Forschungswerkstätten 2023

Forschungswerkstatt: Reflexive Grounded Theory

Prof. i.R. Dr. Franz Breuer

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Psychologie

In dieser Forschungswerkstatt soll der Ablauf eines Forschungsprojekts im Forschungsstil der Reflexiven Grounded Theory in seinen wichtigsten Schritten skizziert werden:

  • Die Grundidee: eine neue Theorie generieren
  • Umgang mit Vorwissen und theoretische Sensibilität
  • Themenfokussierung als Erkenntnisbewegung
  • Erste (Feld, Gesprächs-) Kontakte
  • Rolle und Reflexion der Person des/der Forschenden im Forschungskontakt
  • Fallauswahl: Theoretical Sampling
  • Dokumentation und Transkription
  • Kodieren: die Generierung von Konzepten
  • Modellbilden: Auswahl und Systematisierung der Konzepte
  • Die Forschungsgruppe als Werkzeug
  • Informelles und formelles Schreiben: Forschungstagebuch, Memos und finaler Text

Diese Aspekte werden kurz vorgestellt. Zu den einzelnen Phasen, Forschungsschritten bzw. methodischen Wahlentscheidungen können die Teilnehmer*innen (auf dem Hintergrund ihrer eigenen Probleme oder Erfahrungen) Fragen stellen. Bevorzugt werden Fragen besprochen, die sich im Zusammenhang mit einem ersten eigenen Forschungsprojekt nach RGTM-Modus stellen. An einem ausgewählten Teilnehmer*innen-Projekt machen wir gemeinsame Transfer-Versuche der Arbeitsweise. Die Forschungswerkstatt richtet sich an Interessierte unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Fachrichtungen.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr eigenes R/GTM-Projekt als (Illustrations-) Fall besprochen wird und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé (plus Datenausschnitt) einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Einführungsliteratur zur Forschungswerkstatt

  • Breuer, Franz; Muckel, Petra & Dieris, Barbara (2019). Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis (4. durchgesehene und aktualisierte Auflage). Wiesbaden: Springer VS.

Forschungswerkstatt: Tiefenhermeneutik / Psychoanalytisch orientierte Sozialforschung

Dr. Markus Brunner

Sigmund Freud Privatuniversität Wien

Dr. des. Saskia Gränitz

Institut für Sozialforschung

Tiefenhermeneutik ist eine psychoanalytisch orientierte Methode der qualitativen Sozial- und Kulturforschung, die von dem Frankfurter Psychoanalytiker und Sozialpsychologen Alfred Lorenzer begründet wurde (Lorenzer 1986). Sie untersucht den narrativen Gehalt von Kulturprodukten und empirischen Forschungsdaten mit dem Ziel, auch unbewusste (nonverbale) Bedeutungen zu verstehen (König et al. 1986; Leithäuser & Volmerg 1988). Um diese Bedeutungen interpretativ zu erschließen, setzt die Tiefenhermeneutik an der Wirkung an, die Forschungsmaterialien auf das Erleben der Forscher*innen entfalten: Eine tiefenhermeneutische Interpretation bewegt sich hin und her zwischen einer genauen regelgeleiteten Lektüre des Forschungsmaterials und der Reflexion von Irritationen, Gefühlen und Konflikten, mit der die Forscher*innen auf das Material reagieren. Werden diese Reaktionen ernst genommen und mit Vorsicht reflektiert, können sie Aufschluss über eine unbewusste Ebene der Forschungsbeziehung (z.B. zwischen Interviewer*in und Interviewee) und damit über eine latente Sinnschicht des Forschungsthemas geben.

Die Forschungswerkstatt bietet die Möglichkeit, tiefenhermeneutisches Arbeiten forschungspraktisch auszuprobieren und erste Eindrücke von der methodischen Vorgehensweise zu sammeln. In der Forschungswerkstatt soll es darum gehen, nach einem Input mit empirischem Material der Teilnehmenden tiefenhermeneutisch zu arbeiten. Vorerfahrungen der Teilnehmenden sind hierbei nicht erforderlich. Eingereicht werden können Transkripte von Interviews und Gruppendiskussionen oder Beobachtungsprotokolle, gerne auch Kulturprodukte wie Bilder, Karikaturen oder Dokumente usw.

Die endgültige Planung der Forschungswerkstatt erfolgt auf der Basis des eingereichten Materials, wobei das Hauptauswahlkriterium ist, mit unterschiedlichen Materialformen zu arbeiten.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bereswill, Mechthild; Morgenroth, Christine & Redman, Peter (2010). Special issue: Alfred Lorenzer and the depth-hermeneutic method. Psychonalysis, Culture and Society, Vol. 15, 3.
  • Haubl, Rolf & Lohl, Jan (2017). Psychoanalyse und qualitative Sozialforschung. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie, Springer Reference Psychologie. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-18387-5_6-1.
  • Haubl, Rolf & Lohl, Jan (2020). Tiefenhermeneutik. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte u. erweiterte Auflage; S. 555–577). Wiesbaden: Springer. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_57.
  • König, Hans-Dieter (2008). Tiefenhermeneutik. In Uwe Flick, Ernst von Kardorff & Ines Steinke (Hg), Qualitative Forschung. Ein Handbuch (S. 556-568). Reinbek: Rowohlt.
  • König, Julia; Burgermeister, Nicole; Brunner, Markus; Berg, Philipp & König, Hans-Dieter für die Forschungswerkstatt Tiefenhermeneutik (Hg.) (2018). Dichte Interpretation. Tiefenhermeneutik als Methode qualitativer Forschung. Wiesbaden: Springer VS.
  • Lorenzer, Alfred (1986). Tiefenhermeneutische Kulturanalyse. In Hans-Dieter König et al. (Hg.), Kultur-Analysen (S. 11–98), Frankfurt am Main: Fischer.

Forschungswerkstatt: Sozialwissenschaftliche Dispositivanalyse

Prof. Dr. Andrea D. Bührmann

Universität Göttingen, Institut für Diversitätsforschung

Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse zielt darauf, diskursive Praktiken zur Herstellung und Durchsetzung von Wissen in spezifischen sozio-historischen Kontexten zu analysieren und dessen Formierungsstrukturen, Funktionsmechanismen und Machtwirkungen zu entziffern. Bei der Dispositivanalyse geht es vor diesem Hintergrund um die die systematische Ergänzung und Weiterung diskurstheoretischer Perspektiven und diskursanalytischer Forschungspraxis. Im Zentrum stehen also diskursive und nicht-diskursive Praktiken und deren Vermittlungen. Zu fragen ist damit nach den Wechselbezügen zwischen normierenden Wissensordnungen, ihren konkreten handlungspraktischen Wirksamkeiten im Austausch von Akteur*innen sowie den damit einhergehenden Selbst-Bezügen und Subjektivitätsformen und -weisen.

Obwohl mittlerweile einige Konzeptionen für eine (auch) an Foucault orientierte und darüber hinausweisende Forschungsmethodik vorliegen, bleibt eine methodische „Schrittfolge“ für Diskurs- und Dispositivanalysen problematisch. Die gilt besonders, falls solche Vorgaben den Anspruch auf Verbindlichkeit und Ausschließlichkeit erheben. Was eine „Diskurs-“ bzw. „Dispositivanalyse“ jeweils ausmacht, muss je nach Forschungsfrage, ihrer jeweiligen theoretischen und methodologischen Fundierung sowie den damit verbundenen methodisch-praktischen Umsetzungen immer erst bestimmt werden.

Die Forschungswerkstatt bietet mit Blick darauf eine grundlegende und einführende Diskussion zur sozialwissenschaftlichen (Diskurs- und) Dispositivforschung, die vor allen Dingen an konkreten methodisch-praktischen Fragen der Durchführung von Forschungsprojekten orientiert ist.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr Forschungsprojekt als (Illustrations-) Beispiel besprochen wird, und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietende der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bührmann, Andrea D.; Diaz-Bone Rainer; Kendall, Gavin; Guiterréz Rodríguez, Encarnación; Schneider, Werner & Tirado, Francisco (Hrsg.) (2007). From Michel Foucault’s Discourse Theory to Empirical Social Research on Discourses. Current Methodological Developments und Methodical Applications in Social Research. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research8(2), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/7.
  • Bührmann, Andrea & Schneider, Werner (2012). Vom Diskurs zum Dispositiv. Eine Einführung in die Dispositivanalyse (2. Auflage) Bielefeld: transcript.

Forschungswerkstatt: Konversationsanalyse

Prof. Dr. Arnulf Deppermann

Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim

Gegenstand der Konversationsanalyse sind die Verfahren, mit denen Teilnehmende an einer verbalen Interaktion ihren Austausch organisieren und dabei soziale Wirklichkeit auf verschiedenen Ebenen der Sinnkonstitution herstellen. Die Konversationsanalyse befasst sich mit den grundlegenden Aufgaben der Gesprächskonstitution. Dazu gehören bspw. die Eröffnung und Beendigung von Gesprächen, die Organisation des Sprecherwechsels, die Kategorisierung und Darstellung von Sachverhalten, die Koordination des gemeinsamen Handelns oder die Performanz und Zuschreibung von Identitäten. Ziel der Untersuchung ist die Rekonstruktion konversationeller Praktiken, d.h. von sprachlich-kommunikativen und leiblichen Verfahren, die in bestimmten Gesprächskontexten zur Bearbeitung spezifischer Aufgaben und Probleme der Gesprächskonstitution eingesetzt werden. Diese Praktiken können mehr oder weniger allgemein, kulturspezifisch oder an besondere Aufgaben im Bereich institutioneller Interaktionen (wie Beratung, Gerichtsverhandlung) adaptiert sein. Je nach disziplinärem Interesse kann die Untersuchung z.B. linguistische Formen und Strukturen (interaktionale Linguistik), institutionelle Aufgaben und Probleme (applied conversation analysis) oder das multimodale Handeln in Arbeitskontexten (workplace studies) betreffen. Oftmals ist es zudem nötig, ethnografisches Hintergrundwissen einzubeziehen.

Die Konversationsanalyse arbeitet ausschließlich mit Ton- und Videoaufnahmen sowie Transkripten von Gesprächen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Untersuchungsfragestellungen der Konstitutionsweise der Daten angepasst sind (Natürlichkeitsprinzip) und in intensiver Auseinandersetzung mit dem Datenmaterial spezifiziert werden. Die Methodik der Konversationsanalyse verknüpft die detaillierte Sequenzanalyse von Einzelfällen mit der Arbeit mit Datenkollektionen, die unterschiedliche Realisierungen einer konversationellen Praxis enthalten.

In der Forschungswerkstatt soll anhand von Materialien von zwei Teilnehmenden an jeweils einer kleinen Kollektion von Fällen einer konversationellen Praxis gearbeitet werden. Bewerber*innen werden gebeten, ein kurzes Exposé ihrer für das Methodentreffen relevanten Forschungsfragen (ca. eine Seite) sowie eine Kollektion von drei zu bearbeitenden Transkripten (nach GAT2 oder CA/Jefferson-Notation) einzureichen. Für die Arbeit in der Forschungswerkstatt müssen die Daten zudem als Audiodatei (mp3/wav) oder Videofile (mp4) bereit stehen. Bevorzugt werden dabei Videoaufnahmen. Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme das Organisationsteam – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Leiter der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Deppermann, Arnulf (2008). Gespräche analysieren. Opladen: Leske + Budrich.
  • Deppermann, Arnulf (2014). Konversationsanalyse: Elementare Interaktionsstrukturen am Beispiel der Bundespressekonferenz. In: Sven Staffeldt & Jörg Hagemann (Hrsg.), Pragmatiktheorien. Analysen im Vergleich (S.19–47). Tübingen: Stauffenburg.
  • Deppermann, Arnulf (2020). Konversationsanalyse und diskursive Psychologie. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte u. erweiterte Auflage; S. 649–672)  Wiesbaden: Springer VS. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_50.
  • Sidnell, Jack & Stivers, Tanya (eds.) (2013). Handbook of Conversation Analysis. New York: Wiley-Blackwell.

Forschungswerkstatt: Ethnografische Forschungsdesigns

Ass.-Prof. Dr. Tilo Grenz

Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten

Dr. Theresa Vollmer

Universität Wien, Institut für Soziologie

Unter einem ethnografischen Forschungsdesign in der Soziologie verstehen wir die wissenschaftliche Erkundung eines hinlänglich abgrenzbaren Wissens-, Kommunikations- und/oder Interaktionszusammenhanges, kurz: eines identifizierbaren sozialen Feldes, unter Nutzung verschiedener Verfahren der Datenerhebung und einer oder mehrerer interpretativer Methoden der Datenauswertung. Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne eines Verfahren bzw. Methoden kombinierenden Ansatzes unterscheidet sich somit (deutlich) von Designs standardisierter Erhebungen hier und von sogenannten „qualitativen“ Ein-Methoden-Designs da. Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne grenzt sich aber auch ab von Feldforschungskonzepten, in denen – direkte oder indirekte – Veränderungsabsichten intendiert oder impliziert sind (wie etwa solchen, die der sogenannten Aktionsforschung zugerechnet werden können). Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne zielt typischerweise auch nicht ab auf eine Kritik der das je untersuchte Feld kennzeichnenden Praktiken, sondern eher auf ein „vor- bzw. außermoralisches“ Verstehen dessen, was im je untersuchten Feld geschieht, und darauf, das (mitunter befremdliche) soziale Geschehen auch für nicht daran Beteiligte verständlich(er) zu machen.

In dieser Forschungswerkstatt sollen nicht bereits erhobene Daten und/oder sonst wie bereits zuhandene Feldmaterialien ausgewertet, sondern die sozialwissenschaftliche Plausibilität bzw. Plausibilisierbarkeit von Designs bzw. Konzepten für geplante oder laufende ethnografische Studien diskutiert werden.

In der Forschungswerkstatt werden maximal drei von Teilnehmern und Teilnehmerinnen eingebrachte Anlagen ethnografischer Studien besprochen. Diese drei Designs bzw. Konzepte werden nach Sichtung der eingegangenen Bewerbungen von uns ausgewählt. Diese Sichtung erfolgt auf der Grundlage von Exposés, in denen Fragestellungen, Zielsetzung, methodische Anlage und theoretische Interessen der in Frage stehenden ethnografischen Studie klar ausgewiesen sein sollen. Diese Exposés sollen mindestens 10.000 und höchstens. 20.000 Zeichen umfassen.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Breidenstein, Georg; Hirschauer, Stefan; Kalthoff, Herbert & Nieswand, Boris (2013). Ethnografie. Konstanz und München: UVK/UTB.
  • Dellwing, Michael & Prus, Robert (2012). Einführung in die interaktionistische Ethnografie. Wiesbaden: Springer VS.
  • Hitzler, Ronald (1999). Welten erkunden. Soziologie als (eine Art) Ethnologie der eigenen Gesellschaft. Soziale Welt, 50(4), 473–483.
  • Hitzler, Ronald & Eisewicht, Paul (2016). Lebensweltanalytische Ethnographie – im Anschluss an Anne Honer. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Honer, Anne (2011). Das Perspektivenproblem in der Sozialforschung. In dieselbe: Kleine Leiblichkeiten. (S. 27–40). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Pfadenhauer, Michaela (2017). Grenzziehungen, Grenzverläufe, GrenzgängerInnen. Zum kulturanalytischen Potenzial der Ethnografie [31 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 18(1), Art. 12, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-18.1.2782.

Forschungswerkstatt: Dokumentarische Methode

Dr. Martin Hunold

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Pädagogik

Die Dokumentarische Methode ist ein Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung und findet mittlerweile in vielfältigen Gegenstandsbereichen und zahlreichen Disziplinen Anwendung; zunehmend beweist sie in transdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojekten ihre Stärken. Die Methode ist in der Arbeit mit Gruppendiskussionen, teilnehmender Beobachtung und narrativen Interviews entstanden, dann für weitere Textsorten und in den letzten Jahren für die Bild- und Videoanalyse weiterentwickelt worden.

Ziel der Forschungswerkstatt im Rahmen des Berliner Methodentreffen ist es, anhand konkreter, forschungspraktischer Beispiele aus dem Material der Teilnehmer*innen die grundlegenden Arbeitsschritte, Kristallisations- und Knackpunkte der dokumentarischen Methode erfahrbar zu machen.

Den methodischen Schwerpunkt soll die Arbeit mit Gruppendiskussionen und/oder narrativ orientierten Interviews (alle Formen) bilden.

Wenn Sie interessiert sind, dass wir die Dokumentarische Methode entlang Ihres Vorhabens in der Forschungswerkstatt beleuchten, sind folgende Unterlagen als Materialgrundlage notwendig:

  • Projektplanung und Forschungsdesigns (max. 5 Seiten)
  • Trankskripte von Gruppendiskussionen oder:
  • Interviews (alle Formen)
  • Interpretation (formulierende und/oder reflektierende Interpretation nach der Dokumentarischen Methode) zu Ihrem Material (Transkript), die uns zur Verfügung gestellt wird (max. 14 Seiten).

Es können maximal zwei Vorlagen diskutiert werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstätten weitergeleitet.

Literatur

  • Bohnsack, Ralf (2021). Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden (10. Auflage). Opladen: Verlag Barbara Budrich.
  • Hunold, Martin (2013). Die dokumentarische Interpretation von Lernorientierungen bei parteipolitisch Engagierten. Zeitschrift für Qualitative Forschung (ZQF), 14. Jg., Nr. 2, 327–344. DOI: https://doi.org/10.3224/zqf.v14i2.16389.
  • Hunold, Martin (2020). Organisationale Erziehungspraxis. Zur Rekonstruktion und Typisierung der Erziehung von Erwachsenen durch Organisationen. In Arnd-Michael Nohl (Hrsg.), Rekonstruktive Erziehungsforschung (Reihe: Rekonstruktive Bildungsforschung, Band 20, S. 139–165). Wiesbaden: Springer VS.
  • Loos, Peter; Nohl, Arnd-Michael; Przyborski, Aglaja & Schäffer, Burkhard (2013). Dokumentarische Methode. Grundlagen – Entwicklungen – Anwendungen. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
  • Nohl, Arnd-Michael (2017). Interview und dokumentarische Methode. Anleitungen für die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS.
  • Przyborski, Aglaja (2004). Gesprächsanalyse und dokumentarische Methode. Qualitative Auswertung von Gesprächen, Gruppendiskussionen und anderen Diskursen. Wiesbaden: VS Verlag.

Forschungswerkstatt: Wissenssoziologische Diskursanalyse

Prof. Dr. Reiner Keller

Universität Augsburg, Allgemeine Soziologie und Wissenssoziologie

Die Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) formuliert ein Forschungsprogramm zur Untersuchung gesellschaftlicher Wissensverhältnisse und Wissenspolitiken, das mittlerweile über die Soziologie hinaus in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zum Einsatz kommt. Ihre theoretischen und methodologischen Grundlegungen liegen in einer Verbindung von wissenssoziologisch-sozialkonstruktivistischen Annahmen und Traditionslinien des soziologischen interpretativen Paradigmas mit theoretisch-begrifflichen Vorschlägen aus Michel Foucaults Reflexionen des Diskursbegriffs. In methodischer Hinsicht greift sie auf Konzepte, Erhebungs- und Analyseverfahren der qualitativen Sozialforschung zurück. Ihr Analyseinteresse richtet sich auf die Untersuchung von Diskursen als einer gesellschaftlichen Wirklichkeitsebene, auf der Wissen hergestellt, reproduziert und verändert wird. Diskurse sind strukturierte Praktiken des Sprach- und Symbolgebrauchs, die spezifische Wissensordnungen konstituieren, mit denen wiederum gesellschaftliche Wirkungen bzw. Machteffekte verbunden sind.

Die Forschungswerkstatt stellt zunächst die Grundannahmen der WDA und die damit anvisierten Fragestellungen in allgemeineren Kontext von sozialwissenschaftlichen Ansätzen der Diskurstheorie und Diskursanalyse vor. Im Zentrum steht dann die Erläuterung des methodisch-praktischen Vorgehens in konkreten empirischen Untersuchungen. Dies umfasst zum einen die Erschließung der Materialität von Diskursen (Akteure, Praktiken, Dispositive), zum anderen die Analyse der diskursiven Wissensformierungen und der daraus entfalteten Subjektivierungsangebote (Deutungsmuster, Klassifikationen, narrative Strukturen, Phänomenstruktur, Subjektmodelle u.a.). In der Werkstatt werden dazu Vorgehensweisen der Datenerhebung und der Datenauswertung diskutiert. Die WDA folgt dabei der Überlegung, dass es kein Standard- oder Rezeptmodell der Diskursforschung gibt, sondern dass jedes Projekt den angebotenen Rahmen für seine spezifischen Fragestellungen entsprechend gestalten muss. Gleichwohl mündet dies nicht in völlige Beliebigkeit, sondern bewegt sich in einem Gesamtrahmen, der Theorie, methodologische Reflexion und methodisches Vorgehen aufeinander bezieht.

Die vorwiegend auf Fragen der praktischen Umsetzung von Vorhaben der Diskursforschung (in unterschiedlichen disziplinären Kontexten) hin ausgelegte Forschungswerkstatt wendet sich zum einen an Interessierte, die ganz allgemein den Ansatz der WDA kennen lernen möchten. Zum zweiten besteht die Möglichkeit, konkrete, mehr oder weniger weit fortgeschrittene eigene Projekte zur Diskussion zu stellen, die bereits mit der WDA arbeiten bzw. dies gegebenenfalls vorhaben. In diesem Fall sollte eine entsprechende, etwa fünfseitige Skizze des Vorhabens sowie der damit verbundenen, beim Berliner Treffen zu diskutierenden Fragen eingereicht werden. Gegebenenfalls können dabei nicht alle Vorschläge, sondern nur eine Auswahl berücksichtigt werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Keller, Reiner (2010). Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen (4. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Keller, Reiner (2011). Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines Forschungsprogramms (3. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Keller, Reiner & Truschkat, Inga (Hrsg.) (2012). Methodologie und Praxis der Wissenssoziologischen Diskursanalyse. Wiesbaden: VS Verlag.

Forschungswerkstatt: Biografische Fallrekonstruktion

Prof. Dr. Michaela Köttig

Frankfurt University of Applied Sciences, Kompetenzzentrum Soziale Interventionsforschung 

Dr. Eva Bahl

Georg-August-Universität Göttingen, Methodenzentrum Sozialwissenschaften

In dieser Forschungswerkstatt möchten wir die Teilnehmenden sowohl in die methodologischen Prinzipien als auch in die methodische Vorgehensweise biografischer Fallrekonstruktionen einführen. Dieses Verfahren wurde von Gabriele Rosenthal zunächst im Zusammenhang mit der Analyse biografisch-narrativer Interviews entwickelt. Es besteht aus mehreren Analyseschritten, die in der Forschungswerkstatt kurz vorgestellt und an Datenmaterial der Teilnehmenden exemplarisch demonstriert werden. Diese Analyseschritte können in modifizierter Form auch für die Analyse von Familiengesprächen, Interaktionsverläufen, Videoaufnahmen, von Protokollen teilnehmender Beobachtung sowie bei schriftlichen biografischen Materialien angewandt werden (Rosenthal 2015, Miethe & Schiebel 2009). In der biografieanalytischen Forschungspraxis wird zudem oftmals triangulierend vorgegangen (Alber & Schiebel 2018).

In der Forschungswerkstatt werden wir in erster Linie Materialien der Teilnehmenden (vorzugsweise Transkriptionen von Interviews oder Gruppengesprächen) sowie Fragen zu Forschungsdesigns erörtern. Die Planung orientiert sich an den Materialien und Fragen zum Forschungsdesign, die bei uns eingehen. Wir bitten um Verständnis dafür, dass angesichts des vorgegebenen Zeitrahmens nur wenige Materialien gemeinsam bearbeitet werden können.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Alber, Ina & Schiebel, Martina (2018). Triangulation in der Biographieforschung. In Helma Lutz, Martina Schiebel & Elisabeth Tuider (Hrsg.), Handbuch Biographieforschung (S. 611–622). Wiesbaden: Springer VS.
  • Hinrichsen, Hendrik; Rosenthal, Gabriele & Worm, Arne (2013). Biographische Fallrekonstruktionen. Zur Rekonstruktion der Verflechtung „individueller“ Erfahrung, biographischer Verläufe, Selbstpräsentationen und „kollektiver“ Diskurse. PalästinenserInnen als RepräsentantInnen ihrer Wir-Bilder. Sozialer Sinn 14 (2). 157–184.
  • Miethe, Ingrid & Schiebel, Martina (2009). Biografie und Institution. Ein forschungsmethodischer Vorschlag zur interaktiven Analyse der Entstehung, Entwicklung und Funktion einer Bildungsinstitution. In Michael Göhlich, Susanne Maria Weber & Stephan Wolff (Hrsg.), Organisation und Erfahrung (S. 115–126). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Pohn-Lauggas, Maria (2016). In Worten erinnern, mit Bildern sprechen. Zum Unterschied zwischen visuellen und mündlichen Erinnerungspraktiken. Sonderheft Materiale Visuelle Soziologie, hrsg. v. Roswitha Breckner und Jürgen Raab, Zeitschrift für Qualitative Forschung (ZQF), Jg. 17, Heft 1+2, 59–80.
  • Radenbach, Niklas & Rosenthal, Gabriele (2012). Das Vergangene ist auch Gegenwart, das Gesellschaftliche ist auch individuell. Zur Notwendigkeit der Analyse biographischer und historischer ‚Rahmendaten‘. sozialer sinn, Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung, 1/2012, 3–37.
  • Rosenthal, Gabriele (1995). Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt am Main: Campus.
  • Rosenthal, Gabriele (2015). Interpretative Sozialforschung. Eine Einführung. Weinheim: Beltz Juventa.

Forschungswerkstatt: Sequenzanalyse bei der Textinterpretation

Prof. Dr. Uwe Krähnke

Medical School Berlin, Hochschule für Gesundheit und Medizin

Bestandteil vieler interpretativer Verfahren ist die sequenzielle Analyse der qualitativen Daten. Diese Analysetechnik wird – wenn auch mit großen Unterschieden in der praktischen Durchführung – vor allem in der Grounded Theory, Objektiven Hermeneutik, Narrationsanalyse, Konversationsanalyse und Dokumentarischen Methode verwendet. Die Sequenzanalyse beinhaltet erstens, dass das Datenmaterial in kleine Einheiten zerlegt wird, etwa ein Interview in einzelne, thematisch abgrenzbare Passagen. Um den Sinngehalt einer sequenzierten Einheit zu rekonstruieren, werden zweitens die in ihr enthaltenen Elemente (Wortäußerungen, prosodische Auffälligkeiten etc.) Zug um Zug in der Reihenfolge ihres Auftretens im Datenmaterial analysiert. Hinter dieser Vorgehensweise steht die Annahme, dass die soziale Ordnung regelgeleitet ist und sich im und durch den Handlungsvollzug der Individuen reproduziert („order at all points“).

Eine sequenzanalytische Durchdringung des Datenmaterials geht deutlich über eine reine Inhaltswiedergabe der von den Beforschten selbst zur Sprache gebrachten Themen hinaus. Sie eröffnet einen systematischen Zugang zur Bedeutung des Gesagten und damit zu den dahinterliegenden Denk- und Handlungsmustern und sozialen Kontextbedingungen. Zudem minimiert die Sequenzanalyse das Risiko, dass die Forschenden bei der Dateninterpretation ihren eigenen, subjektiven Annahmen und Deutungen über das Untersuchungsfeld „aufsitzen“.

Zu Beginn der Forschungswerkstatt werden Varianten der Sequenzanalyse vorgestellt, die dann anschließend gemeinsam praktiziert und diskutiert werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur zur Einführung

  • Kleemann, Frank; Krähnke, Uwe & Matuschek, Ingo (2013). Interpretative Sozialforschung. Eine praxisorientierte Einführung (2. korrigierte und aktualisierte Auflage). Wiesbaden: Springer VS. Insbesesondere die Seiten 22–24, 47–50, 76–88, 124–145, 172–185.

Forschungswerkstatt: Qualitative Inhaltsanalyse

Prof. em. Dr. Udo Kuckartz

Philipps-Universität Marburg, Institut für Erziehungswissenschaft

Dr. Ina Rust

Leibniz Universität Hannover, Institut für Soziologie

Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine systematische Methode zur wissenschaftlichen Analyse von qualitativen Daten. In der Praxis wird sie vorrangig angewendet, um Texte, insbesondere transkribierte Interviews, zu analysieren. Die Methode erfreut sich großer Beliebtheit und wird international zunehmend bekannt. Im Zentrum der qualitativen Inhaltsanalyse stehen Kategorien/Codes, die deduktiv oder induktiv gebildet werden. Die qualitative Inhaltsanalyse besitzt eine Reihe von Varianten und Facetten.

Der Workshop behandelt die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz, der sie in der Tradition von Kracauer entwickelt hat. Kuckartz unterscheidet drei Formen der Inhaltsanalyse. Die Forschungswerkstatt konzentriert sich auf die inhaltlich-strukturierende Form. Damit hat Rust insbesondere bei der Durchführung von Lehrforschungsprojekten viel Erfahrung gesammelt und sie weiterentwickelt: um eine Phase der kollaborativen Entwicklung des Kategoriensystems/ Code-Systems und um die Phase der Theoriebildung, die ergänzend vorgestellt wird.

Anhand der Daten von drei Teilnehmenden sollen praktische Vorgehensweisen diskutiert werden, das heißt, es geht weniger um eine allgemeine Einführung in die qualitative Inhaltsanalyse oder einen Überblick über verschiedene Varianten als vielmehr um die praktischen Herausforderungen der Durchführung im Rahmen der inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Am Rande werden dabei ergänzend Hinweise auf den Einsatz von Software bei der Analyse gegeben.

In der Chronologie des Analyseablaufs sollen folgende Punkte thematisiert werden:

  • Überblick über die inhaltlich-strukturierende qualitative Inhaltsanalyse
  • Bildung von Codes – deduktiv, induktiv und deduktiv-induktiv
  • Codieren der Daten
  • Weiterentwicklung der Codes
  • Nach dem Codieren: Einfache und komplexe Formen der Analyse
  • Verschriftlichung und Ergebnispräsentation

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Voraussetzung für die Teilnahme an der Forschungswerkstatt ist die Kenntnis des Buchs „Qualitative Inhaltsanalyse“ von Kuckartz (2022, 5. Auflage). Alle Teilnehmenden werden vor der Forschungswerkstatt angeschrieben und erhalten die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen und Fragen zu formulieren.

Literatur

  • Janssen, Markus; Stamann, Christoph; Schreier, Margrit; Whittal, Amanda & Dahl, Thomas (2019). Qualitative Content Analysis I. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, Vol. 20 No. 3, https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/65.
  • Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung (5. überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Kuckartz, Udo (2019). Qualitative Inhaltsanalyse: von Kracauers Anfängen zu heutigen Herausforderungen [45 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 20(3), Art. 12, DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-20.3.3370
  • Rust, Ina (2019). Theoriegenerierung als explizite Phase in der qualitativen Inhaltsanalyse. Auf dem Weg zur Einlösung eines zentralen Versprechens der qualitativen Sozialforschung. (verfügbar über Research Gate oder https://www.ish.uni-hannover.de/de/rust/publikationsliste/
  • Schreier, Margrit (2012). Qualitative content analysis in practice. London: Sage.
  • Schreier, Margrit (2014). Varianten qualitativer Inhaltsanalyse: Ein Wegweiser im Dickicht der Begrifflichkeiten [59 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 15(1), Art. 18, Doi: https://doi.org/10.17169/fqs-15.1.2043.
  • Stamann, Christoph; Janssen, Markus; Schreier, Margrit; Whittal, Amanda & Dahl, Thomas (2020). Qualitative Content Analysis II. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, Vol. 21 No. 1, https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/66.

Forschungswerkstatt: Grounded-Theory-Methodologie

Prof. Dr. Günter Mey

Hochschule Magdeburg-Stendal / Institut für Qualitative Forschung

Die Grounded-Theory-Methodologie (GTM) – in der Soziologie von Glaser und Strauss begründet – ist eine der am weitesten verbreiteten qualitativen Forschungsmethodologien, nicht zuletzt wegen ihres „Versprechens“ aufgrund nachvollziehbarer Prozeduren und innovativer Rahmungen zu einer datenbasierten Theorie zu gelangen, ohne dabei auf der einen Seite zu puristisch als reine Auswertungstechnik zu gelten, noch auf der anderen Seite trotz aller vorhandenen Interpretationsspielräume als „Kunstlehre“ zu erscheinen.

Mittlerweile liegen unterschiedliche Positionen vor (einen Überblick bieten die aktualisierten Ausgaben des „Sage-Handbook of Grounded Theory“; Bryant & Charmaz [2019] sowie des „Grounded- Theory-Reader“; Mey & Mruck [2011]], darunter auch Verknüpfungen mit anderen Ansätzen wie Narrationsanalyse oder Diskursforschung und ausgeweiteten Datenbezug – über textuelle hinausgehend werden visuelle Daten berücksichtigt (Mey 2021).

In der Forschungswerkstatt geht es vor allem darum, orientiert an den Fragen und dem Bedarf der Teilnehmenden und an konkretem Material die wesentlichen Konzepte (u.a. Theoretische Sensibilität) und Auswertungsschritte (v.a. offenes, axiales und selektives Kodieren, wie es in der GTM-Variante nach Strauss/Corbin [1996] vorgeschlagen wird, bzw. initiale und fokussierte Kodierung sensu Charmaz [2014]) sowie Planungsfragen (u.a. Theoretisches Sampling) gemeinsam zu besprechen (im Überblick Mey & Mruck 2020).

Vor dem Hintergrund dieser Schwerpunktsetzung können als Materialien zur Besprechung eingereicht werden:

  • Forschungsskizzen zur Diskussion von Projektplanungen/Forschungsdesigns
  • Daten zum Kodieren
  • Netzwerkkarten/Visualisierungen

Die endgültige Planung orientiert sich an den eingereichten Materialien. Die Auswahl wird von dem Interesse geleitet sein, möglichst verschiedene Stationen im Prozess einer GTM-Studie anzusprechen. Damit der Werkstattcharakter eingelöst werden kann, können maximal zwei Projekte (Exposé/Daten) diskutiert werden. Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bryant, Anthony & Charmaz, Kathy (Hrsg.) (2019). The Sage Handbook of Current Developments in Grounded Theory. London: Sage.
  • Charmaz, Kathy (2014). Constructing grounded theory (2. Auflage). London: Sage.
  • Mey, Günter [im Interview mit Reimer-Gordinskaya, Katrin] (2021). „Wir sind keine Kodierautomaten“ – Positionen und Potenziale der Grounded-Theory-Methodologie. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 22(2), Art. 10. DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-22.2.3710
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (2011). Grounded Theory Reader (2., erweiterte und überarbeite Auflage). Wiesbaden: VS Verlag, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-531-93318-4.
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (2020). Grounded-Theory-Methodologie. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte u. erweiterte Auflage; S. 513–535). Wiesbaden: Springer. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_46
  • Strauss, Anselm L. & Corbin, Juliet (1996). Grounded Theory. Grundlagen Qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz.

Forschungswerkstatt: Situationsanalyse

Jun.-Prof. Dr. Ursula Offenberger

Eberhard Karls Universität Tübingen

Die Situationsanalyse, ausgearbeitet insbesondere von Adele Clarke, Carrie Friese und Rachel Washburn (2018 und 2022), versteht sich als Weiterentwicklung der Grounded Theory im Anschluss an das Werk von Anselm Strauss. Sie wird der zweiten Generation von US-Grounded Theory-Forschenden zugeordnet (vgl. Morse et al. 2009) und enthält weitreichende Vorschläge zur Berücksichtigung von sozialtheoretischen Debatten seit den 1970er Jahren. Zugleich wird die dichte Bezogenheit von Grounded Theory und Symbolischem Interaktionismus/Pragmatismus betont und mit dem systematischen Einbezug der Theorie sozialer Welten und Arenen in situationsanalytisches Arbeiten umgesetzt.

In der Forschungswerkstatt ordnen wir die Situationsanalyse zunächst in ihren Entstehungskontext der US-Methodendebatte ein und fragen nach dem Stand der deutschsprachigen Rezeption (z.B. Gauditz et al. 2023; Offenberger et al. 2023). Danach diskutieren wir anhand von praktischen Beispielen aus den Projekten der Teilnehmenden Bedeutung und Vorgehen der von Clarke vorgeschlagenen Mapping-Strategien (Situationsmaps, Soziale-Welten-Arena-Maps und Positionsmaps). Außerdem nehmen wir Implikationen einer situativistischen Grounded Theory für Prozesse des theoretischen Samplings, von theoretischer Sensibilität und der Involvierung der Forschenden ins Forschungsgeschehen in den Blick.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

 Literatur 

  • Clarke, Adele E.; Friese, Carrie E. & Washburn, Rachel S. (2018). Situational analysis: grounded theory after the interpretive turn (Second edition). Los Angeles: Sage.
  • Clarke, Adele E.; Friese, Carrie & Washburn, Rachel (2022). Situational analysis in practice mapping relationalities across disciplines. New York London: Routledge.
  • Gauditz, Leslie; Klages, Anna-Lisa; Kruse, Stefanie; Marr, Eva; Mazur, Ana; Schwertel, Tamara & Tietje, Olaf (Hrsg.) (2023). Die Situationsanalyse als Forschungsprogramm. Wiesbaden: Springer VS.
  • Morse, Janice M.; Noerager Stern, Phyllis; Corbin, Juliet; Bowers, Barbara; Charmaz, Kathy & Clarke, Adele E. (2009). Developing Grounded Theory. The Second Generation. Walnut Creek: Left Coast Press.
  • Offenberger, Ursula; Baumgartner, Renate; Schwertel, Tamara; Tietje, Olaf; Evans-Jordan, Sarah B. & Kimmerle, Birte (Hrsg.) (erscheint voraussichtlich Mai 2023). Soziale Welten, Arenen und Situationsanalysen: Theoretische Debatten und forschungspraktische Erfahrungen. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research.

Forschungswerkstatt: Wissenssoziologische Bildhermeneutik

Prof. Dr. Jürgen Raab

Universität Koblenz-Landau, Institut für Sozialwissenschaften

Dr. Sebastian W. Hoggenmüller

Universität Luzern, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Soziologisches Seminar

Bilder tragen mit ihrer spezifischen kommunikativen Qualität entscheidend zur kommunikativen Konstruktion, Tradierung, Stabilisierung und Veränderung von persönlichen und kollektiven Identitäten sowie von gesellschaftlichem Wissen und sozialer Wirklichkeit bei.

Die Forschungswerkstatt widmet sich den Herausforderungen, Problemen und Potenzialen der methodisch-kontrollierten sozialwissenschaftlichen Analyse von Bildern in unterschiedlichen Erscheinungsformen (Fotografien, Collagen, Gemälden, Infografiken, Comics etc.). Als wissenssoziologische Ansätze der Bildhermeneutik werden Konstellationsanalyse und Ästhetische Re|Konstruktionsanalyse als interpretative Zugänge zur symbolischen Ordnung von Einzelbilddarstellungen und vergleichenden Bildanordnungen vorgestellt, diskutiert und an konkreten Fallbeispielen erprobt.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstätten weitergeleitet.

Literatur

  • Hoggenmüller, Sebastian W. & Raab, Jürgen (2022). Bilder. In Nina Baur & Jörg Blasius (Hrsg.), Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (3. Auflage, Bd. 2, S. 1581–1598). Wiesbaden: Springer VS. DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.7307224.
  • Hoggenmüller, Sebastian W. (2016). Die Welt im (Außen-)Blick. Überlegungen zu einer ästhetischen Re|Konstruktionsanalyse am Beispiel der Weltraumfotografie ‚Blue Marble‘, Zeitschrift für Qualitative Forschung, 17/1+2, 11–40. DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.5094288.
  • Hoggenmüller, Sebastian W. (2020). Globalisierungsforschung als Bildforschung. Zur bildlichen Erzeugung globaler Beobachtungsordnungen und ihrer Analyse. In Hannah Bennani, Martin Bühler, Sophia Cramer & Andrea Glauser (Hrsg.), Global beobachten und vergleichen. Soziologische Analysen zur Weltgesellschaft (S. 435–472). Frankfurt am Main & New York: Campus. DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.5060095.
  • Hoggenmüller, Sebastian W. (2022). Globalität sehen. Zur visuellen Konstruktion von »Welt«. Frankfurt am Main & New York: Campus. DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.7347102.
  • Raab, Jürgen (2012). Visuelle Wissenssoziologie der Fotografie. Sozialwissenschaftliche Analysearbeit zwischen Einzelbild, Bildsequenz und Bildkontext, Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 2, 121–142. DOI: https://doi.org/10.1007/s11614-012-0025-7.
  • Raab, Jürgen (2017). Fotografie und Phänomenologie. Zur Methodologie einer wissenssoziologischen Konstellationsanalyse. In Thomas Eberle (Hrsg.), Fotografie und Gesellschaft. Phänomenologische und wissenssoziologische Perspektiven (S. 381–393). Bielefeld: transcript. DOI: https://doi.org/10.14361/9783839428610-022.
  • Raab, Jürgen (2019). Gute Bilder – böse Bilder. Bildethiken moralischer Kollektive. In Stefan Joller & Marija Stanisavljevic (Hrsg.), Moralische Kollektive (S. 299–326). Wiesbaden: Springer VS. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-22978-8.

Forschungswerkstatt: Mixed Methods

Dr. Stefan Rädiker

Methoden-Expertise.de

Gründe für die Kombination qualitativer und quantitativer Methoden gibt es viele: ein umfassenderes Verständnis von sozialen Phänomenen, eine Erweiterung der (Analyse‑)Perspektiven und die Kontextualisierung von Ergebnissen. Daher wundert es nicht, dass in den letzten Jahren die planvolle Kombination von qualitativen und quantitativen Daten und Ergebnissen im Rahmen einer gemeinsamen Studie stetig an Bedeutung zunimmt.

Bei der Beschäftigung mit Mixed Methods steht nicht eine bestimmte Analysetechnik qualitativer Daten im Vordergrund, sondern die systematische Bearbeitung der Frage, wie sich qualitative und quantitative Forschung gewinnbringend verbinden lassen. Dementsprechend werden wir uns in der Forschungswerkstatt – am Beispiel von ausgewählten Projekten der Teilnehmenden – häufig gestellten Fragen der konkreten Forschungspraxis und Umsetzung widmen:

  • Wie sieht ein Mixed-Methods-Design aus?
  • An welchen Stellen ist „Mixing“ überhaupt möglich und sinnvoll (points of integration)?
  • Welcher Gewinn lässt sich durch die Verbindung qualitativer und quantitativer Samplings, Daten und Ergebnisse erzielen und welche Begründungen für die Durchführung einer Mixed-Methods-Studie können herangezogen werden?
  • Wie lassen sich qualitative und quantitative Daten aufeinander beziehen und welche Formen der Ergebnisdarstellung existieren? Welche Rolle können Joint Displays bei der Analyse und Präsentation übernehmen?

Teilnehmende, die ihr geplantes oder laufendes Mixed-Methods-Projekt in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Dafür ist eine Kurzskizze des Projekts zu erstellen, in der Sie auf folgende Punkte soweit bereits möglich eingehen sollten (2 bis 4 Seiten):

  • Fragestellungen
  • Qualitative und quantitative Daten sowie Stand und Art der vorgesehenen Analyse
  • Fragen, „Knackpunkte“ und Unsicherheiten, die Sie im Projekt beschäftigen
  • Punkte, zu denen Sie gerne eine Rückmeldung in der Forschungswerkstatt hätten

Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Leitung der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Alle Teilnehmenden erhalten zudem vorab die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema einzubringen, sodass wir diese in der Forschungswerkstatt berücksichtigen können.

Literatur

  • Baur, Nina; Kelle, Udo & Kuckartz, Udo (2017) (Hrsg.). Mixed Methods. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Sonderhefte, Band 57.
  • Bazeley, Patricia (2018). Integrating analysis in mixed methods research. London: Sage.
  • Fetters, Michael D. (2020). The mixed methods research workbook: Activities for designing, implementing, and publishing projects. Thousand Oaks, London, New Delhi: Sage.
  • Kuckartz, Udo (2014). Mixed MethodsMethodologie, Forschungsdesigns und Analyseverfahren. Wiesbaden: Springer VS.

Forschungswerkstatt: Wissenssoziologische Hermeneutik

Prof. em. Dr. Jo Reichertz

Universität Duisburg-Essen, Campus Essen; FB 1 – Kommunikationswissenschaft

Diese Forschungswerkstatt bietet die Möglichkeit, forschungspraktisch mit der wissenssoziologischen Hermeneutik zu arbeiten. Dieses theoretischemethodologische und methodische Konzept hat zum Ziel, die gesellschaftliche Bedeutung jeder Form von Interaktion (sprachlicher wie nichtsprachlicher; face-to-face wie institutionell geformter) und aller Arten von Interaktionsprodukten (Kunst, Religion, Unterhaltung, Geschäftsordnungen etc.) zu (re-) konstruieren.

Untersucht wird, wie Handlungssubjekte – hineingestellt und sozialisiert in historisch und sozial entwickelte und abgesicherte Routinen und Deutungen des jeweiligen Handlungsfeldes – diese einerseits vorfinden und sich aneignen (müssen), andererseits diese immer wieder neu ausdeuten und damit auch „eigen-willig“ erfinden (müssen). Diese selbständigen Neuauslegungen des vorgefundenen Wissens werden (ebenfalls als Wissen) ihrerseits wieder in das gesellschaftliche Handlungsfeld eingespeist und verändern es.

Das Handeln der Akteure gilt in dieser Perspektive erst dann als verstanden, wenn der Interpret/die Interpretin in der Lage ist, es aufgrund der erhobenen Daten (Interviews, Beobachtungen, Dokumente etc.) in Bezug zu dem vorgegebenen und für die jeweilige Handlungspraxis relevanten Bezugsrahmen zu setzen und es in dieser Weise für diese Situation als eine (für die Akteure) sinn-machende (wenn auch nicht immer zweck-rationale) „Lösung“ nachzuzeichnen.

Schwerpunkt der Forschungswerkstatt soll die Organisationsanalyse (Arbeits- und Interessenorganisationen wie Unternehmen, Parteien, Verbände, Verwaltungen) sein. Erprobt werden soll, ob und wie sich mit der hermeneutischen Wissenssoziologie nicht nur die Besonderheit des Handelns einzelner Akteure ermitteln lässt, sondern wie dieses Handeln mit je spezifischen Strukturen der Organisation und/oder organisationstypischen Mustern der Wahrnehmung, Deutung und Entscheidung zusammenhängt.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Hitzler, Ronald; Reichertz, Jo & Schröer, Norbert (Hrsg.) (1999). Hermeneutische Wissenssoziologie. Standpunkte zur Theorie der Interpretation. Konstanz: UVK.
  • Hitzler, Ronald; Reichertz, Jo & Schröer, Norbert (Hrsg.) (2020): Kritik der Hermeneutischen Wissenssoziologie. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Keller, Reiner; Knoblauch, Hubert & Reichertz, Jo (Hrsg.) (2013). Kommunikativer Konstruktivismus. Wiesbaden: Springer VS.
  • Reichertz, Jo (2013). Gemeinsam interpretieren. Die Gruppeninterpretation als kommunikativer Prozess. Wiesbaden: Springer VS.
  • Reichertz, Jo (2016). Qualitative und interpretative Sozialforschung. Eine Einladung. Wiesbaden: Springer VS.
  • Soeffner, Hans-Georg (2004). Auslegung des Alltags – Der Alltag der Auslegung. Konstanz: UVK.

Forschungswerkstatt: Qualitative Inhaltsanalyse

Christoph Stamann

Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften

Dr. Friedemann Holder

Pädagogische Hochschule Freiburg, Institut für deutsche Sprache und Literatur

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um eine Forschungsmethode zur Systematisierung von manifesten und latenten Kommunikationsinhalten. Als grundlegendes Instrument für die angestrebte Systematisierung der Inhalte dienen Kategoriensysteme. Die Methode zeichnet sich durch eine Vielzahl von Verfahren aus; allen ist jedoch eine in hohem Maße regelgeleitete Interpretation gemein. Erfahrungsgemäß führt dies aber keineswegs zu unsicherheitsbefreiten Auswertungsprozessen. Gerade – aber nicht nur – für Noviz*innen erzeugt das in den einschlägigen Lehrbüchern detailliert dargelegte Vorgehen im Zusammenspiel mit der ebenfalls – lehrbuchübergreifend – postulierten Notwendigkeit, dieses an das eigene Forschungsvorhaben anzupassen, stetig Momente der Unsicherheit.

Die Forschungswerkstatt dient daher der Bearbeitung ebensolcher forschungspraktischer Unsicherheiten, gleichzeitig bietet sie die Gelegenheit, die Sicht auf das eigene Material konstruktiv irritieren zu lassen. Anhand von Materialausschnitten von bis zu drei Teilnehmenden werden einzelne Auswertungsschritte besprochen und vollzogen. Die Forschungswerkstatt ist offen für alle gängigen qualitativ-inhaltsanalytischen Verfahren; im deutschsprachigen Raum sind hier vor allem Kuckartz und Rädiker (2022), Mayring (2015) und Schreier (2012) zu nennen.

Gegenstand der Materialsitzungen ist vor allem die Erarbeitung von Kategorien(-systemen) und die Arbeit mit diesen, d.h. das Codieren. Darüber hinaus können aber auch alle weiteren Aspekte und Auswertungsschritte besprochen werden, so etwa Materialauswahl, Gütekriterien und Qualitätssicherungsstrategien. Aktive Teilnehmer*innen werden gebeten, bei der Materialeinreichung ein möglichst konkretes Anliegen zu formulieren, das in der Materialsitzung besprochen werden soll.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Da es sich nicht um einen Einführungsworkshop handelt, werden grundlegende Kenntnisse der Methode „qualitative Inhaltsanalyse“ vorausgesetzt.

Literatur

  • Carl, Mark-Oliver & Holder, Friedemann (2020). Qualitative Inhaltsanalyse in der literaturdidaktischen Rezeptionsforschung: über die Herausforderung, Verstehensprozesse zu verstehen [58 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 21(1), Art. 1, DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-21.1.3428.
  • Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung (5. Auflage). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Strauss, Anselm L. & Corbin, Juliet (1996). Grounded Theory. Grundlagen Qualitativer Sozialforschung. Grundlagen und Techniken (13. Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Schreier, Margrit (2012). Qualitative content analysis in practice. London: Sage.
  • Schreier, Margrit (2014). Varianten qualitativer Inhaltsanalyse: Ein Wegweiser im Dickicht der Begrifflichkeiten [59 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 15(1), Art. 18, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-15.1.2043.
  • Stamann, Christoph; Janssen, Markus & Schreier, Margrit (2016). Qualitative Inhaltsanalyse – Versuch einer Begriffsbestimmung und Systematisierung [24 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 17(3), Art. 16, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-17.3.2581.

Forschungswerkstatt: Videoanalyse

Dr. René Tuma

Technische Universität Berlin, Sonderforschungsbereich

Frederike Brandt

Technische Universität Berlin, Institut für Soziologie

Die Videografie ist ein Verfahren, das ethnografische Erhebung und Feldforschung mit der videointeraktionsanalytischen Analyse von Aufzeichnungen von Interaktions- und Kommunikationssituationen verbindet. Sie baut auf interpretativer Methodologie auf und weist starke Bezüge zu wissenssoziologischen und zu ethnomethodologisch-konversationsanalytischen Grundlagen auf.

Die Forschungswerkstatt fokussiert vor allem auf die Auswertung mit der sequenzanalytischen Vorgehensweise und der Diskussion der damit verbundener Fragen. In der Forschungswerkstatt sollen an sehr kurzen Datenausschnitten exemplarische Datenanalysesitzungen durchgeführt werden. Es geht hierbei vor allem um die Selektion der Daten, um die Auswertung und das Einüben eines sequenzanalytische Blicks. Die Werkstatt richtet sich an diejenigen, die sich in der Phase der Erhebung und der Auswertung von Videoaufzeichnungen befinden oder die einer solchen Sitzung beiwohnen möchten, um einen Eindruck zu gewinnen. Grundkenntnisse des videografischen Forschungsprozesses setzen wir voraus (siehe Literatur).

Als Daten sollen Videoaufzeichnungen von sozialen Situationen im Fokus stehen, die idealerweise von den Forschenden selbst im Feld erhoben wurden. Für die Datenanalysesitzung werden dazu kurze Sequenzen von „natürlichen“ Interaktionen aus dem erhobenen Datenkorpus ausgewählt, anhand der wir die Analyse von Videodaten miteinander einüben. Bei diesen Übungen kann nur das Material von zwei bis drei Teilnehmenden feinanalytisch untersucht werden.

Teilnehmende, die gerne eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Bitte bereiten Sie hierfür kurze Sequenzen und Rohtranskripte entsprechend (ggf. anonymisiert) vor, die Sie uns zukommen lassen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Für weitere Informationen und Datenbeispiele siehe die Seiten des Videoanalyselabors an der Universität Bayreuth.

Literatur

  • Tuma, René; Schnettler, Bernt & Knoblauch, Hubert (2013). Videographie: Einführung in die interpretative Videoanalyse sozialer Situationen. Wiesbaden: Springer VS.
  • Tuma, René. (2018). Video-Interaktionsanalyse. In Moritz, Christine & Corsten, Michael (Hrsg.), Handbuch Qualitative Videoanalyse (S. 423–444). Wiesbaden: Springer VS. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-15894-1_22.
  • Knoblauch, Hubert & Tuma, René (2017). Videoanalyse. In R. Gugutzer, G. Klein, & M. Meuser (Hrsg.), Handbuch Körpersoziologie (S. 409–422). Wiesbaden: Springer. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-04138-0_29.
  • Meier zu Verl, Christian & Tuma, René (2021). Video Analysis and Ethnographic Knowledge: An Empirical Study of Video Analysis Practices. Journal of Contemporary Ethnography, 50(1), 120–144. DOI: https://doi.org/10.1177/0891241620973716.

Forschungswerkstatt: Partizipative Forschung

Prof. Dr. Hella von Unger

Ludwig-Maximilians-Universität, Institut für Soziologie

Prof. em. Dr. Jarg Bergold

Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie

Partizipative Forschungsmethoden sind auf die Planung und Durchführung eines Untersuchungsprozesses gemeinsam mit jenen Menschen gerichtet, deren soziale Welt und sinnhaftes Handeln als lebensweltlich situierte Lebens- und Arbeitspraxis untersucht wird. Der Begriff der partizipativen Forschung umfasst verschiedene Varianten der kooperativen Forschung (z.B. Community-basierte partizipative Forschung, Aktionsforschung, transformative Forschung, etc.). Es handelt sich um einen wertebasierten Forschungsstil, der neben Erkenntniszielen immer auch Handlungsziele verfolgt (z.B. Verbesserung der Lebensbedingungen, Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe, Gesundheitsförderung, etc.). Der Anspruch ist, alle Phasen des Forschungsprozesses, inklusive der Auswertung, gemeinsam mit Partner*innen aus der Praxis und den Lebenswelten zu gestalten. In den letzten Jahren lassen sich interessante Entwicklungen bei partizipativen Forschungsansätzen beobachten. Diese betreffen kreative, visuelle und performative Methoden (sog. „arts-based methods”), digitale Methoden, den Einsatz sozialer Medien und vor allem die Beiträge aus dem sogenannten globalen Süden, in denen grundsätzliche Fragen zur Perspektive partizipativ Forschender (z.B. Kolonialismus) aufgeworfen werden.

Ziel dieser Forschungswerkstatt ist es, partizipative Studiendesigns und forschungspraktische Erfahrungen in methodisch-methodologischer Hinsicht zu reflektieren.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet. Es können maximal zwei Teilnehmer*innen eigene Forschungsprojekte zur Diskussion stellen.

Es wird erwartet, dass die Teilnehmer*innen der Forschungswerkstatt sich bereits mit der Literatur zur partizipativen Forschung auseinandergesetzt haben. Ausgewählte Texte werden im Vorfeld zur Verfügung gestellt.

Literatur

  • Bergold, Jarg & Thomas, Stefan (Hrsg.) (2012). Partizipative qualitative Forschung. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 13(1), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/39.
  • Bergold, Jarg (2023). Partizipative Forschung und Gemeindepsychologie: ein Zwillingspaar? In Achberger et al. (Hrsg.). Handbuch Gemeindepsychologie. Merkmale gemeindepsychologischen Handelns in Forschung und Praxis. Tübingen: dgvt-Verlag. (Manuskript kann angefordert werden unter: jarg.bergold@fu-berlin.de)
  • von Unger, Hella (2014). Der Forschungsprozess. In Hella von Unger, Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis (Kapitel 4, S. 51–68). Wiesbaden: Springer VS.
  • von Unger, Hella (2018). Partizipative Forschung. In Hubert Knoblauch, Leila Akremi, Boris Traue & Nina Baur (Hrsg.). Handbuch Interpretativ forschen (S. 161-182). Weinheim: Beltz Juventa.