York: The Guilford Press.
  • Mey, Günter (2020). Performative Sozialwissenschaft. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage, S. 201-225). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_29.
  • Mey, Günter (Hrsg.) (2020). Performative Sozialwissenschaft. Journal für Psychologie, 28(1), DOI: https://doi.org/10.30820/0942-2285-2020-1.
  • Mey, Günter (2025). Mission (im)possible? Anliegen und Ansprüche der performativen Sozialwissenschaft. Zeitschrift für Qualitative Forschung, 26(2), 231-249, DOI: https://doi.org/10.3224/zqf.v26i2.08.

Workshop: Vignettenmethode

Dr. Katharina Miko-Schefzig

Wirtschaftsuniversität Wien, Kompetenzzentrum für empirische Forschungsmethoden

Vignetten sind Situationsbeschreibungen, die als Elizitierungsverfahren in Einzel- oder Gruppeninterviews eingesetzt werden können. Die Fokussierung auf Situation bindet sowohl Akteur*innen als auch materiale Aspekte (etwa Artefakte, Lueger & Froschauer 2018) in die empirische Betrachtung sozialer Phänomene ein; sie ist in diesem Sinne also multimodal (Höllerer et al. 2018). Situation ist ein sozialwissenschaftliches Konzept, das von unterschiedlichen Theorieströmungen als empirischer Fokus adressiert wird. Dabei kann die Definition von Situation als Kontinuum gesehen werden: von der Interaktion zwischen Anwesenden, etwa in Goffmanscher Tradition (2009); bis zu größeren, situativen Phänomenen, bei deren Analyse auch die Ebene der Organisationen und Diskurse einbezogen werden, etwa im Clarkeschen Verständnis (Clarke 2012).

Der Workshop gibt einen Überblick über verschiedene Konzepte bzw. Einsatzmöglichkeiten von Vignetten (etwa Wodak 2015; Stiehler et al. 2012; Jenkins et al. 2010; Kandemir & Budd 2018) und diskutiert die Anschlussstellen von Vignetten zu unterschiedlichen empirischen Fragestellungen. Die Vielfältigkeit von Situationsdefinitionen und deren empirische Erfassung in Vignetten sowie – darauf aufbauend – deren Einsatz in vielfältigen Interviewsettings wird anhand konkreter Beispiele aus der Forschung der Vortragenden präsentiert und diskutiert. Teilnehmer*innen sind eingeladen, sowohl Forschungsdesigns zu situativen Fragestellungen, anhand derer die Tauglichkeit der Vignettenmethode für das eigene Projekt diskutiert wird, als auch bereits vorhandene eigene Vignetten einzubringen, die sowohl von ihrer Konstruktion her als auch ihrem Einsatz besprochen werden können.

Bei Interesse der Teilnehmenden kann ein besonderer Fokus auf den szenariobasierten Einsatz von Vignetten in Fokusgruppen gelegt werden, der für räumliche Situationen entwickelt wurde (Miko-Schefzig 2019; Miko-Schefzig & Reiter 2018; Miko-Schefzig et al. 2018). Empirisch und methodologisch handelt es sich bei dieser Version um eine Verquickung zwischen Raum und Situation, denn die Situationen, die in den Vignetten beschrieben werden, sind jeweils in konkreten (urbanen) Räumen beobachtet und durch Analysen typisiert worden.

Folgende Aspekte werden im Workshop adressiert:

  • Vorstellung verschiedener sozialwissenschaftlicher Theorien zur Situation als Basis der empirischen Auseinandersetzung mit Vignetten
  • Vorstellung verschiedener Vignettendefinitionen und deren Abgrenzung
  • Konstruktionsprinzipien von Vignetten
  • Exemplarische Analyse von Interviews, in denen Vignetten zum Einsatz kamen
  • Diskussion der Stärken und Schwächen der Vignettenmethode
  • Diskussion der Anwendbarkeit von Vignetten

Zur Vorbereitung für das Seminar wird die Lektüre des Buches Forschen mit Vignetten (2022) empfohlen.

Literatur

  • Jenkins, Nicholas; Bloor, Michael; Fischer, Jan; Berney, Lee & Neale, Joanne (2010). Putting it in context: the use of vignettes in qualitative interviewing. Qualitative Research10(2), 175–198.
  • Kandemir, Asli & Budd, Richard (2018). Using Vignettes to Explore Reality and Values with Young People [49 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research19(2), Art. 1, DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-19.2.2914.
  • Miko-Schefzig, Katharina (2022). Forschen mit Vignetten. Gruppen, Organisationen, Transformation. Weinheim: Beltz Juventa. (Rezension: https://doi.org/10.17169/fqs-23.3.3952)
  • Miko-Schefzig, Katharina & Reiter, Cornelia (2018). Partizipatives Forschen im Kontext der Organisation Polizei: Ethisches Forschen mit vulnerablen Gruppen am Beispiel der Schubhaft [47 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research,19(3), Art. 10, DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-19.3.3142.
  • Sampson, H. & Johannessen, I. A. (2020). Turning on the tap: the benefits of using ‘real-life’ vignettes in qualitative research interviews. Qualitative Research, 20(1), 56–72, DOI: https://doi.org/10.1177/1468794118816618.

Workshop: Einführung in MAXQDA

Tamara Pataki

VERBI Software. Consult. Sozialforschung, Berlin

Der Workshop bietet einen Überblick über die grundlegende Analysefunktionen in MAXQDA. Die Sitzung beginnt mit einer Vorstellung der Programmoberfläche von MAXQDA. Im Anschluss werden die Inhalte in einer Mischung aus Demonstration und selbständiger, angeleiteter Übung erarbeitet. Die Teilnehmenden werden mit der Architektur und den wesentlichen Funktionen von MAXQDA vertraut gemacht.

Nach diesem Workshop sind Sie in der Lage, Ihr qualitatives Datenmaterial optimal für die Verwendung und Analyse mit MAXQDA vorzubereiten und in das Programm einzulesen. Sie kennen die Funktionen von MAXQDA, die für eine grundlegende qualitative Auswertung Ihrer Daten relevant sind. Sie können ein Kategoriensystem erstellen und verwalten, Textstellen codieren und wiederfinden.

Schwerpunktthemen sind:

  • Projekte erzeugen und verwalten
  • Datenmaterial: Import und Organisation
  • Codesystem: Codes erstellen, sortieren und bearbeiten
  • Codieren: Verschiedene Möglichkeiten des differenzierten Codierens (In-Vivo Codieren, deskriptives und theoretisches Codieren, Code-Definitionen, Farbcodierungen, Auto-Codieren)
  • Memos: Memos erstellen, editieren und verwalten
  • Codierte Textstellen zusammenstellen: Einfache und komplexe Suchvorgänge
  • Visualisierungsmöglichkeiten
  • Exportieren und Berichte zusammenstellen

Eine Mappe mit Arbeitsmaterialien wird den Teilnehmenden zu Beginn des Workshops zur Verfügung gestellt.

Der Workshop findet in einem Seminarraum statt. Alle Teilnehmenden benötigen einen Computer, auf dem die aktuelle Version MAXQDA installiert ist. Hierzu lässt sich problemlos die 14-Tage voll funktionsfähige Demoversion von MAXQDA verwenden, die Sie unter www.maxqda.de/demo herunterladen können. Der Workshop ist gleichermaßen für Teilnehmende, die mit Mac oder mit Windows arbeiten, geeignet (identische Funktionalität & Oberfläche). Während des Workshops werden auch Probelizenzen zur Verfügung gestellt. Bitte achten Sie auch darauf, dass Ihr Computer die Systemanforderungen erfüllt: https://www.maxqda.de/produkte/systemanforderungen.

Weitere benötigte Materialien werden Ihnen vorab per E-Mail zugestellt oder zu Beginn des Workshops ausgeteilt.

Literatur

  • Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2024). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz (6. Auflage). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Rädiker, Stefan & Kuckartz, Udo (2019). Analyse qualitativer Daten mit MAXQDA. Text, Audio und Video. Wiesbaden: Springer VS.
  • Weitere hilfreiche Literaturhinweise finden Sie auf https://www.maxqda.de/training/buecher-literatur.

Workshop: MAXQDA für Fortgeschrittene: AI Assist

Andre Morgenstern-Einenkel

VERBI Software. Consult. Sozialforschung, Berlin / Methoden Coaching Morgenstern

MAXQDAs KI-Add-on AI Assist bringt die Unterstützung großer Sprachmodelle (LLM) in die verschiedenen Phasen des qualitativen Analyseprozesses: von der ersten Exploration der Daten über die Codesystementwicklung und Codierung bis zur Analyse codierter oder nicht-codierter Daten.

AI Assist kann unbekannte Begriffe und Ausdrücke in den Daten erklären, Textstellen übersetzen, Segmente, Dokumente und Codes zusammenfassen, materialbasierte Codes sowie Subcodes für bestehende Codes vorschlagen und definierte Codes auf die Daten anwenden. Neben diesen spezifischen Anwendungen bietet AI Assist mit dem Chat auch ein sehr offenes und vielseitig einsetzbares Interface zur Erschließung der Daten und zur kritischen Reflexion eigener Analysen. Die Funktionen nehmen mit fast jedem Update zu.

AI Assist bringt nicht nur einen Effizienz- und Effektivitäts-Boost in Ihre Arbeit, sondern kann auch als weiteres Augenpaar eingesetzt werden: Sie arbeiten überwiegend allein an Ihren Daten und daher fehlen Ihnen im Vergleich zur Teamarbeit die Perspektiven Dritter, z.B. hinsichtlich Intersubjektivität oder Reliabilität? Lassen Sie z.B. von Ihnen codierte Daten erneut von der KI codieren oder von Ihnen geschriebene Zusammenfassungen erneut von der KI schreiben, um wertvollen Input durch eine andere Perspektive und für eine Überarbeitung zu erhalten.

Agenda:

  1. Kurze Einführung in AI Assist: Was ist AI Assist, wer kann es nutzen, welche Pakete gibt es, wie wird mit dem Datenschutz umgegangen (Spoiler: DSGVO-konform)?
  2. Software-Präsentation: Live-Demonstration der Funktionen entlang der Projektphasen Exploration, Codierung und Analyse.
  3. Software-Übungen: Trainieren Sie die für Sie interessanten Funktionen, wahlweise auf Basis detaillierter Übungsaufgaben oder freier Experimente an Ihren oder an Beispieldaten.
  4. Diskussion & Wünsche: Sie können per Vorabumfrage Fragen und Themenwünsche mitteilen, denen etwa ein Drittel der Zeit gewidmet wird. Eine nicht vollständige Liste mit Beispielen: Diskussion von Facetten wie Mensch vs. KI, Datenschutz, Bias,  Halluzinationen. Eruieren von KI-unterstützten Workflows für konkrete Projekte/ Anwendungen. Diskussion und Testung von Prompting-Strategien.

Voraussetzung für die Teilnahme sind grundlegende Kenntnisse in MAXQDA (siehe z.B. Inhalte des Workshops „Einführung in MAXQDA“) oder vergleichbare Kenntnisse einer anderen QDA-Software.

Der Workshop findet in einem Seminarraum statt. Während des Workshops benötigen Sie nicht zwingend MAXQDA. Damit Sie auch selbst etwas ausprobieren können, bietet es sich jedoch an, einen Laptop mit vorinstalliertem MAQDA 24 mitzubringen. Wenn Sie nicht über MAXQDA 24 verfügen, können Sie sich unter dem folgenden Link eine 14 Tage gültige Demoversion herunterladen: https://www.maxqda.com/de/testversion. Starten Sie nach der Installation der Software noch nicht den Testzeitraum. Sie bekommen zu Beginn der Schulung eine Schulungslizenz zur Aktivierung.

Literatur

Prof. Dr. Aglaja Przyborski

Bertha von Suttner Privatuniversität, St. Pölten

Markus Trimmel

Wirtschaftsuniversität Wien, Kompetenzzentrum für empirische Forschungsmethoden

Erhebungen von Gesprächen in gruppenförmigen Settings haben in den letzten Jahren sowohl im deutschen als auch im angelsächsischen Sprachraum weiter an Bedeutung gewonnen. Je nachdem, ob die „Gruppe“ methodologisch gefasst wird oder nicht, unterscheiden sich die methodisch-technischen Überlegungen zur Erhebung und Auswertung, also zur Initiierung und Leitung von Gruppendiskussionen ebenso wie zur Interpretation und zu Möglichkeiten der Generalisierung.

Im Workshop werden diese unterschiedlichen Zugänge beleuchtet. Vertieft behandelt wird jener Zugang, der kollektive Orientierungen zum Untersuchungsgegenstand macht. Auf der Basis von empirischen Beispielen, die wir gemeinsam behandeln, wird im Workshop der forschungspraktische Wert von guten Metatheorien erarbeitet: Beispielsweise wie sich ein lebendiger Ablauf von Diskussionen auf der Grundlage eines elaborierten Kollektivitätskonzepts zum einen erklären und zum anderen forschungspraktisch umsetzen lässt.

Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens für unterschiedliche Forschungsfragen werden entlang der Interessen der Teilnehmenden diskutiert, dabei können auch fokussierte Erhebungen, die z.B. einen Film, eine Sendung oder Bilder zum Ausgangspunkt der Gruppendiskussion machen, eine Rolle spielen. Je nach Wunsch und Vertrautheit der Gruppe mit dem Verfahren, werden wir entweder in eine gemeinsame Interpretation von Material aus Gruppendiskussionen einsteigen oder die einzelnen forschungspraktischen Schritte der Auswertung genauer besprechen.

Literatur

  • Bohnsack, Ralf & Przyborski, Aglaja (2007). Gruppendiskussionsverfahren und Focus Groups. In Renate Buber & Hartmut H. Holzmüller (Hrsg.), Qualitative Marktforschung (S. 493–506). Wiesbaden: Gabler.
  • Bohnsack, Ralf; Przyborski, Aglaja & Schäffer, Burkhard (Hrsg.) (2006). Das Gruppendiskussionsverfahren in der Forschungspraxis. Opladen: Verlag Barbara Budrich.
  • Przyborski, Aglaja (2004). Gesprächsanalyse und dokumentarische Methode. Qualitative Auswertung von Gesprächen, Gruppendiskussionen und anderen Diskursen. Wiesbaden: VS Verlag.
  • Przyborski, Aglaja & Wohlrab-Sahr, Monika (2021). Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch (5. vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage). München: Oldenbourg.
  • Przyborski, Aglaja & Riegler, Julia (2020). Gruppendiskussion und Fokusgruppe. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Design und Verfahren, (2., erweiterte und überarbeitete Auflage, S. 395–411). Wiesbaden: VS Verlag, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_34.

Prof. em. Dr. Jo Reichertz

Universität Duisburg-Essen, Campus Essen; FB 1 – Kommunikationswissenschaft

Prof. Dr. Ronald Kurt

Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Bochum

Dieser Workshop bietet die Möglichkeit, forschungspraktisch mit der wissenssoziologischen Hermeneutik zu arbeiten. Dieses theoretischemethodologische und methodische Konzept hat zum Ziel, die gesellschaftliche Bedeutung jeder Form von Interaktion (sprachlicher wie nichtsprachlicher; face-to-face wie institutionell geformter) und aller Arten von Interaktionsprodukten (Kunst, Religion, Unterhaltung, Geschäftsordnungen etc.) zu (re-) konstruieren.

Auf der Grundlage hermeneutischer Methoden (Sequenzanalyse, Perspektivenübernahme, Typenbildung) wird es im Rahmen von Sinn rekonstruierenden Zeicheninterpretationen darum gehen, zu verstehen, warum Menschen im Bezug auf andere Menschen so handeln wie sie handeln.

Untersucht wird, wie Handlungssubjekte – hineingestellt und sozialisiert in historisch und sozial entwickelte und abgesicherte Routinen und Deutungen des jeweiligen Handlungsfeldes – diese einerseits vorfinden und sich aneignen (müssen), andererseits diese immer wieder neu ausdeuten und damit auch „eigen-willig“ erfinden (müssen). Diese selbständigen Neuauslegungen des vorgefundenen Wissens werden (ebenfalls als Wissen) ihrerseits wieder in das gesellschaftliche Handlungsfeld eingespeist und verändern es.

Das Handeln der Akteure gilt in dieser Perspektive erst dann als verstanden, wenn der Interpret/die Interpretin in der Lage ist, es aufgrund der erhobenen Daten (Interviews, Beobachtungen, Dokumente, Bilder, Videos etc.) in Bezug zu dem vorgegebenen und für die jeweilige Handlungspraxis relevanten Bezugsrahmen zu setzen und es in dieser Weise für diese Situation als eine (für die Akteure) sinn-machende (wenn auch nicht immer zweck-rationale) „Lösung“ nachzuzeichnen.

Literatur

  • Hitzler, Ronald; Reichertz, Jo & Schröer, Norbert (Hrsg.) (1999). Hermeneutische Wissenssoziologie. Standpunkte zur Theorie der Interpretation. Konstanz: UVK.
  • Keller, Reiner; Knoblauch, Hubert & Reichertz, Jo (Hrsg.) (2013). Kommunikativer Konstruktivismus. Wiesbaden: Springer VS.
  • Kurt, Ronald (2004). Hermeneutik. Eine sozialwissenschaftliche Einführung. Konstanz: UVK/UTB.
  • Kurt, Ronald & Herbrik, Regine (2022). Sozialwissenschaftliche Hermeneutik und hermeneutische Wissenssoziologie. In Nina Baur,  & Jörg  Blasius (Hrsg.), Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (3. Auflage, S. 607–626. Wiesbaden: Springer VS.
  • Reichertz, Jo (2016). Qualitative und interpretative Sozialforschung. Eine Einladung. Wiesbaden: Springer VS.

Workshop: Interviews

Dr. Herwig Reiter

Deutsches Jugendinstitut, Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden

Das Interview gehört zu den Standardwerkzeugen qualitativer Sozialforschung und wird von unterschiedlichsten Ansätzen verwendet. Das liegt u.a. daran, dass es an das Gespräch als Interaktionsform des Alltags angelehnt ist und direkten Zugang zu Sprache und Denkweise der Forschungssubjekte ermöglicht. Außerdem ist es eine etablierte und pragmatische Alternative zu aufwändigeren Verfahren.

Der erste Teil des Workshops diskutiert die methodologischen Besonderheiten qualitativer Interviewforschung. Anhand der vergleichenden Darstellung des narrativen, des ethnographischen und des problemzentrierten Interviews werden Anwendungsbereiche und typische Arbeitsschritte sowie Vor- und Nachteile diskutiert. Der zweite Teil ist praktischen Fragen der Planung, Vorbereitung und Durchführung qualitativer Interviews gewidmet und richtet sich nach Forschungsvorhaben und konkreten Anliegen der Teilnehmenden.

Literatur

  • Deppermann, Arnulf (2013). Interview als Text vs. Interview als Interaktion [61 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 14(3), Art. 13, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-14.3.2064.
  • Helfferich, Cornelia (2011). Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Einzelinterviews (4. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Kruse, Jan (2014). Qualitative Interviewforschung. Ein integrativer Ansatz. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (2020). Qualitative Interviews. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Design und Verfahren (2., erweiterte und überarbeitete Auflage, S. 315–335). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_33.
  • Witzel, Andreas & Reiter, Herwig (2022). Das problemzentrierte Interview – eine praxisorientierte Einführung. Weinheim: Beltz Juventa.

Workshop: Qualitativ Forschen lehren lernen

Paul S. Ruppel

Ruhr-Universität Bochum / Technische Universität Dortmund / Institut für Qualitative Forschung

Christoph Stamann

Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften

Die Lehre und das Lernen qualitativer Forschung gehören mittlerweile zu einem bedeutsamen Arbeitsfeld, wie z.B. die zurückliegenden Diskussionen auf dem BMT und die Debatte in FQS zeigen. Die qualitative Methodenlehre, ihre didaktische Konzeption und Ausgestaltung stehen im Zentrum dieses Workshops. Er richtet sich an Lehrende mit Erfahrung in der Durchführung von Lehrveranstaltungen zur Vermittlung qualitativer Forschung (etwa Seminare, Forschungswerkstätten, Lehrforschungsprojekte, Tutorien).

Im Workshop werden zunächst unterschiedliche, gängige als auch innovative Formate zur Vermittlung qualitativer Forschungsmethoden vorgestellt. Mit besonderem Blick auf Formate, in denen die Anleitung zum Erlernen praktischer Handlungskompetenz des qualitativen Forschens im Zentrum steht, wird sodann gemeinsam erörtert und reflektiert, wie qualitative Forschungsprozesse von Studierenden in Lehrveranstaltungen didaktisch gerahmt und begleitet werden können. Auch Fragen zur Gestaltung von Lehr-Lern-Settings, in denen die Aneignung von Interpretationskompetenz im Zentrum steht, werden in diesem Zuge adressiert.

Es besteht die Möglichkeit, ausgewählte Konzeptionen von Veranstaltungsformaten der Teilnehmenden im Sinne einer Weiterentwicklung gemeinsam im Workshop zu besprechen.

Eine Einladung zur optionalen Einreichung dieses Materials erfolgt vor der Veranstaltung.

Literatur

  • Behrmann, Laura; Epp, André; Gras, Juliana; Nowak, Anna Christina; Panenka, Petra; Stamann, Christoph; Vock, Rubina & Weydmann, Nicole (Hrsg.) (2026/im Druck). Qualitative Forschung lehren – Didaktische Impulse aus der Praxis. Opladen: Verlag Barbara Budrich, DOI: https://www.utb.de/doi/book/10.36198/9783838566252.
  • Kanter, Heike & Mey, Günter [mit Kurzbeiträgen von Claudia Dreke, Rahim Hajji, Sandra Köchy, Jens Heßmann, Arnd Hofmeister, Beatrice Hungerland, Heike Stecklum] (2021). Herausforderungen, qualitative Forschungsmethoden zu lehren/lernen. Ansprüche, Spezifika und Lösungswege zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. In Alexa Maria Kunz, Günter Mey, Jürgen Raab & Felix Albrecht (Hrsg.), Qualitativ Forschen als Schlüsselqualifikation. Prämissen – Praktiken – Perspektiven (S. 26–51). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Schreier, Margrit & Breuer, Franz (2020). Lehren und Lernen qualitativer Forschungsmethoden. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage, S. 265–289). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_32.
  • Schreier, Margrit & Ruppel, Paul S. (2021). Entwicklungspotenziale im Lehren und Lernen qualitativer Forschungsmethoden in den Sozialwissenschaften. In Marc Dietrich, Irene Leser, Katja Mruck, Paul Sebastian Ruppel, Anja Schwentesius & Rubina Vock (Hrsg.), Begegnen, Bewegen und Synergien stiften: Transdisziplinäre Beiträge zu Kulturen, Performanzen und Methoden (S. 325–342). Wiesbaden: Springer VS, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-33632-5_18.
  • Stamann, Christoph; Ruppel, Paul. S. & Mey, Günter (Hrsg.) (2023). Transformationen des Lehrens und Lernens qualitativer Forschung. Journal für Psychologie, 31(2), 3–180, DOI: https://doi.org/10.30820/0942-2285-2023-2.

Workshop: Systematische Metaphernanalyse

Prof. Dr. Rudolf Schmitt

Hochschule Zittau-Görlitz, Fakultät Sozialwissenschaften

Dr. Andreas Hohmann

Bildungswerk für Soziales und Gesundheit

Die systematische Metaphernanalyse ist eine neue empirische Methode zur Rekonstruktion der Deutungen, in denen Menschen sich und ihre Welt begreifen. Sie stützt sie sich dabei auf die kognitive Linguistik, welche Metaphern nicht als schmückendes Beiwerk der Sprache begreift, sondern als integraler Bestandteil einer sprachlichen Praxis versteht. Mehr noch: Sprache operiert grundsätzlich metaphorisch, unsere Wahrnehmung, unser Denken, Fühlen und Handeln werden durch Metaphern geprägt. Von älteren Studien unterscheidet sie sich durch folgendes:

  • Sie nutzt die Theorie der kognitiven Linguistik (George Lakoff und Mark Johnson), um den Stellenwert von Metaphern für Strukturen von Denken, Handeln und Emotionen zu bestimmen.
  • Das empirische Vorgehen bietet eine handhabbare Arbeitsdefinition zur Erkennung von Metaphern.
  • Sie ermöglicht, von einzelnen Metaphern auf zusammenhängende metaphorische Konzepte zu schließen.
  • Das empirische Vorgehen der Metaphernanalyse ist offen dafür, sowohl kulturelle, subkulturelle wie individuelle Muster zu rekonstruieren.
  • Für die Interpretation metaphorischer Muster steht eine Sammlung heuristischer Hilfen zur Verfügung.
  • Neben allgemeinen, für qualitative Forschung gültigen Gütekriterien sind speziellere Gütekriterien für Metaphernanalysen benennbar.

Im Workshop sollen diese Merkmale je nach Vorwissen der Teilnehmer*innen an vorbereitetem Material vorgestellt und in kleinen Übungen vertieft werden.

Literatur

  • Lakoff, George & Johnson, Mark (1998 [1980]). Leben in Metaphern. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme. [Orig.: 1980. Metaphors we live by. Chicago: The University of Chicago Press].
  • Schmitt, Rudolf (2004). Diskussion ist Krieg, Liebe ist eine Reise, und die qualitative Forschung braucht eine Brille. Review Essay: George Lakoff & Mark Johnson (2003). Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern [54 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, Art. 19, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-5.2.621.
  • Schmitt, Rudolf (2017). Systematische Metaphernanalyse als Methode der qualitativen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer VS, http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-13464-8.
  • Schmitt, Rudolf; Schröder, Julia & Pfaller, Larissa (2018). Systematische Metaphernanalyse. Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS, https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-21460-9.
  • Schmitt, Rudolf; Schröder, Julia; Pfaller, Larissa & Hoklas, Anne-Kathrin (2022). Die Praxis der systematischen Metaphernanalyse. Anwendungen und Anschlüsse. Wiesbaden: Springer VS, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-36121-1.

Workshop: Fallauswahl

Prof. Dr. Margrit Schreier

Constructor University Bremen, ehemals Jacobs University Bremen

Prof. Dr. Nicole Weydmann

Hochschule Furtwangen

Beim Sampling in der quantitativen Forschung geht es oft darum, durch Zufallsauswahl eine repräsentative Stichprobe zu gewinnen, um von der Stichprobe auf eine Grundgesamtheit zu schließen. In der qualitativen Forschung stehen dagegen meist ganz andere Ziele im Vordergrund. Dabei wird eine begrenzte Anzahl von Fällen vertieft, differenziert untersucht und dargestellt. Wesentlich für die Auswahl der Fälle ist dabei meist nicht die Repräsentativität, sondern dass die Fälle im Hinblick auf die Fragestellung möglichst informationshaltig sind (sog. absichtsvolle Fallauswahl).

Was heißt „informationshaltig“ in der Praxis aber genau? Wie geht man bei der absichtsvollen Fallauswahl vor, und wie viele Fälle sind „genug“? Diesen Fragen gehen wir in dem Workshop anhand von Untersuchungsbeispielen der Teilnehmer*innen nach. Es werden verschiedene Kriterien und Strategien der Fallauswahl beschrieben und erprobt. Diese Strategien und Kriterien stammen teilweise aus der qualitativ-sozialwissenschaftlichen Tradition (z.B. kriterienorientierte Fallauswahl, theoretisches Sampling, qualitative Stichprobenpläne, heterogene Stichprobenziehung), teilweise aus der Literatur zur Durchführung von Fallstudien (z.B. Auswahl von typischen Fällen, Extremfällen, abweichenden Fällen). Soweit noch Zeit ist und die Teilnehmenden dies möchten, sprechen wir auch über verschiedene Konzepte von Verallgemeinerung und wie diese mit Strategien der Fallauswahl zusammenhängen.

Der Workshop eignet sich für alle, die eine qualitative Studie planen und sich schon vorab über die Fallauswahl Gedanken machen. Er soll auch denjenigen eine Hilfestellung an die Hand geben, die ihre Fallauswahl bereits abgeschlossen haben und sich nun fragen, was sie auf dieser Grundlage aussagen können.

Die Fallauswahl ist ein Teil des Untersuchungsdesigns und geht damit über die Anwendung einzelner Methoden hinaus. Neben der Beschreibung von Strategien sind daher auch methodologische Überlegungen zur Fallauswahl in der qualitativen und der quantitativen Forschung Bestandteile des Workshops.

Literatur

  • Gobo, Ganpietro (2006). Sampling, representativeness, and generalizability. In Clive Seale et al. (Ed.), Qualitative research practice (pp. 435–456). London: Sage.
  • Mason, Mark (2010). Sample size and saturation in PhD studies using qualitative interviews [63 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 11(3), Art. 8, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-11.3.1428.
  • Schreier, Margrit & Weydmann, Nicole (2025). Fallauswahl in der qualitativen Forschung : Grundlagen. In dies, Fallauswahl in der qualitativen Forschung (S. 13–33). Opladen & Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Workshop: Organisationstechnografie

Prof. Dr. Inga Truschkat

Freie Universität Berlin, Arbeitsbereich Organisationspädagogik

Leoni Vollmar

Freie Universität Berlin, Arbeitsbereich Organisationspädagogik

Digitalität durchzieht nicht nur unseren persönlichen Alltag, sondern sie begegnet uns auch, weil Organisationen zunehmend durch sie geprägt sind. Dies betrifft uns als Adressat*innen, Kund*innen und Arbeitnehmer*innen in vielfältigen Lebenslagen. Dabei werden im Zuge von Automatisierungs- und Optimierungsbestrebungen nicht nur vormals analoge organisationale Prozesse in digitale Formen und entsprechende digitale Tools und Medien überführt. Auch wirkt das Digitale rekursiv auf selbstverständliche Praktiken und Deutungsmuster innerhalb der Organisation zurück, wodurch Aushandlungen neuer organisationaler Praktiken erforderlich werden und sich organisationale Strukturen verändern (vgl. Büchner 2018).

Um diese Dynamiken analytisch in den Blick zu nehmen und die damit verbundenen sozialen Folgen empirisch nachzuzeichnen, wird die Organisationstechnografie zu einem wichtigen Forschungsinstrument. Organisationstechnografie ist ein Forschungsansatz, der untersucht, wie Digitalität und Organisation sich gegenseitig hervorbringen und verändern. Unter der Prämisse der Ubiquität des Digitalen fragt Organisationstechnografie zum einen danach, wie das Digitale auf die Neuordnung organisationaler Verhältnisse (Deutungsmuster, Strukturbildung, Machtverhältnisse) wirkt und zum anderen auch selbst in organisationale Strukturen inkorporiert wird. Dabei verbindet die Organisationstechnografie Ansätze der „ethnography of organizations“ (vgl. Eberle & Maeder 2021; Engel 2014) mit Ansätzen der Technografie (vgl. Rammert 2007). Der Workshop führt in die methodologischen und methodischen Grundlagen ein. Gemeinsam werden wir über potenzielle Forschungsfragen, mögliche Forschungsdesigns, Erhebungsverfahren und Analysemethoden diskutieren. Je nach Interesse besteht die Möglichkeit, gemeinsam mit Datenmaterial aus einer aktuellen Studie zu arbeiten oder eigene Fragen oder Datenmaterial für die Diskussion einzubringen.

Literatur

  • Büchner, Stefanie (2018). Zum Verhältnis von Digitalisierung und Organisation, Zeitschrift für Soziologie 47(5), 332–348, DOI: https://doi.org/10.1515/zfsoz-2018-0121.
  • Eberle, Thomas S. & Maeder, Christoph (2021). Organizational Ethnography. In David Silverman (Hrsg.), Qualitative research, 5E (S. 129–145). London: Sage.
  • Engel, Nicolas (2014). Die Übersetzung der Organisation. Pädagogische Ethnographie organisationalen Lernens. Wiesbaden: Springer VS.
  • Rammert, Werner (2007). Technografie trifft Theorie: Forschungsperspektiven einer Soziologie der Technik, TUTS – Working Papers, Berlin, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-12091.

Workshop: Forschungsethik

Dr. Olaf Tietje

Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Soziologie

Prof. Dr. Hella von Unger

Ludwig-Maximilians-Universität, Institut für Soziologie

Forschungsethische Fragen stellen sich in allen Phasen des Forschungsprozesses und betreffen insbesondere die Gestaltung der Beziehungen zwischen den Forschenden und den Personen und Einrichtungen, die an der Forschung teilnehmen. Viele Fachgemeinschaften haben Ethik-Kodizes entwickelt, um Prinzipien und Grundsätze zu formulieren, die das Forschungshandeln leiten. Forschende sind beispielsweise aufgefordert, die Risiken der Teilnahme an ihrer Studie zu antizipieren und Schaden zu vermeiden, von Teilnehmenden eine informierte Einwilligung einzuholen und die Daten zu anonymisieren und vertraulich zu behandeln. In der qualitativen Forschungspraxis werfen diese Grundsätze jedoch vielfältige Herausforderungen auf: Wie lässt sich beispielsweise eine informierte Einwilligung bei teilnehmenden Beobachtungen einholen – und von wem? Wie lassen sich Risiken antizipieren, wenn der Forschungsverlauf methodologischen Prinzipien folgend offen gestaltet wird und nur eingeschränkt planbar ist? Lassen sich qualitative Daten überhaupt sinnvoll anonymisieren – und wenn ja, wie? Im Zusammenhang mit neuen Technologien und digitalen Wirklichkeiten stellen sich neue Fragen, auf die die bestehenden Grundsätze keine direkten Antworten liefern (wie beispielsweise im Bereich der social media-Forschung). Es bedarf daher einer forschungsethischen Reflexivität, die nicht nur das eigene Forschungshandeln, sondern auch die kanonisierten Grundsätze kritisch hinterfragt und danach strebt, im jeweils spezifischen Forschungskontext Antworten auf die Frage zu finden, welches Handeln ethisch vertretbar ist – und welches nicht.   

Der Workshop führt in zentrale forschungsethische Grundsätze ein und diskutiert einige der Herausforderungen, die sich in der qualitativen Forschung stellen. Es besteht auch die Gelegenheit, dass Teilnehmende forschungsethische Fragen und Anliegen aus ihrer eigenen Forschungspraxis diskutieren. Die Teilnehmenden werden gebeten, ihre Fragen und Anliegen im Vorfeld zu kommunizieren, um eine Auswahl und Fokussierung der Diskussion zu ermöglichen. Die Anliegen und Inhalte der Diskussion werden vertraulich behandelt.

Literatur

  • Saunders, Benjamin; Kitzinger, Jenny & Kitzinger, Celina (2015). Anonymising interview data: Challenges and compromise in practice. Qualitative Research 15 (5), 616–632.
  • Tietje, Olaf (2023). „Du weißt es jetzt – erzähl davon!“ Dekoloniale Forschungsperspektiven und Aufträge aus dem Forschungsfeld [28 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 24(1), Art. 4, DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-24.1.3974.
  • von Unger, Hella (2018). Forschungsethik, digitale Archivierung und biographische Interviews. In Helma Lutz, Martina Schiebel & Elisabeth Tuider (Hg.), Handbuch Biographieforschung (S. 681–693). Wiesbaden: Springer VS.
  • von Unger, Hella, Narimani, Petra & M’Bayo, Rosalie (Hrsg.) (2014). Forschungsethik in der qualitativen Forschung: Reflexivität, Perspektiven, Positionen. Wiesbaden: Springer VS.

Dr. René Wilke

Technische Universität Berlin, Institut für Soziologie

Ausgehend von den 1980er Jahren haben audio-visuelle Forschungsdaten einen festen Platz im Forschungskanon der qualitativen empirischen Forschung erlangt. Nicht zuletzt durch die Entwicklung von Social Media-Plattformen beschäftigt sich seit den 2000er Jahren eine immer stärker wachsende Anzahl von Forscher*innen mit audio-visuellen Daten. Audio-visuelle Datenerhebungen und die Analyse von audio-visuellen Materialien („found footage“) finden in einer Reihe unterschiedlicher Disziplinen statt, die von Anthropologie, (Europäischer) Ethnologie und Erziehungswissenschaft über die Kulturwissenschaften bis zur Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und den Science and Technology Studies (STS) reichen. Die Videoanalyse hat sich inzwischen an vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen etabliert und mobilisiert gerade hierzulande eine sehr aktive Forschungscommunity.

Der Workshop richtet sich an Forscher*innen im Bereich der qualitativen empirischen Sozialforschung mit audio-visuellen Forschungsdaten. Sie bietet die Möglichkeit, selbst erhobene bzw. gesammelte audio-visuelle Forschungsdaten aus laufenden Forschungsprojekten vorzustellen und anhand dieser Daten, die Methoden der audio-visuellen Datenanalyse zu erproben und einzuüben. Insgesamt geht es darum, dass alle Teilnehmenden die Grundlagen der audio-visuellen Datenanalyse kennenlernen und von der Diskussion und den Einblicken in unterschiedliche Analyseansätze audio-visueller Forschungsdaten profitieren.

Die Teilnehmenden werden aufgefordert, nachdem die Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen vorliegt, eine kleine Auswahl kurzer Datensequenzen samt entsprechender Transkripte sowie eine kurze Darstellung des Forschungskontexts (max. eine Seite) einzureichen. Aus diesen Einreichungen werden zwei geeignete Datenbeispiele ausgewählt, die als Grundlage für die praktische Übung in dem Workshop dienen sollen. Die Auswahl wird sich an dem Anspruch, möglichst kontrastierende Ansätze zu präsentieren sowie an der zur Verfügung stehenden Zeit orientieren.

Eingereicht werden können Projekte aus dem gesamten Spektrum der empirischen qualitativen Forschung mit audio-visuellen Daten, so z.B. Videografie oder auch Medienproduktanalyse (Plattformvideos etc.). Unterschiedliche Erhebungs- bzw. Auswertungskontexte sind ausdrücklich erwünscht, um anhand ihrer Unterschiede, z.B. bzgl. der Bedeutung der Kamera und der Bildproduzent*innen, spezifische methodologische Herausforderungen der audio-visuellen Datenanalyse aufzeigen zu können.  

Bitte beachten Sie bei der Dateneinreichung, dass Sie die erforderlichen Nutzungsrechte zum Teilen dieser Daten besitzen und die Daten evtl. ausreichend anonymisieren werden. Im Falle einer Anonymisierung ist außerdem dafür Sorge zu tragen, dass die Voraussetzungen einer Video-(Interaktions-)Analyse erhalten bleiben. Die datenschutzrechtliche Verantwortung liegt bei den jeweiligen Datengeber*innen.

Literatur

  • Tuma, René; Schnettler, Bernt & Knoblauch, Hubert (2013). Videographie. Einführung in die Video-Analyse sozialer Situationen. Wiesbaden: Springer VS.
  • Bohnsack, Ralf; Fritzsche, Bettina & Wagner-Willi, Monika (Hrsg.) (2015). Dokumentarische Video- und Filminterpretation. Methodologie und Forschungspraxis (2., durchgesehene Auflage). Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.
  • Wilke, René (2018). Das Interpretations-Bild. Über die Repräsentation audio-visueller Forschungsdaten in soziologischen Publikationen. In Christine Moritz und Michael Corsten (Hrsg.), Handbuch Qualitative Videoanalyse (S.485–500). Wiesbaden: Springer VS.
  • Knoblauch, Hubert; Baer, Alejandro; Laurier, Eric; Petschke, Sabine & Schnettler, Bernt (2008). Visual Analysis. New Developments in the Interpretative Analysis of Video and Photography. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 9(3), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-9.3.1170.
  • Schnettler, Bernt & Raab, Jürgen (2008). Interpretative Visual Analysis. Developments, State of the Art and Pending Problems. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 9(3), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-9.3.1149.

Dr. Arne Worm

Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Methoden und methodologische Grundlagen der Sozialwissenschaften (IMMS)

In diesem Workshop werden die methodologischen Prinzipien und die methodische Vorgehensweise biografischer Fallrekonstruktionen vorgestellt. Dieses Verfahren wurde von Gabriele Rosenthal zunächst im Zusammenhang mit der Analyse biografisch-narrativer Interviews entwickelt. Es zielt als prozessuale und historisch orientierte Methode auf die Rekonstruktion der wechselseitigen Konstitution von Individuen und Gesellschaften. Biografische Fallrekonstruktionen bestehen aus mehreren Analyseschritten, die in dem Workshop vorgestellt und an exemplarischem Datenmaterial demonstriert werden. Diese Analyseschritte können in modifizierter Form auch für die Analyse von Familiengesprächen, Interaktionsverläufen, Videoaufnahmen, von Protokollen teilnehmender Beobachtungen sowie bei schriftlichen biografischen Materialien angewandt werden. In der biografieanalytischen Forschungspraxis wird zudem oftmals methodenplural vorgegangen.

In dem Workshop werden neben Einblicken in die konkrete Auswertungspraxis auch Fragen zu Forschungsdesigns und Reflexivität im Forschungsprozess erörtert.

Literatur

  • Becker, Johannes & Worm, Arne (2026). Classes in Transition: Intergenerational Family Trajectories and Forced Migration in Historical Context. Current Sociology, 74(2), 239–256, DOI: https://doi.org/10.1177/00113921251383391.
  • Radenbach, Niklas & Rosenthal, Gabriele (2012). Das Vergangene ist auch Gegenwart, das Gesellschaftliche ist auch individuell. Zur Notwendigkeit der Analyse biographischer und historischer ‚Rahmendaten’. Sozialer Sinn, 13(1), 3–37, DOI: https://doi.org/10.1515/sosi-2012-0102.
  • Rosenthal, Gabriele (2024/1995). Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt am Main: Campus.
  • Rosenthal, Gabriele (2016). Die Erforschung kollektiver und individueller Dynamik – Zu einer historisch und prozess-soziologisch orientierten interpretativen Sozialforschung [21 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 17(2), Art. 13, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-17.2.2614.
  • Worm, Arne (2023). Migrantized Biographies: Reconstructing Life-Stories and Life-Histories as a Reflexive Approach in Migration Research. Historical Social Research, 48(4), 178–198, DOI: https://doi.org/10.12759/hsr.48.2023.44.