Forschungswerkstätten 2026

Dr. Laura Behrmann

Bergische Universität Wuppertal

Prof. Dr.  Inga Truschkat

Freie Universität Berlin

Welche Beziehungen unterstützen Alleinerziehende in ihrem Alltag? Welche Beziehungen benötigen Unternehmen, um in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu überleben? Welche Beziehungen sind entscheidend für eine gelungene Integration in eine Gesellschaft? Inwiefern beeinflussen Beziehungen von Schulen die Möglichkeiten, den Ganztag zu organisieren? Wie wird Handeln durch soziale Beziehungen ermöglicht oder behindert?

Dies sind Fragen der qualitativen Netzwerkforschung, eine Forschungsperspektive, die die Bedeutung der Einbettung von Handlungen und Interaktionen, sei es von Menschen oder Organisationen, in Beziehungsgefüge untersucht. Die qualitative Netzwerkforschung interessiert sich für die Analyse dieser Beziehungsgefüge und fragt nach Effekten, Dynamiken, Praktiken und (Be)deutungen der sozialen Einbettung für Organisationen, Individuen und Handlungen.

Dabei kommen unterschiedlichste Materialien zum Einsatz: Dokumente, Interviews, Netzwerkkarten oder Beobachtungsprotokolle. Eine qualitative Perspektive auf diese Daten einzunehmen, bedeutet, neben den Netzwerkstrukturen auch die Bedeutung dieser Strukturen für die Akteure zu rekonstruieren. Meist wird dabei nach wie vor auf eine Kombination aus Netzwerkkarten und Interviewmaterial zurückgegriffen. Eine zentrale Herausforderung besteht somit darin, verschiedene Datensorten in der Analyse ins Verhältnis zu setzen und die Bedeutungen von Beziehungen zu rekonstruieren.

In der Forschungswerkstatt haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, qualitative Netzwerkforschung forschungspraktisch auszuprobieren und erste Einblicke in die methodische Umsetzung zu erhalten. Nach einem Input arbeiten wir mit empirischem Material. Vorerfahrungen sind nicht erforderlich.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet. Bitte machen Sie in Ihrer Einreichung deutlich, welches Interesse Sie an einer Netzwerkperspektive haben. Eingereicht werden können Transkripte von Interviews und Gruppendiskussionen, Beobachtungsprotokolle, Netzwerkkarten oder andere Dokumente.

Literatur

  • Herz, Andreas; Peters, Luisa & Truschkat, Inga (2015). How to do qualitative strukturale Analyse? Die qualitative Interpretation von Netzwerkkarten und erzählgenerierenden Interviews [52 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 16(1), Art. 9, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-16.1.2092.
  • Töpfer, Tom & Behrmann, Laura (2021). Symbolischer Interaktionismus und qualitative Netzwerkforschung – Theoretische und method(olog)ische Implikationen zur Analyse sozialer Netzwerke [58 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 22(1), Art. 13, DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-22.1.3593.
  • Truschkat, Inga; Behrmann, Laura & Bernhard, Stefan (Hrsg.). (2025). Einführung in die Qualitative Netzwerkforschung. Wiesbaden: VS Springer.

Assoz. Prof. Dr. Roswitha Breckner

Universität Wien, Institut für Soziologie

Prof. Dr.  Michael Müller

Technische Universität Chemnitz, Institut für Medienforschung & Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Bilder verschiedenster Art sind in unserem gesellschaftlichen Alltag durch Werbung und visuelle Privatkommunikation über verschiedenste Kanäle allgegenwärtig, spielen aber auch in vielen gesellschaftlichen Teilbereichen wie Wissenschaft, Medizin, Technik, Mode bis hin zu Politik und Unterricht eine wesentliche Rolle. In ihren vielfältigen, häufig digitalen Ausprägungen und mit ihren besonderen kommunikativen Qualitäten tragen Bilddarstellungen entscheidend zur technisch-medialen Herstellung, Tradierung und Stabilisierung, aber auch zur Veränderung sozialer Wirklichkeit bei. In welcher Weise sie das tun, ist Gegenstand sozialwissenschaftlicher Bildanalysen.

Hierzu haben sich in den letzten 20 Jahren verschiedene methodologisch-methodische Zugänge entwickelt und etabliert. Zielten diese zunächst ausschließlich auf die Analyse von Bilddaten verschiedener Art, stellt sich inzwischen zunehmend die Frage, wie systematische Bildanalysen in Forschungsprojekte mit thematischen Fragestellungen, die nicht ausschließlich auf Bildanalysen zielen, integriert werden können. Wie können also Bild-, Text- und ethnografische Zugänge sinnvoll kombiniert werden? Welchen Stellenwert sollen die jeweiligen Daten in einem Forschungsdesign erhalten? Ausgehend von den methodologischen und methodischen Ansätzen der wissenssoziologischen Bildhermeneutik verfolgt der Workshop das Ziel, verschiedene Forschungsdesigns und ihre praktischen Konsequenzen zu diskutieren und ansatzweise methodische Wege der Umsetzung auszuprobieren.

Teilnehmende, die sich als aktiv angemeldet haben und eigene Forschungsideen oder schon ausgearbeitete Forschungsdesigns sowie empirisches Material einbringen und diskutieren möchten, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Breckner, Roswitha (2010). Sozialtheorie des Bildes. Zur interpretativen Analyse von Bildern und Fotografien. Bielefeld: transcript Verlag.
  • Breckner, Roswitha (2025). Soziale Medien. Bildbiografische Denkräume erkennenden Sehens in Prozessen der Selbstgestaltung. Journal für Psychologie, 33(2), 52–80, DOI: https://doi.org/10.30820/0942-2285-2025-2-52.
  • Müller, Michael (2016). Bildcluster. Zur Hermeneutik einer veränderten sozialen Gebrauchsweise der Fotografie. Sozialer Sinn. Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung, 95–142; aktualisierte Fassung (2020): Image Clusters. A Hermeneutical Perspective on Changes to a Social Function of Photography. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research21(2), Art. 4, DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-21.2.3293.
  • Müller, Michael (2025). Visuelle Idiome. Bebilderungen des sozialen Lebens. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research,26(2), Art. 31, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-26.2.4444.
  • Müller, Michael (2026). Komplexe Bildphänomene – Vergleichende Analyse und Interpretation: Ein Studienbuch zur Figurativen Hermeneutik. Wiesbaden: Springer, Open Access, in print, ISBN 978-3-658-50774-9.

Forschungswerkstatt: Reflexive Grounded Theory

Prof. i.R. Dr. Franz Breuer

Universität Münster, Institut für Psychologie

In dieser Forschungswerkstatt soll der Ablauf eines Forschungsprojekts im Forschungsstil der Reflexiven Grounded Theory in seinen wichtigsten Schritten skizziert werden:

  • Die Grundidee: eine neue Theorie generieren
  • Umgang mit Vorwissen und theoretische Sensibilität
  • Themenfokussierung als Erkenntnisbewegung
  • Erste (Feld, Gesprächs-) Kontakte
  • Rolle und Reflexion der Person des/der Forschenden im Forschungskontakt
  • Fallauswahl: Theoretical Sampling
  • Dokumentation und Transkription
  • Kodieren: die Generierung von Konzepten
  • Modellbilden: Auswahl und Systematisierung der Konzepte
  • Die Forschungsgruppe als Werkzeug
  • Informelles und formelles Schreiben: Forschungstagebuch, Memos und finaler Text

Diese Aspekte werden kurz vorgestellt. Zu den einzelnen Phasen, Forschungsschritten bzw. methodischen Wahlentscheidungen können die Teilnehmer*innen (auf dem Hintergrund ihrer eigenen Probleme oder Erfahrungen) Fragen stellen. Bevorzugt werden Fragen besprochen, die sich im Zusammenhang mit einem ersten eigenen Forschungsprojekt nach RGTM-Modus stellen. An einem ausgewählten Teilnehmer*innen-Projekt machen wir gemeinsame Transfer-Versuche der Arbeitsweise. Die Forschungswerkstatt richtet sich an Interessierte unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Fachrichtungen.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr eigenes R/GTM-Projekt als (Illustrations-) Fall besprochen wird und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé (plus Datenausschnitt) einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Breuer, Franz; Muckel, Petra & Dieris, Barbara (2019). Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis (4. durchgesehene und aktualisierte Auflage). Wiesbaden: Springer VS.
  • Breuer, Franz; Offenberger, Ursula & Schwertel, Tamara (2026/im Druck). Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis (5. Auflage). Wiesbaden: Springer VS.

Forschungswerkstatt: Tiefenhermeneutik / Psychoanalytisch orientierte Sozialforschung

PD Dr. Markus Brunner

Sigmund Freud Privatuniversität Wien

Julia Struppe-Schanda

Sigmund Freud Privatuniversität Wien

Tiefenhermeneutik ist eine psychoanalytisch orientierte Methode der qualitativen Sozial- und Kulturforschung, die von dem Frankfurter Psychoanalytiker und Sozialpsychologen Alfred Lorenzer begründet wurde (Lorenzer 1986). Sie untersucht den narrativen Gehalt von Kulturprodukten und empirischen Forschungsdaten mit dem Ziel, auch unbewusste (nonverbale) Bedeutungen zu verstehen (König et al. 1986; Leithäuser & Volmerg 1988). Um diese Bedeutungen interpretativ zu erschließen, setzt die Tiefenhermeneutik an der Wirkung an, die Forschungsmaterialien auf das Erleben der Forscher*innen entfalten: Eine tiefenhermeneutische Interpretation bewegt sich hin und her zwischen einer genauen regelgeleiteten Lektüre des Forschungsmaterials und der Reflexion von Irritationen, Gefühlen und Konflikten, mit denen die Forscher*innen auf das Material reagieren. Werden diese Reaktionen ernst genommen und mit Vorsicht reflektiert, können sie Aufschluss über eine unbewusste Ebene der Forschungsbeziehung (z.B. zwischen Interviewer*in und Interviewee) und damit über eine latente Sinnschicht des Forschungsthemas geben.

Die Forschungswerkstatt bietet die Möglichkeit, tiefenhermeneutisches Arbeiten forschungspraktisch auszuprobieren und erste Eindrücke von der methodischen Vorgehensweise zu sammeln. In der Forschungswerkstatt soll es darum gehen, nach einem Input mit empirischem Material der Teilnehmenden tiefenhermeneutisch zu arbeiten. Vorerfahrungen der Teilnehmenden sind hierbei nicht erforderlich. Eingereicht werden können Transkripte von Interviews und Gruppendiskussionen oder Beobachtungsprotokolle, gerne auch Kulturprodukte wie Bilder, Karikaturen oder Dokumente usw.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bereswill, Mechthild; Morgenroth, Christine & Redman, Peter (2010). Special issue: Alfred Lorenzer and the depth-hermeneutic method. Psychonalysis, Culture and Society, Vol. 15, 3.
  • Haubl, Rolf & Lohl, Jan (2020). Tiefenhermeneutik. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 555–577). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_57.
  • König, Hans-Dieter (2008). Tiefenhermeneutik. In Uwe Flick, Ernst von Kardorff & Ines Steinke (Hg), Qualitative Forschung. Ein Handbuch (S. 556–568). Reinbek: Rowohlt.
  • König, Julia; Burgermeister, Nicole; Brunner, Markus; Berg, Philipp & König, Hans-Dieter für die Forschungswerkstatt Tiefenhermeneutik (Hg.) (2018). Dichte Interpretation. Tiefenhermeneutik als Methode qualitativer Forschung. Wiesbaden: Springer VS.
  • Lorenzer, Alfred (1986). Tiefenhermeneutische Kulturanalyse. In Hans-Dieter König et al. (Hg.), Kultur-Analysen (S. 11–98), Frankfurt am Main: Fischer.

Forschungswerkstatt: Sozialwissenschaftliche Dispositivanalyse

Prof. Dr. Andrea D. Bührmann

Universität Göttingen, Institut für Diversitätsforschung

Dr. Daniel Schumann

Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie

Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse zielt darauf, diskursive Praktiken zur Herstellung und Durchsetzung von Wissen in spezifischen sozio-historischen Kontexten zu analysieren und dessen Formierungsstrukturen, Funktionsmechanismen und Machtwirkungen zu entziffern. Bei der Dispositivanalyse geht es vor diesem Hintergrund um die die systematische Ergänzung und Weiterung diskurstheoretischer Perspektiven und diskursanalytischer Forschungspraxis. Im Zentrum stehen also diskursive und nicht-diskursive Praktiken und deren Vermittlungen. Zu fragen ist damit nach den Wechselbezügen zwischen normierenden Wissensordnungen, ihren konkreten handlungspraktischen Wirksamkeiten im Austausch von Akteur*innen sowie den damit einhergehenden Selbst-Bezügen und Subjektivitätsformen und -weisen.

Obwohl mittlerweile einige Konzeptionen für eine (auch) an Foucault orientierte und darüber hinausweisende Forschungsmethodik vorliegen, bleibt eine methodische „Schrittfolge“ für Diskurs- und Dispositivanalysen problematisch. Dies gilt besonders, falls solche Vorgaben den Anspruch auf Verbindlichkeit und Ausschließlichkeit erheben. Was eine „Diskurs-“ bzw. „Dispositivanalyse“ jeweils ausmacht, muss je nach Forschungsfrage, ihrer jeweiligen theoretischen und methodologischen Fundierung sowie den damit verbundenen methodisch-praktischen Umsetzungen immer erst bestimmt werden.

Die Forschungswerkstatt bietet mit Blick darauf eine grundlegende und einführende Diskussion zur sozialwissenschaftlichen (Diskurs- und) Dispositivforschung, die vor allen Dingen an konkreten methodisch-praktischen Fragen der Durchführung von Forschungsprojekten orientiert ist.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr Forschungsprojekt als (Illustrations-) Beispiel besprochen wird, und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bührmann, Andrea D.; Diaz-Bone Rainer; Kendall, Gavin; Guiterréz Rodríguez, Encarnación; Schneider, Werner & Tirado, Francisco (Hrsg.) (2007). From Michel Foucault’s Discourse Theory to Empirical Social Research on Discourses. Current Methodological Developments und Methodical Applications in Social Research. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research8(2), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/7.
  • Bührmann, Andrea & Schneider, Werner (2012). Vom Diskurs zum Dispositiv. Eine Einführung in die Dispositivanalyse (2. Auflage) Bielefeld: transcript Verlag.
  • Schumann, Daniel (2022). „Brückenbauer“ im Dispositiv kollaborativer Inklusion. Zur Enaktierung von Expertise in Kooperationen von Kommunalverwaltungen und Migrant:innenorganisationen. Swiss Journal of Sociology, 48(3), 465–487, DOI: https://doi.org/10.2478/sjs-2022-0023.

Prof. Dr. Bettina Dausien

Universität Wien, Institut für Bildungswissenschaft

Prof. Dr. Paul Mecheril

Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft

Was tun wir eigentlich, wenn wir ein Interviewtranskript, ein Beobachtungsprotokoll, eine Tagebuchaufzeichnung oder anderes Material interpretieren und einen Interpretationstext zu diesem (Text-)Material produzieren? In der qualitativen Forschung gibt es verschiedene methodologische Strategien und Methoden, die sicherstellen sollen, dass dieses „Tun“ nicht beliebig, sondern regelgeleitet und begründet erfolgt. Allerdings ist die Anwendung von Methoden kein vollständig technologisierbarer Vorgang, der zu einem „folgerichtigen“ Interpretationstext führt, sondern eine interpretative Praxis, die von unterschiedlichen Bedingungen strukturiert wird und im je konkreten Fall eines Forschungsprojekts, Materials etc. im Rahmen methodischer Regeln immer wieder neu „hergestellt“ wird. Dabei sind die Forschenden selbst aktiv an der Konstruktion ihres Gegenstandes beteiligt.

In methodologischen Debatten wird die Konstruktionsleistung der Forschenden zwar grundsätzlich einbezogen, in den einzelnen methodischen Verfahren fehlen jedoch häufig elaborierte Instrumente für deren Reflexion. Formen der persönlichen Reflexion der Forschenden etwa durch Supervision, ein Forschungstagebuch oder einfach durch „Nachdenken“ sind wichtig, sie bleiben aber in methodologischer Hinsicht unbefriedigend. Notwendig ist darüber hinaus eine systematische methodologisch angeleitete Reflexion der Konstruktivität der Forschungspraxis und der „Ko-Konstruktion“ der Forschenden im Umgang mit ihrem Material.

Der Gedanke der Ko-Konstruktion lässt sich am Verhältnis zwischen einem „empirischen“ Text und den darauf bezogenen, im Forschungsprozess produzierten interpretativen und theoretischen Texten explizieren: Die interpretativen Texte der Forschenden sind mit Alfred Schütz als „Konstruktionen zweiten Grades“ zu verstehen. Der Begriff der Ko-Konstruktion reflektiert aber deutlicher als der Schütz’sche Ansatz die wechselseitige Vermittlung und Dynamik zwischen dem empirischen Material (und den sich darin spiegelnden alltagsweltlichen Konstruktionen) und den im Forschungsprozess produzierten „Konstruktionen zweiten Grades“. Letztere sind keine aus dem Material „emergierenden“ Rekonstruktionen, die zu jenem in einer eindeutigen Relation stehen. Es sind vielmehr unter bestimmten Hinsichten konstruierte Lesarten, die in der kommunikativen Interpretationspraxis herausgearbeitet, bzgl. ihrer Voraussetzungen reflektiert und an bestimmten Kriterien im Hinblick auf Plausibilität und Güte beurteilt werden. Der Blick richtet sich also besonders auf die Relation zwischen den Konstruktionen „im“ empirischen Material und den interpretativen Ko-Konstruktionen der Forschenden sowie auf die wechselseitige Strukturierung dieser beiden Konstruktionskontexte in der Forschungspraxis.

Diese Relation zu reflektieren und bestmöglich zu explizieren, ist eine Forderung qualitativer Forschung, insbesondere wenn sie dem Paradigma der interpretativen resp. rekonstruktiven Sozialforschung folgt. Im Sinn der Entwicklung gemeinsamer Qualitätskriterien qualitativer Forschung und einer „schulenübergreifenden“ Verständigung soll das Verständnis von Interpretation als Ko-Konstruktion dazu dienen, die eigene interpretative Praxis im Hinblick auf ihre Voraussetzungen (Interessen, Vorannahmen, theoretische Modelle usw.), ihre Produkte (Interpretationstexte, Kategorien, theoretische Konzepte usw.) und die damit einhergehenden Gegenstandkonstruktionen zu reflektieren.

In der Forschungswerkstatt wollen wir – an exemplarischem, von Teilnehmenden eingereichtem Material – das Verhältnis von Text, „Interpretationshinsichten“ und Ko-Konstruktionen praktisch ausloten und methodologisch reflektieren.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietende der Forschungswerkstatt weitergeleitet. (Aus den eingereichten Materialien wählen wir max. drei Beiträge für die Besprechung in der Werkstatt aus.)

Literatur

  • Dausien, Bettina (2006). Repräsentation und Konstruktion. Lebensgeschichte und Biographie in der empirischen Geschlechterforschung. In Sabine Brombach & Bettina Wahrig (Hrsg.), LebensBilder. Leben und Subjektivität in neueren Ansätzen der Gender Studies (S. 179–211). Bielefeld: transcript Verlag.
  • Dausien, Bettina (2007). Reflexivität, Vertrauen, Professionalität. Was Studierende in einer gemeinsamen Praxis qualitativer Forschung lernen können. Diskussionsbeitrag zur FQS-Debatte „Lehren und Lernen der Methoden qualitativer Sozialforschung“. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 8(1), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-8.1.220.
  • Dausien, Bettina (2019). „Doing reflexivity“ – Interpretations- und Forschungswerkstätten. Überlegungen und Fragen (nicht nur) aus der Perspektive von „Anfänger*innen“ in der Biographieforschung. In Gerhard Jost & Marita Koch (Hrsg.), Handbuch zur soziologischen Biographieforschung: Grundlagen für die methodische Praxis (S. 257–276). Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
  • Mecheril, Paul (2003). Text als Medium für Text. Method(olog)ische Anmerkungen zur allmählichen Verfertigung eines Interpretationstextes (Kapitel II aus: Prekäre Verhältnisse. Über natio-ethno-kulturelle (Mehrfach-)Zugehörigkeit). Münster: Waxmann.

Forschungswerkstatt: Konversationsanalyse

Prof. Dr. Arnulf Deppermann

Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim

Gegenstand der Konversationsanalyse sind die Verfahren, mit denen Teilnehmende an einer verbalen Interaktion ihren Austausch organisieren und dabei soziale Wirklichkeit auf verschiedenen Ebenen der Sinnkonstitution herstellen. Die Konversationsanalyse befasst sich mit den grundlegenden Aufgaben der Gesprächskonstitution. Dazu gehören bspw. die Eröffnung und Beendigung von Gesprächen, die Organisation des Sprecherwechsels, die Kategorisierung und Darstellung von Sachverhalten, die Koordination des gemeinsamen Handelns oder die Performanz und Zuschreibung von Identitäten. Ziel der Untersuchung ist die Rekonstruktion konversationeller Praktiken, d.h. von sprachlich-kommunikativen und leiblichen Verfahren, die in bestimmten Gesprächskontexten zur Bearbeitung spezifischer Aufgaben und Probleme der Gesprächskonstitution eingesetzt werden. Diese Praktiken können mehr oder weniger allgemein, kulturspezifisch oder an besondere Aufgaben im Bereich institutioneller Interaktionen (wie Beratung, Gerichtsverhandlung) adaptiert sein. Je nach disziplinärem Interesse kann die Untersuchung z.B. linguistische Formen und Strukturen (interaktionale Linguistik), institutionelle Aufgaben und Probleme (applied conversation analysis) oder das multimodale Handeln in Arbeitskontexten (workplace studies) betreffen. Oftmals ist es zudem nötig, ethnografisches Hintergrundwissen einzubeziehen.

Die Konversationsanalyse arbeitet ausschließlich mit Ton- und Videoaufnahmen sowie Transkripten von Gesprächen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Untersuchungsfragestellungen der Konstitutionsweise der Daten angepasst sind (Natürlichkeitsprinzip) und in intensiver Auseinandersetzung mit dem Datenmaterial spezifiziert werden. Die Methodik der Konversationsanalyse verknüpft die detaillierte Sequenzanalyse von Einzelfällen mit der Arbeit mit Datenkollektionen, die unterschiedliche Realisierungen einer konversationellen Praxis enthalten.

In der Forschungswerkstatt soll anhand von Materialien von zwei Teilnehmenden an jeweils einer kleinen Kollektion von Fällen einer konversationellen Praxis gearbeitet werden. Bewerber*innen werden gebeten, ein kurzes Exposé ihrer für das Methodentreffen relevanten Forschungsfragen (ca. eine Seite) sowie eine Kollektion von drei zu bearbeitenden Transkripten (nach GAT2 oder CA/Jefferson-Notation) einzureichen. Für die Arbeit in der Forschungswerkstatt müssen die Daten zudem als Audiodatei (mp3/wav) oder Videofile (mp4) bereit stehen. Bevorzugt werden dabei Videoaufnahmen.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme das Organisationsteam – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Leiter der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Deppermann, Arnulf (2008). Gespräche analysieren. Opladen: Leske + Budrich.
  • Deppermann, Arnulf (2014). Konversationsanalyse: Elementare Interaktionsstrukturen am Beispiel der Bundespressekonferenz. In: Sven Staffeldt & Jörg Hagemann (Hrsg.), Pragmatiktheorien. Analysen im Vergleich (S. 19–47). Tübingen: Stauffenburg.
  • Deppermann, Arnulf (2020). Konversationsanalyse und diskursive Psychologie. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der PsychologieBand 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 649–672)  Wiesbaden: Springer VS, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_50.
  • Robinson, Jeffrey D.; Clift, Rebecca; Kendrick, Kobin & Raymond, Chase W. (eds.)(2024). Handbook of Methods in Conversation Analysis. Cambridge: CUP.

Forschungswerkstatt: Wissenssoziologische Diskurs- und Dispositivanalyse

Prof. Dr. Reiner Keller

Universität Augsburg, Allgemeine Soziologie und Wissenssoziologie

Dr. des. Martin Blessinger

Universität Augsburg, Allgemeine Soziologie und Wissenssoziologie

Die Wissenssoziologische Diskurs- und Dispositivanalyse (WDA) formuliert ein Forschungsprogramm zur Untersuchung gesellschaftlicher Wissensverhältnisse und Wissenspolitiken, das mittlerweile über die Soziologie hinaus in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zum Einsatz kommt. Ihre theoretischen und methodologischen Grundlegungen liegen in einer Verbindung von wissenssoziologisch-sozialkonstruktivistischen Annahmen und Traditionslinien des soziologischen interpretativen Paradigmas mit theoretisch-begrifflichen Vorschlägen aus Michel Foucaults Reflexionen des Diskursbegriffs und des Dispositivbegriffs. In methodischer Hinsicht greift sie auf Konzepte, Erhebungs- und Analyseverfahren der qualitativen Sozialforschung zurück. Ihr Analyseinteresse richtet sich auf die Untersuchung von Diskursen und Dispositiven als einer gesellschaftlichen Wirklichkeitsebene, auf der Wissen hergestellt, reproduziert und verändert wird. Diskurse sind strukturierte Praktiken des Sprach- und Symbolgebrauchs, die spezifische Wissensordnungen konstituieren, mit denen wiederum gesellschaftliche Wirkungen bzw. Machteffekte verbunden sind. Dispositive sind Infrastrukturen der Diskursproduktion und der diskursinduzierten ‚Weltintervention‘.

Die Forschungswerkstatt stellt zunächst die Grundannahmen der WDA und die damit anvisierten Fragestellungen vor. Im Zentrum steht dann die Erläuterung des methodisch-praktischen Vorgehens in konkreten empirischen Untersuchungen. Dies umfasst zum einen die Erschließung der Materialität von Diskursen (Akteure, Praktiken, Dispositive), zum anderen die Analyse der diskursiven Wissensformierungen und der daraus entfalteten Subjektivierungsangebote (Deutungsmuster, Klassifikationen, narrative Strukturen, Phänomenstruktur, Subjektmodelle u.a.). In der Werkstatt werden dazu Vorgehensweisen der Datenerhebung und der Datenauswertung diskutiert. Die WDA folgt der Überlegung, dass es kein Standard- oder Rezeptmodell der Diskursforschung gibt, sondern dass jedes Projekt den angebotenen Rahmen für seine spezifischen Fragestellungen entsprechend gestalten muss. Gleichwohl mündet dies nicht in völlige Beliebigkeit, sondern bewegt sich in einem Gesamtrahmen, der Theorie, methodologische Reflexion und methodisches Vorgehen aufeinander bezieht.

Die vorwiegend auf Fragen der praktischen Umsetzung von Vorhaben der Diskurs- und Dispositivforschung (in unterschiedlichen disziplinären Kontexten) hin ausgelegte Forschungswerkstatt wendet sich zum einen an Interessierte, die ganz allgemein den Ansatz der WDA kennenlernen möchten. Zum zweiten besteht die Möglichkeit, konkrete, mehr oder weniger weit fortgeschrittene eigene Projekte zur Diskussion zu stellen, die bereits mit der WDA arbeiten bzw. dies gegebenenfalls vorhaben. In diesem Fall sollte eine entsprechende, etwa dreiseitige Skizze des Vorhabens sowie der damit verbundenen, beim Berliner Methodentreffen zu diskutierenden Fragen an die WDA eingereicht werden. Gegebenenfalls können dabei nicht alle Vorschläge, sondern nur eine Auswahl berücksichtigt werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Keller, Reiner (2007). Diskurse und Dispositive analysieren. Die Wissenssoziologische Diskursanalyse als Beitrag zu einer wissensanalytischen Profilierung der Diskursforschung. [46 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 8(2), Art. 19, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-8.2.243.
  • Keller, Reiner (2010). Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen (4. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Keller, Reiner (2011). Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines Forschungsprogramms (3. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Keller, Reiner (2019). Die Untersuchung von Dispositiven. Zur fokussierten Diskurs- und Dispositivethnografie in der Wissenssoziologischen Diskursanalyse. In Saša Bosančić & Reiner Keller (Hrsg.), Diskursive Konstruktionen. Kritik, Materialität und Subjektivierung in der wissenssoziologischen Diskursforschung (S. 51–74). Wiesbaden: Springer VS.
  • Keller, Reiner & Truschkat, Inga (Hrsg.) (2012). Methodologie und Praxis der Wissenssoziologischen Diskursanalyse. Wiesbaden: VS Verlag.

Forschungswerkstatt: Qualitative Inhaltsanalyse

Prof. i.R. Dr. Philipp Mayring

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Institut für Psychologie / Verein zur Förderung Qualitativer Forschung ASQ, Klagenfurt

In der Forschungswerkstatt sollen (max. 4) konkrete qualitativ-inhaltsanalytische Projekte aus dem Kreis der Teilnehmenden diskutiert und gemeinsame methodische Probleme und Lösungsmöglichkeiten herausgearbeitet werden. Mit qualitativ-inhaltsanalytisch ist dabei ein Vorgehen gemeint, das

  • theoriegeleitet und regelgeleitet vorgeht,
  • das zu analysierende Material in ein Kommunikationsmodell einordnet und darauf bezogen die Ziele der Analyse definiert,
  • die zentralen Analyseaspekte in Kategorien(-systemen) formuliert, das Material in inhaltsanalytische Einheiten zerlegt und danach schrittweise bearbeitet,
  • das Instrumentarium (Kategoriensysteme und inhaltsanalytische Regeln) in einer Pilotstudie überarbeitet,
  • die Zuordnung von Kategorien zu Textstellen als interpretativen, regelgeleiteten Prozess auffasst,
  • im weiteren Verlauf auch Quantifizierungen (z.B. Kategorienhäufigkeiten) zulässt,
  • die Ergebnisse an Gütekriterien (z.B. Interkoderreliabilität) misst.

Teilnehmende, die an einer eigenen Projektpräsentation interessiert sind und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein Abstract, in dem Fragestellung der Studie und (mögliches) Kategoriensystem(e) dargestellt werden, einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietende der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Mayring, Philipp (2020). Qualitative content analysis: demarcation, varieties, developments [30 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 20(3), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-20.3.3343
  • Mayring, Philipp (2022). Qualitative Content Analysis. A Step-by-Step Guide. London: Sage.
  • Mayring, Philipp (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (13. überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Mayring, Philipp (2023). Einführung in die Qualitative Sozialforschung (7. Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Mayring, Philipp (2025). Qualitative Content Analysis With ChatGPT: Pitfalls, Rough Approximations and Gross Errors. A Field Report. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 26(1), DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-26.1.4252.

Forschungswerkstatt: Qualitative Inhaltsanalyse

Christoph Stamann

Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften

Markus Janssen

Pädagogische Hochschule Weingarten, Fach Erziehungswissenschaft

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um eine Forschungsmethode zur Systematisierung manifester und latenter Kommunikationsinhalte. Als Instrument dazu dienen Kategoriensysteme. Die Methode zeichnet sich durch eine Vielzahl verschiedener Verfahren und Techniken aus, denen eine in hohem Maße regelgeleitete Interpretation gemein ist. Erfahrungsgemäß entstehen jedoch im Spannungsfeld zwischen Regelgeleitetheit und Anpassung des Vorgehens an das eigene Forschungsvorhaben fortwährend forschungspraktische Abwägungs- und Entscheidungsmomente.

Die Forschungswerkstatt dient daher der Bearbeitung von mit ebensolchen Entscheidungen einhergehenden Anliegen und Herausforderungen. Gleichzeitig bietet sie die Gelegenheit, die Sicht auf das eigene Material konstruktiv irritieren zu lassen. Anhand von Materialausschnitten von zwei Teilnehmenden werden einzelne Auswertungsschritte besprochen und vollzogen. Die Forschungswerkstatt ist offen für verschiedene qualitativ-inhaltsanalytische Verfahren.

Gegenstand der Materialsitzungen ist vor allem die Erarbeitung und Anwendung von Kategorien(-systemen). Darüber hinaus können alle weiteren Auswertungsschritte und Fragen zum Forschungsdesign, z.B. zur Materialauswahl, zu Gütekriterien und zu Qualitätssicherungsstrategien, bearbeitet werden. Aktive Teilnehmende werden gebeten, bei der Materialeinreichung ein konkretes Anliegen für die Materialsitzung zu formulieren.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Da es sich nicht um einen Einführungsworkshop handelt, werden grundlegende Kenntnisse der Methode vorausgesetzt.

Literatur

  • Kuckartz, Udo (2018). Qualitative Inhaltsanalyse. In Leila Akremi, Nina Baur, Hubert Knoblauch & Boris Traue (Hrsg.), Handbuch Interpretativ forschen (S. 506 –534). Weinheim, Basel: Beltz Juventa.
  • Mayring, Philipp & Fenzl, Thomas (2019). Qualitative Inhaltsanalyse. In Nina Baur & Jörg Blasius (Hrsg.), Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (2. Auflage, S. 633–648). Wiesbaden: Springer VS.
  • Schreier, Margrit (2012). Qualitative content analysis in practice. London: Sage.
  • Stamann, Christoph (2025). Qualitative Inhaltsanalyse. In Juliana Gras & Ralf Schieferdecker (Hrsg.), Einführung in Qualitative Sozialforschung. Grundlagen für Studierende pädagogischer Studiengänge (S. 106 –121). Bad Heilbrunn: Klinkhardt, DOI: https://doi.org/10.35468/6188-08.
  • Stamann, Christoph; Janssen, Markus & Schreier, Margrit (2016). Qualitative Inhaltsanalyse – Versuch einer Begriffsbestimmung und Systematisierung [24 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 17(3), Art. 16, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-17.3.2581.

Dr. Katharina Miko-Schefzig

Wirtschaftsuniversität Wien, Kompetenzzentrum für empirische Forschungsmethoden

Cornelia Reiter, M.A.  

Austrian Institute of Technology, Center for Innovation Systems & Policy

Artefakte sind nicht nur statische, von Menschen geschaffene Objekte, sondern sie sind vielmehr materialisierte Verweise auf die sozialen Kontexte und Dynamiken, in die sie eingebettet sind. Das macht Artefakte zu gewinnbringenden Materialien qualitativer Forschung. Artefakte sind natürliche Daten, die in einem untersuchten Feld als relevant identifiziert und verfügbar gemacht werden können. Gleichzeitig ist ihr analytischer Gehalt groß. Die Artefaktanalyse nach Froschauer und Lueger (2020) ermöglicht es, soziale Kontexte und deren Strukturen und Dynamiken besser zu verstehen. Die schrittweise Interpretation von Artefakten, des Zusammenhangs ihrer Entstehung, ihre Verwendung, die ihnen eingeschriebenen Handlungs- und Kommunikationsvoraussetzungen und -folgen lassen auf Bedeutungs- und Sinnzusammenhänge schließen. Die besondere Verfügbarkeit von Artefakten lässt dies auch zu, wenn keine sprachlichen oder flüchtigen Materialien verfügbar sind.

In der Forschungswerkstatt werden Artefakte analysiert und der Gehalt dieser Materialien für sozialwissenschaftliche Fragestellungen aufgezeigt. Thematisch liegt dabei ein Schwerpunkt auf sozialer Transformation.

In der Forschungswerkstatt werden folgende Inhalte behandelt:  

  • Bedeutung von Artefakten als Daten für sozialwissenschaftliche Forschung
  • Artefaktarrangements als Verbindung von Materialität und ihre situative Einbettung
  • Artefaktarrangements als Sinnesarrangements
  • Ablauf und Phasen der Interpretation von Artefakten
  • Gemeinsame Analyse eines Artefaktes
  • Kombination der Artefaktanalyse mit anderen Methoden
  • Diskussion der Anwendbarkeit von Artefaktanalysen sowie ihrer Grenzen
  • Reflexion zum Workshop

Ziel der Forschungswerkstatt ist es, dass Teilnehmende die Artefaktanalyse als Methode für sozialwissenschaftliche Forschung erschließen und selbst anwenden. Das gemeinsame Analysieren eines Artefakts soll die Teilnehmenden mit den Interpretationsschritten vertraut machen und die methodologische Einbettung veranschaulichen. Teilnehmende sollen eine Methode erlernen, um Artefakte und Artefaktarrangements zu analysieren. Auch sozialer Wandel ist ein Forschungsfokus, wenn Artefaktarrangements als Sinnesarrangements in die Forschung eingebracht werden.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr eigenes Projekt als (Illustrations-) Fall besprochen wird und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé (plus Datenausschnitt) einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet

Literatur

  • Froschauer, Ulrike & Lueger, Manfred (2020). Materiale Organisierung der Gesellschaft. Artefaktanalyse und interpretative Organisationsforschung. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Froschauer, Ulrike & Lueger, Manfred (2020). Artefaktanalyse. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 773–794). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_54.
  • Miko-Schefzig, Katharina (2023). Performative Sozialforschung als Sinnes-Arrangement. Zeitschrift für qualitative Forschung, 24(1), 106–123.
  • Miko-Schefzig, Katharina (2024). Zeiten der Polarisierung: Das Potenzial der wissenssoziologischen Diskursanalyse zur Erklärung einer gespaltenen Gesellschaft. Zeitschrift für Diskursforschung, 12(1), 71–91.
  • Reiter, Cornelia & Sardadvar, Karin (2025). Hermeneutic methods of interpretative analysis – Sequence per sequence to the reconstruction of meaning. In Margarethe Kusenbach & Michaela Pfadenhauer (Hrsg.), Elgar Handbook of Interpretive Research Methods. Cheltenham: Edward Elgar Publishing.

Forschungswerkstatt: Situationsanalyse

Prof. Dr. Ursula Offenberger

Eberhard Karls Universität Tübingen

Dr. Tamara Schwertel

Universität zu Köln

Die Situationsanalyse, ausgearbeitet insbesondere von Adele Clarke, Carrie Friese und Rachel Washburn (2018 und 2022), versteht sich als Weiterentwicklung der Grounded Theory im Anschluss an das Werk von Anselm Strauss. Sie wird der zweiten Generation von US-Grounded-Theory-Forschenden zugeordnet (vgl. Morse et al. 2009) und enthält weitreichende Vorschläge zur Berücksichtigung von sozialtheoretischen Debatten seit den 1970er Jahren. Zugleich wird die dichte Bezogenheit von Grounded Theory und Symbolischem Interaktionismus/Pragmatismus betont und mit dem systematischen Einbezug der Theorie sozialer Welten und Arenen in situationsanalytisches Arbeiten umgesetzt.

In der Forschungswerkstatt ordnen wir die Situationsanalyse zunächst in ihren Entstehungskontext der US-Methodendebatte ein und fragen nach dem Stand der deutschsprachigen Rezeption (z.B. Offenberger et al. 2023; Schwertel et al. 2025). Wir stellen die Mapping-Techniken vor (Situationsmaps, relationale Maps, Soziale-Welten-Arena-Maps und Positionsmaps) und diskutieren anhand von Projekten von Teilnehmenden die Anwendung der Situationsanalyse.  Ein besonderer Fokus liegt auf der Erstellung von situationsanalytischen Forschungsdesigns und der Konzeption von Projekten: Wie entwickle ich eine geeignete Fragestellung? Und wie lässt sich das Mapping von Beginn an nutzen, um das Forschungsinteresse zu fokussieren und die Datengewinnung zu planen? Außerdem nehmen wir Implikationen einer situationsanalytischen Grounded Theory für Prozesse des theoretischen Samplings, von theoretischer Sensibilität und der Involvierung der Forschenden ins Forschungsgeschehen in den Blick. Es werden Fragen besprochen, die sich im Zusammenhang mit einem eigenen Forschungsprojekt stellen. Hier können Teilnehmende ihre eigenen (Problem-)Erfahrungen und Fragen einbringen.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

 Literatur 

  • Clarke, Adele E.; Friese, Carrie E. & Washburn, Rachel S. (2018). Situational analysis: grounded theory after the interpretive turn (Second edition). Los Angeles: Sage.
  • Clarke, Adele E.; Washburn, Rachel & Friese, Carrie (2022). Situational analysis in practice mapping relationalities across disciplines. New York London: Routledge.
  • Morse, Janice M.; Noerager Stern, Phyllis; Corbin, Juliet; Bowers, Barbara; Charmaz, Kathy & Clarke, Adele E. (2009). Developing Grounded Theory. The Second Generation. Walnut Creek: Left Coast Press.
  • Offenberger, Ursula; Baumgartner, Renate; Schwertel, Tamara; Tietje, Olaf; Evans-Jordan, Sarah B. & Kimmerle, Birte (Hrsg.) (2023). Soziale Welten, Arenen und Situationsanalysen: Theoretische Debatten und forschungspraktische Erfahrungen. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/77.
  • Schwertel, Tamara; Baumgartner, Renate & Offenberger, Ursula (Hrsg.) (2025). Situationsanalyse: Zu Aktualität und Verwendungsweisen eines Forschungsprogramms. Zeitschrift für Qualitative Forschung (ZQF), https://budrich-journals.de/index.php/zqf/issue/view/3502.

Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer

Universität Wien, Institut für Soziologie

Unter einem ethnografischen Forschungsdesign in der Soziologie verstehen wir die wissenschaftliche Erkundung eines identifizierbaren sozialen Feldes (im Sinne eines hinlänglich abgrenzbaren Wissens-, Kommunikations- oder Interaktionszusammenhangs) unter Nutzung verschiedener Verfahren der Datenerhebung und einer oder mehrerer interpretativer Methoden der Datenauswertung. Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne eines Ansatzes, der Verfahren bzw. Methoden kombiniert, unterscheidet sich somit von Designs standardisierter Erhebungen und „qualitativer“ Ein-Methoden-Designs. Ethnografie im von uns gemeinten Sinne grenzt sich auch ab von Feldforschungskonzepten, in denen – direkte oder indirekte – Veränderungsabsichten intendiert oder impliziert sind. Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne zielt typischerweise auch nicht ab auf eine Kritik der das je untersuchte Feld kennzeichnenden Praktiken, sondern eher auf ein „moralisches“ Verstehen dessen, was im je untersuchten Feld geschieht, und darauf, das soziale Geschehen auch für nicht daran Beteiligte verständlich zu machen.

In dieser Forschungswerkstatt sollen nicht bereits erhobene Daten bzw. Feldmaterialien ausgewertet, sondern die sozialwissenschaftliche Plausibilität bzw. Plausibilisierbarkeit von Forschungsdesigns für geplante oder laufende ethnografische Studien diskutiert werden.

In der Forschungswerkstatt werden drei bis vier von Teilnehmenden eingebrachte Konzepte ethnografischer Studien besprochen. Diese Designs werden nach Sichtung der eingegangenen Bewerbungen von uns ausgewählt. Diese Sichtung erfolgt auf der Grundlage von Exposés, in denen Fragestellungen, Zielsetzung, methodische Anlage und theoretische Interessen der ethnografischen Studie klar ausgewiesen sein sollen. Diese Exposés sollen mindestens 10.000 und höchstens. 20.000 Zeichen umfassen.

Teilnehmende, die ihre Konzepte in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Designs werden vom Organisationsteam gesammelt und dann an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Breidenstein, Georg; Hirschauer, Stefan; Kalthoff, Herbert & Nieswand, Boris (2013). Ethnografie. Konstanz und München: UVK/UTB.
  • Dellwing, Michael & Prus, Robert (2012). Einführung in die interaktionistische Ethnografie. Wiesbaden: Springer VS.
  • Hitzler, Ronald & Eisewicht, Paul (2016). Lebensweltanalytische Ethnographie – im Anschluss an Anne Honer. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Honer, Anne (2011). Das Perspektivenproblem in der Sozialforschung. In dieselbe: Kleine Leiblichkeiten. (S. 27–40). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Pfadenhauer, Michaela (2017). Grenzziehungen, Grenzverläufe, GrenzgängerInnen. Zum kulturanalytischen Potenzial der Ethnografie [31 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 18(1), Art. 12, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-18.1.2782.

Dr. Melanie Pierburg

Stiftung Universität Hildesheim, Institut für Sozialwissenschaften, Methodenbüro

Autoethnografie ist eine Methode, die auf einem performativen Weg zur Erkenntnis beruht. Sachverhalte werden nicht ‚einfach‘ untersucht und dargestellt, sondern möglichst erlebensnah konturiert und deutungsoffen präsentiert. Damit geht eine Offenheit für Vermittlungswege einher, die auch künstlerische Ausdrucksformen beinhaltet, beispielsweise in Form affizierender Erzählungen oder Gedichte. Aufgrund dieser Besonderheiten hat die Autoethnografie eine bewegte Geschichte ihrer Etablierung in der Wissenschaft hinter sich. Und genau das macht sie für eben diese interessant: Sie fordert akademische Regeln, Orientierungen und (Güte-)Kriterien heraus, indem sie Subjektivität zur basalen Erkenntnisgrundlage erhebt. Darüber hinaus verknüpft sie das Schreiben über wissenschaftliche Fragestellungen konstitutiv mit den Erfahrungsmöglichkeiten, die sich mit dem Lesen der Texte ergeben. Zumindest ist das für die evokative Autoethnografie der Fall, bei der nicht objektivierende Distanz zum Untersuchungsgegenstand maßgeblich ist, sondern im Gegenteil (biografisch verankerte) Identifikationen relevant sind. Diese sollen den Rezipierenden Einblicke in Erfahrungsqualitäten ermöglichen, welche mit sozialwissenschaftlich interessierenden Phänomenen (oft) gegeben sind, aber selten thematisiert werden.

In der Forschungswerkstatt setzen wir uns mit der Autoethnografie als Methode auseinander, die die Wissenschaft gleichermaßen bereichert wie herausfordert. Wir diskutieren autoethnografische Texte, die von Teilnehmenden eingereicht wurden – in einer wohlwollenden und konstruktiven Atmosphäre – hinsichtlich der Darstellung von eigenen Erfahrungen sowie deren Rückbindung an wissenschaftliche Diskurse. Darüber hinaus nutzen wir den Rahmen, um das Schreiben über sich selbst als Praktik zu erproben. In zwei Schritten nähern wir uns hierbei dem Entwickeln eines autoethnografischen Textes als Selbstzeugnis und als akademischen Erkenntnisweg an. Dabei eruieren wir, wie die Methode in wissenschaftliche Schaffensprozesse integriert werden kann, welche Freiräume sie bietet, wo aber auch ihre Grenzen verlaufen.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Ellis, Carolyn (2004). The ethnographic I. A methodological novel about autoethnography. Walnut Creek: AltaMira Press.
  • Ellis, Carolyn; Adams, Tony M. & Bochner, Arthur P. (2010). Autoethnography: An Overview. [40 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 12(1), Art. 10, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-12.1.1589.
  • Ellis, Carolyn & Bochner, Arthur P. (Hrsg.) (1996). Composing Ethnography. Alternative Forms of Qualitative Writing. Lanham: AltaMira Press.
  • Pierburg, Melanie (2021). Reisen während der COVID-19-Pandemie: die Erosion alltäglicher Gewissheiten [77 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research22(1), Art. 2, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-22.1.3581.
  • Pierburg, Melanie; Benkel, Thorsten; Coenen, Ekkehard; Meitzler, Matthias & Sitter, Miriam (2023). Autoethnografie in Todesnähe. Soziologische Arbeit an und mit herausfordernden Identifikationsprozessen [58 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 24(2), Art. 7, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-24.2.4065.

Forschungswerkstatt: Dokumentarische Methode

Prof. Dr. Aglaja Przyborski

Bertha von Suttner Privatuniversität, St. Pölten

Monika Chlastak, MA

Bertha von Suttner Privatuniversität, St. Pölten

Die dokumentarische Methode ist ein Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung und findet mittlerweile in vielfältigen Gegenstandsbereichen und zahlreichen Disziplinen Anwendung; zunehmend beweist sie in transdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojekten ihre Stärken. Die Methode ist in der Arbeit mit Gruppendiskussionen, teilnehmender Beobachtung und narrativen Interviews entstanden, dann für weitere Textsorten und in den letzten Jahren für die Bild- und Videoanalyse weiterentwickelt worden.

Ziel der Forschungswerkstatt im Rahmen des Berliner Methodentreffen ist es, anhand konkreter, forschungspraktischer Beispiele aus dem Material der Teilnehmer*innen die grundlegenden Arbeitsschritte, Kristallisations- und Knackpunkte der dokumentarischen Methode erfahrbar zu machen.

Den methodischen Schwerpunkt soll die Arbeit mit Gruppendiskussionen und/oder Bildern bilden.

Wenn Sie interessiert sind, dass wir die Dokumentarische Methode entlang Ihres Forschungsvorhabens in der Forschungswerkstatt beleuchten, sind folgende Unterlagen als Materialgrundlage notwendig:

  • Projektplanung und Forschungsdesigns
  • Trankskripte von Gruppendiskussionen (oder anderen Gesprächsformaten) oder:
  • Bilder/Fotos
  • Interpretation (formulierende und/oder reflektierende Interpretation nach der Dokumentarischen Methode) zu Ihrem Ausgangsmaterial (Transkript und/oder Bild), die uns zur Verfügung gestellt wird 

Es können maximal zwei Vorlagen diskutiert werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstätten weitergeleitet.

Literatur

  • Przyborski, Aglaja (2004). Gesprächsanalyse und dokumentarische Methode. Qualitative Auswertung von Gesprächen, Gruppendiskussionen und anderen Diskursen. Wiesbaden: VS Verlag.
  • Przyborski, Aglaja (2018). Bildkommunikation: Qualitative Bild- und Medienforschung. Berlin: De Gruyter Oldenbourg.
  • Przyborski, Aglaja & Slunecko, Thomas (2020a). Dokumentarische Methode. In Mey Günter & Mruck Katja (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der PsychologieBand 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 537–554). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-18387-5_45-2.
  • Przyborski, Aglaja & Slunecko, Thomas (2020b). Understanding Media Communication: On the Significance of Iconic Thinking for a Praxeological Model of Communication. Sage Open, DOI: https://doi.org/10.1177/2158244020952064.
  • Przyborski, Aglaja & Wohlrab-Sahr, Monika (2021). Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch (5. vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage). München: Oldenbourg.

Forschungswerkstatt: Mixed Methods

Dr. Stefan Rädiker

Methoden-Expertise.de

Die Kombination qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden bietet ein breites Spektrum an Vorteilen: Sie ermöglicht es uns, soziale Phänomene umfassender zu verstehen, unsere Analyseperspektiven zu erweitern und Ergebnisse im Kontext zu interpretieren. Angesichts dieser Vorteile ist es kaum überraschend, dass die sorgfältige Integration beider Ansätze in einer Studie zunehmend an Popularität gewonnen hat.

Im Zentrum unserer Forschungswerkstatt steht die Frage, wie sich qualitative und quantitative Forschung gewinnbringend verbinden lassen. Dementsprechend werden wir uns am Beispiel von ausgewählten Projekten der Teilnehmenden häufig gestellten Fragen der konkreten Forschungspraxis und Umsetzung widmen:

  • Wie sieht ein Mixed-Methods-Design aus?
  • An welchen Stellen ist „Mixing“ überhaupt möglich und sinnvoll (points of integration)?
  • Welcher Gewinn lässt sich durch die Verbindung qualitativer und quantitativer Samplings, Daten und Ergebnisse erzielen und welche Begründungen für die Durchführung einer Mixed-Methods-Studie können herangezogen werden?
  • Wie lassen sich qualitative und quantitative Daten aufeinander beziehen und welche Formen der Ergebnisdarstellung existieren? Welche Rolle können Joint Displays bei der Analyse und Präsentation übernehmen?

Teilnehmende, die ihr geplantes oder laufendes Mixed-Methods-Projekt in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein kurze Projektbeschreibung einzureichen. Bitte gehen Sie in der Projektbeschreibung (2 bis 4 Seiten) so weit wie möglich auf folgende Punkte ein:

  • Fragestellungen
  • Übersicht über die qualitativen und quantitativen Daten (inkl. Stand der Erhebung und Art der vorgesehenen bzw. durchgeführten Analyse, gerne mit Beispielen)
  • Fragen, „Knackpunkte“ und Unsicherheiten, die Sie im Projekt beschäftigen und die Sie gerne in der Forschungswerkstatt besprechen möchten

Die Beschreibungen werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Leitung der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Alle Teilnehmenden erhalten zudem vorab die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema einzubringen, sodass wir diese in der Forschungswerkstatt berücksichtigen können.

Literatur

  • Baur, Nina; Kelle, Udo & Kuckartz, Udo (2017) (Hrsg.). Mixed Methods. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Sonderhefte, Band 57.
  • Bazeley, Patricia & Vogl, Susanne (2026). Integrating analysis in mixed methods research. London: Sage.
  • Fetters, Michael D. (2020). The mixed methods research workbook: Activities for designing, implementing, and publishing projects. Thousand Oaks, London, New Delhi: Sage.
  • Kuckartz, Udo (2014). Mixed MethodsMethodologie, Forschungsdesigns und Analyseverfahren. Wiesbaden: Springer VS

Forschungswerkstatt: Grounded-Theory-Methodologie

Paul S. Ruppel

Ruhr-Universität Bochum / Technische Universität Dortmund / Institut für Qualitative Forschung

Die Grounded-Theory-Methodologie (GTM) – in der Soziologie von Glaser und Strauss begründet – ist eine der am weitesten verbreiteten qualitativen Forschungsmethodologien. Sie bietet nachvollziehbare Prozeduren und innovative Rahmungen zur Entwicklung einer datenbasierten Theorie. Dabei eröffnet sie Interpretationsspielräume, die sie weder als reine Auswertungstechnik noch als „Kunstlehre“ erscheinen lassen (vgl. Mey 2021).

Mittlerweile liegen unterschiedliche Positionen vor (vgl. etwa das „SAGE Handbook of Current Developments in Grounded Theory“; Bryant & Charmaz 2019), darunter auch Verknüpfungen mit anderen Ansätzen wie der Narrationsanalyse (Ruppel & Mey 2015) oder der Diskursforschung. Neben textuellen werden mittlerweile auch visuelle Daten systematisch methodisch berücksichtigt (im Überblick Mey 2022).

In der Forschungswerkstatt geht es vor allem darum, orientiert an den Fragen und dem Bedarf der Teilnehmenden und an konkretem Material die wesentlichen Zugänge (u.a. Theoretische Sensibilität) und Auswertungsschritte (v.a. offenes, axiales und selektives Kodieren, wie es in der GTM-Variante nach Strauss/Corbin vorgeschlagen wird, bzw. initiale und fokussierte Kodierung sensu Charmaz) sowie Planungsfragen (u.a. Theoretisches Sampling) gemeinsam zu besprechen (Mey & Mruck 2020).

Vor dem Hintergrund dieser Schwerpunktsetzung können als Materialien zur Besprechung eingereicht werden:

  • Forschungsskizzen zur Diskussion von Projektplanungen/Forschungsdesigns
  • Daten zum Kodieren
  • Kategorien und Memos
  • Netzwerkkarten/Visualisierungen

Die endgültige Planung orientiert sich an den eingereichten Materialien. Die Auswahl wird von dem Interesse geleitet sein, möglichst verschiedene Stationen im Prozess einer GTM-Studie anzusprechen. Damit der Werkstattcharakter eingelöst werden kann, können maximal zwei Projekte diskutiert werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bryant, Anthony & Charmaz, Kathy (Hrsg.) (2019). The Sage Handbook of Current Developments in Grounded Theory. London: Sage, DOI: https://doi.org/10.4135/9781526485656.
  • Mey, Günter (2022). Grounded-Theory-Methodologie. In Uwe Wolfradt, Lars Allolio-Näcke & Paul S. Ruppel (Hrsg.), Kulturpsychologie: Eine Einführung (S.193–203). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-37918-6 [engl. Version: Mey, Günter (2024). Grounded Theory Methodology. In Uwe Wolfradt, Lars Allolio-Näcke & Paul S. Ruppel (Hrsg.), Cultural Psychology: An Introduction (S.173–181). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-45155-4].
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (2020). Grounded-Theory-Methodologie. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 513–535). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_46
  • Mey, Günter [im Gespräch mit Katrin Reimer-Gordinskaya] (2021). „Wir sind keine Kodierautomaten“ – Positionen und Potenziale der Grounded-Theory-Methodologie. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 22(2), Art. 10, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-22.2.3710 [aktualisierte Version aus FKP Neue Folge, 2, 66–80].
  • Ruppel, Paul S. & Mey, Günter (2015). Grounded Theory Methodology—Narrativity Revisited. Integrative Psychological and Behavioral Science, 49(2), 174–186, DOI: https://doi.org/10.1007/s12124-015-9301-y.

Dr. Miriam Schäfer

Ruhr-Universität Bochum, Qualitative Methoden der Sozialforschung

Prof. Dr. Maria Pohn-Lauggas

Ruhr-Universität Bochum, Qualitative Methoden der Sozialforschung

In dieser Forschungswerkstatt möchten wir die Teilnehmenden sowohl in die methodologischen Prinzipien als auch in die methodische Vorgehensweise biografischer Fallrekonstruktionen einführen. Dieses Verfahren wurde von Gabriele Rosenthal (1995) im Zusammenhang mit der Analyse biografisch-narrativer Interviews entwickelt. Es zielt als prozessuale und historisch orientierte Methode auf die Rekonstruktion der wechselseitigen Konstitution von Individuen und Gesellschaften. Biografische Fallrekonstruktionen bestehen analog zu einer analytischen Trennung von Erleben, Erinnern und Erzählen aus mehreren Analyseschritten, die in der Forschungswerkstatt kurz vorgestellt und an Datenmaterial der Teilnehmenden exemplarisch demonstriert werden. Das Vorgehen kann auch als Grundlage für Mehrgenerationenforschung dienen.

In der Forschungswerkstatt werden wir in erster Linie Materialien der Teilnehmenden (vorzugsweise Transkriptionen von Interviews oder Gruppengesprächen) sowie Fragen zu Forschungsdesigns erörtern. Die Planung orientiert sich an den Materialien und Fragen zum Forschungsdesign, die bei uns eingehen. Wir bitten um Verständnis dafür, dass angesichts des vorgegebenen Zeitrahmens nur wenige Materialien gemeinsam bearbeitet werden können.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Organisatoren der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Alber, Ina & Schiebel, Martina (2018). Triangulation in der Biographieforschung. In Helma Lutz, Martina Schiebel & Elisabeth Tuider (Hrsg.), Handbuch Biographieforschung (S. 611–622). Wiesbaden: Springer VS.
  • Becker, Johannes; Pohn-Lauggas, Maria, & Santos, Hermílio (2023). Introduction: Reconstructive biographical research. Current Sociology 71(4), 552–566.
  • Rosenthal, Gabriele (2024/1995). Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt am Main: Campus.
  • Rosenthal, Gabriele (2016). Die Erforschung kollektiver und individueller Dynamik – Zu einer historisch und prozess-soziologisch orientierten interpretativen Sozialforschung [21 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 17(2), Art. 13, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-17.2.2614.
  • Schäfer, Miriam & Becker, Johannes (2025). Sociological biographical research in the interpretive tradition. In Margarethe Kusenbach & Michaela Pfadenhauer (Hrsg.), Handbook of Interpretive Research Methods in the Social Sciences (S. 211–225). Cheltenham: Edward Elgar.

Prof. i.R. Dr. Burkhard Schäffer

Universität der Bundeswehr München

Die Forschungswerkstatt richtet sich an Forschende mit ersten Erfahrungen in qualitativer Sozialforschung, die den Einsatz von KI methodologisch reflektiert erproben möchten.

Generative Sprachmodelle (LLMs) eröffnen neue Möglichkeiten für die qualitative Sozialforschung, werfen aber zugleich grundlegende methodologische Fragen auf. In klassischen Forschungswerkstätten erfolgt die Interpretation empirischen Materials ausschließlich durch die beteiligten Forschenden. Mit dem Einsatz von LLMs treten nun maschinelle Systeme als zusätzliche Akteure in den Interpretationsprozess ein, die nicht nur unterstützen, sondern eigenständig Deutungsangebote erzeugen, die von Forschenden aufgegriffen, geprüft und weiterentwickelt werden, und damit neue Formen der Differenzproduktion ermöglichen.

Die Forschungswerkstatt greift diese veränderte Konstellation auf und bietet einen strukturierten Einblick in Möglichkeiten und Grenzen des Interpretierens zusammen mit KI. Ziel ist es, Orientierungswissen zu vermitteln, zentrale Problemstellungen zu schärfen und erste praktische Erfahrungen im Umgang mit KI-gestützten Analyseformen zu ermöglichen.

Die Forschungswerkstatt gliedert sich in drei Teile: (1) eine kompakte technische Einführung, (2) eine methodologisch reflektierende Einordnung und (3) eine angeleitete praktische Erprobung.

1. Einführung in generative Sprachmodelle (LLMs) in verständlicher Form. Behandelt werden grundlegende Funktionsprinzipien (z.B. Tokenisierung, Vektorräume, Sampling, Training) sowie zentrale Formen der Kontextsteuerung: Prompting, Finetuning und Retrieval Augmented Generation (RAG). Ziel ist ein funktionales Verständnis als Grundlage für ein reflektiertes interpretatives Handeln zusammen mit den Modellen.

2. Diskussion techniksoziologischer, epistemischer und methodologischer Fragen. Im Mittelpunkt steht, wie sich interpretative Prozesse unter Bedingungen maschineller Beteiligung verändern. Dies wird mit dem Konzept einer zwischen Menschen und Maschinen verteilten Interpretation („distributed interpretation“, Schäffer & Lieder 2023) gefasst und auf konkrete Forschungssituationen bezogen.

3. Praktische Arbeit mit der Plattform Karl AI. Alle Teilnehmenden erhalten eine Lizenz für die kostenlose Nutzung von Karl AI im Rahmen der Forschungswerkstatt und arbeiten – sofern gewünscht – mit eigenem Material (datenschutzkonform) oder mit bereitgestellten Beispielmaterialien.

Im Fokus steht die exemplarische Erprobung von Arbeitsweisen:

  • exploratives Prompting zur Generierung erster Interpretationsangebote
  • Einführung in modulare Prompting-Ansätze (Lieder & Schäffer 2026) zur expliziten Kontextualisierung von Modellen
  • Entwicklung und Diskussion einfacher Analyse-Workflows im Sinne einer „AI augmented interpretation analysis“ (Schäffer, Lieder & Krämer 2026)

Diese Workflows werden entlang von drei Phasen strukturiert:

  • Generieren: Erzeugen unterschiedlicher Interpretationsvorschläge durch KI
  • Kuratieren/Selektieren: Einordnung und Verdichtung durch Forschende
  • Validieren/Legitimieren: Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf ihre intersubjektive Nachvollziehbarkeit

Die Forschungswerkstatt zielt nicht auf eine vollständige Vermittlung von Verfahren, sondern auf die gemeinsame Exploration eines sich dynamisch entwickelnden Feldes.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Lieder, Fabio R. & Schäffer, Burkhard (2025). Qualitative Methodenausbildung zusammen mit generativen Sprachmodellen. Zur Distributed Interpretation in hybriden Forschungswerkstätten. In Burkhard Schäffer & Fabio R. Lieder (Hrsg.), Maschinen wie wir? Wie Künstliche Intelligenz Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft herausfordert (S. 167–190). Wiesbaden: Springer Gabler, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-48522-1_8.
  • Lieder, Fabio R. & Schäffer, Burkhard (2026). Reconstructive Social Research Prompting. Distributed Interpretation between AI and Researchers. In Dennis Möbus, Christian Nawroth, Almut Leh, Uta Störl & Matthias Hemmje (Hrsg.), Digital Hermeneutics II: Sources, Analysis, Interpretation, Annotation, and Curation (S. 235–249). Lecture Notes in Computer Science (LNCS), Cham: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-032-08697-6_12.
  • Schäffer, Burkhard (2022). „Das Medium ist die Methode“. Zur Technikgeschichte qualitativer Methoden. In Thorsten Fuchs, Christine Demmer, & Christine Wiezorek (Hrsg.), Aufbrüche, Umbrüche, Abbrüche. Wegmarken qualitativer Bildungs- und Biographieforschung (S. 145–165). Opladen: Verlag Barbara Budrich, DOI: https://doi.org/10.2307/j.ctv2tjdh1s.9.
  • Schäffer, Burkhard & Lieder, Fabio R. (2023). Distributed Interpretation – Teaching Reconstructive Methods in the Social Sciences Supported by Artificial Intelligence. Journal of Research on Technology in Education, 55(1), 111–124, DOI: https://doi.org/10.1080/15391523.2022.2148786.
  • Schäffer, Burkhard; Lieder, Fabio R. & Krämer, Franz (2026/i.E.). Interpretieren zusammen mit KI. Einführung in Theorie und Praxis qualitativer Forschung mit generativen Sprachmodellen. Wiesbaden: Springer VS, Reihe „Qualitative Sozialforschung“.

Prof. Dr. Hella von Unger

Ludwig-Maximilians-Universität, Institut für Soziologie

Partizipative Forschungsmethoden sind auf die Planung und Durchführung eines Untersuchungsprozesses gemeinsam mit jenen Menschen gerichtet, deren soziale Welt und sinnhaftes Handeln als lebensweltlich situierte Lebens- und Arbeitspraxis untersucht wird. Der Begriff der partizipativen Forschung umfasst verschiedene Varianten der emanzipatorisch-kooperativen Forschung (z.B. Community-basierte partizipative Forschung, Aktionsforschung, transdisziplinäre Forschung, Citizen Sciences, dekoloniale Methodologien, etc.). Es handelt sich um einen wertebasierten Forschungsstil, der neben Erkenntniszielen immer auch Handlungsziele verfolgt (z.B. soziale Gerechtigkeit, Verbesserung der Lebensbedingungen, Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe, Gesundheitsförderung, etc.). Der Anspruch beteiligter Wissenschaftler*innen ist, alle Phasen des Forschungsprozesses, inklusive der Auswertung, gemeinsam mit Partner*innen aus der gesellschaftlichen Praxis und den Lebenswelten zu gestalten. In den letzten Jahren lassen sich interessante Entwicklungen bei partizipativen Forschungsansätzen beobachten. Diese betreffen kreative, kunstbasierte und performative Methoden, digitale Methoden, den Einsatz sozialer Medien und dekoloniale sowie indigene Beiträge und Perspektiven.

Ziel dieser Forschungswerkstatt ist es, partizipative Studiendesigns und forschungspraktische Erfahrungen in methodisch-methodologischer Hinsicht zu reflektieren und dabei insbesondere Aspekte des konstruktiven Scheiterns zu berücksichtigen.

Teilnehmende, die sich mit eigenen Materialien aktiv in die Forschungswerkstatt einbringen möchten, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet. Es können maximal zwei Teilnehmende eigene Forschungsprojekte zur Diskussion stellen.

Es wird erwartet, dass die Teilnehmenden der Forschungswerkstatt sich bereits mit der Literatur zur partizipativen Forschung auseinandergesetzt haben. Zur vorbereitenden Lektüre werden die in der Literaturliste angegebenen Texte vorgeschlagen.

Literatur

  • Afeworki Abay, Robel & von Unger, Hella (2024). Cultural Humility in Participatory Research. Debunking the Myth of ‚Hard-to-Reach‘ Groups. In Robel Afeworki Abay & Karen Soldatic (Hrsg.), Intersectional Colonialities: Embodied colonial violence and practices of resistance across disability, race, indigeneity, class, and gender (S. 269–284). London: Routledge.
  • Anang, Poline; Gottlieb, Nora; Putulik, Suzanne; Iguptak, Shelly & Gottlieb, Ellen (2021). Learning to fail better: Reflections on the challenges and risks of community-based participatory mental health research with Inuit youth in Nunavut.  Frontiers in Public Health, 9, 604668, DOI: https://doi.org/10.3389/fpubh.2021.604668.
  • Bergold, Jarg & Thomas, Stefan (Hrsg.) (2012). Partizipative qualitative Forschung. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 13(1), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/39.
  • von Unger, Hella (2014). Der Forschungsprozess. In Hella von Unger, Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis (Kapitel 4, S. 51–68). Wiesbaden: Springer VS.
  • von Unger, Hella (2018). Partizipative Forschung. In Hubert Knoblauch, Leila Akremi, Boris Traue & Nina Baur (Hrsg.), Handbuch Interpretativ forschen (S. 161–182). Weinheim: Beltz Juventa.

PD Dr. Thomas Wenzl

Pädagogische Hochschule Zürich, Fach Bildungssoziologie

Prof. Dr. Andreas Wernet

Leibniz Universität Hannover, Institut für Erziehungswissenschaft

Ziel der Forschungswerkstatt ist es, die Teilnehmer*innen mit dem Textinterpretationsverfahren der Objektiven Hermeneutik vertraut zu machen. Dazu gehört einerseits ein Einblick in das konkrete forschungspraktische Vorgehen – also in das Wie des interpretativen Vorgehens –, andererseits die methodologische Reflexion dieses Vorgehens, also die Klärung der Erkenntnispotenziale und Erkenntnisgrenzen der textinterpretativen Fallrekonstruktion. Die Forschungswerkstatt soll auch dazu dienen, Gemeinsamkeiten und Differenzen der Objektiven Hermeneutik zu unterschiedlichen qualitativen Forschungsansätzen (Biographieforschung, Dokumentarische Methode, Grounded Theory, Ethnographie, Qualitative Inhaltsanalyse) zu diskutieren.

Grundlage der gemeinsamen Interpretationen und Diskussionen sind Protokolle, die von den Teilnehmer*innen zur Verfügung gestellt werden. An diesem Material sollen die grundlegenden Operationen des Verfahrens und seine methodologischen Implikationen veranschaulicht und problematisiert werden.

Hinweis für aktive Teilnehmer*innen: Um die Interpretationen in dem zur Verfügung stehenden Zeitrahmen mit der für das Verfahren notwendigen Detailliertheit vornehmen zu können, müssen wir uns auf kurze Textsequenzen beschränken. Deshalb kann leider nur das Datenmaterial von höchstens zwei aktiven Teilnehmer*innen berücksichtigt werden. Die Protokolle sollten sozialisations- und erziehungstheoretischen, bildungswissenschaftlichen oder professionalisierungstheoretischen Kontexten entstammen.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet. Es können maximal zwei Teilnehmer*innen eigene Forschungsprojekte zur Diskussion stellen.

Literatur

  • Oevermann, Ulrich (1981). Fallrekonstruktionen und Strukturgeneralisierung als Beitrag der objektiven Hermeneutik zur soziologisch-strukturtheoretischen Analyse. Unveröff. Manuskript, 56 Seiten; online verfügbar über die Website der Arbeitsgemeinschaft objektive Hermeneutik e.V. bzw. direkt abrufbar als RTF-Datei unter https://d-nb.info/974365483/34.
  • Oevermann, Ulrich (2002). Klinische Soziologie auf der Basis der Methodologie der objektiven Hermeneutik – Manifest der objektiv hermeneutischen Sozialforschung. Unveröff. Manuskript, 33 Seiten; online verfügbar über die Website des Institut für hermeneutische Sozial- und Kulturforschung bzw. direkt abrufbar als PDF-Datei unter https://www.ihsk.de/publikationen/Ulrich_Oevermann-Manifest_der_objektiv_hermeneutischen_Sozialforschung.pdf.
  • Wenzl, Thomas; Minnamaier, Gerhard; Oberwimmer, Konrad & Martin Steger (2023). Systematik und Methodik der empirischen Bildungsforschung. Wissenschaftstheoretische Grundlagen, methodologische und methodische Zugänge, forschungspraktische Hinweise, Reihe: Studientexte Bildungswissenschaft. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag.
  • Wernet, Andreas (2009). Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik (3. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.