Forschungswerkstätten 2024

Forschungswerkstatt: Bildanalyse

Assoz. Prof. Dr. Roswitha Breckner

Universität Wien, Institut für Soziologie

Prof. Dr.  Michael Müller

Technische Universität Chemnitz, Institut für Medienforschung & Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Bilder verschiedenster Art sind in unserem gesellschaftlichen Alltag durch Werbung und visuelle Privatkommunikation über verschiedenste Kanäle allgegenwärtig, spielen aber auch in vielen gesellschaftlichen Teilbereichen wie Wissenschaft, Medizin, Technik, Mode bis hin zu Politik und Unterricht eine wesentliche Rolle. Mit ihren spezifischen kommunikativen Qualitäten tragen Bilddarstellungen entscheidend zur technisch-medialen Herstellung, Tradierung und Stabilisierung, aber auch zur Veränderung sozialer Wirklichkeit bei. In welcher Weise sie das tun, ist Gegenstand sozialwissenschaftlicher Bildanalysen.

Hierzu haben sich in den letzten 20 Jahren verschiedene methodologisch-methodische Zugänge entwickelt und etabliert. Zielten diese zunächst ausschließlich auf die Analyse von Bilddaten verschiedener Art, stellt sich inzwischen zunehmend die Frage, wie systematische Bildanalysen in Forschungsprojekte mit thematischen Fragestellungen, die nicht ausschließlich auf Bildanalysen zielen, integriert werden können. Wie können also Bild-, Text- und ethnografische Zugänge sinnvoll kombiniert werden? Welchen Stellenwert sollen die jeweiligen Daten in einem Forschungsdesign erhalten?

Ausgehend von den methodologischen und methodischen Ansätzen der wissenssoziologischen Bildhermeneutik verfolgt der Workshop das Ziel, verschiedene Forschungsdesigns und ihre praktischen Konsequenzen zu diskutieren und ansatzweise methodische Wege der Umsetzung auszuprobieren. Teilnehmer*innen, die sich als aktiv angemeldet haben und eigene Forschungsideen oder schon ausgearbeitete Forschungsdesigns sowie empirisches Material einbringen und diskutieren möchten, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Breckner, Roswitha (2010). Sozialtheorie des Bildes. Zur interpretativen Analyse von Bildern und Fotografien. Bielefeld: transcript Verlag.
  • Hoggenmüller Sebastian (2022). Globalität sehen. Zur visuellen Konstruktion von „Welt“. Frankfurt am Main: Campus.
  • Müller, Michael (2012). Figurative Hermeneutik. Zur methodologischen Konzeption einer Wissenssoziologie des Bildes. Sozialer Sinn. Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung, 13, 129–161.
  • Müller, Michael (2016). Bildcluster. Zur Hermeneutik einer veränderten sozialen Gebrauchsweise der Fotografie. Sozialer Sinn. Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung, 95–142; aktualisierte Fassung (2020): Image Clusters. A Hermeneutical Perspective on Changes to a Social Function of Photography. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research21(2), Art. 4. DOI: http://dx.doi.org/10.17169/fqs-21.2.3293.
  • Raab, Jürgen (2008). Visuelle Wissenssoziologie. Theoretische Ansätze und materiale Analysen. Konstanz: UVK.

Forschungswerkstatt: Reflexive Grounded Theory

Prof. i.R. Dr. Franz Breuer

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Psychologie

In dieser Forschungswerkstatt soll der Ablauf eines Forschungsprojekts im Forschungsstil der Reflexiven Grounded Theory in seinen wichtigsten Schritten skizziert werden:

  • Die Grundidee: eine neue Theorie generieren
  • Umgang mit Vorwissen und theoretische Sensibilität
  • Themenfokussierung als Erkenntnisbewegung
  • Erste (Feld, Gesprächs-) Kontakte
  • Rolle und Reflexion der Person des/der Forschenden im Forschungskontakt
  • Fallauswahl: Theoretical Sampling
  • Dokumentation und Transkription
  • Kodieren: die Generierung von Konzepten
  • Modellbilden: Auswahl und Systematisierung der Konzepte
  • Die Forschungsgruppe als Werkzeug
  • Informelles und formelles Schreiben: Forschungstagebuch, Memos und finaler Text

Diese Aspekte werden kurz vorgestellt. Zu den einzelnen Phasen, Forschungsschritten bzw. methodischen Wahlentscheidungen können die Teilnehmer*innen (auf dem Hintergrund ihrer eigenen Probleme oder Erfahrungen) Fragen stellen. Bevorzugt werden Fragen besprochen, die sich im Zusammenhang mit einem ersten eigenen Forschungsprojekt nach RGTM-Modus stellen. An einem ausgewählten Teilnehmer*innen-Projekt machen wir gemeinsame Transfer-Versuche der Arbeitsweise. Die Forschungswerkstatt richtet sich an Interessierte unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Fachrichtungen.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr eigenes R/GTM-Projekt als (Illustrations-) Fall besprochen wird und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé (plus Datenausschnitt) einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Einführungsliteratur zur Forschungswerkstatt

  • Breuer, Franz; Muckel, Petra & Dieris, Barbara (2019). Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis (4. durchgesehene und aktualisierte Auflage). Wiesbaden: Springer VS.

Forschungswerkstatt: Tiefenhermeneutik / Psychoanalytisch orientierte Sozialforschung

Dr. Markus Brunner

Sigmund Freud Privatuniversität Wien

Charlie Kaufhold, M.A.

Justus-Liebig-Universität Gießen

Tiefenhermeneutik ist eine psychoanalytisch orientierte Methode der qualitativen Sozial- und Kulturforschung, die von dem Frankfurter Psychoanalytiker und Sozialpsychologen Alfred Lorenzer begründet wurde (Lorenzer 1986). Sie untersucht den narrativen Gehalt von Kulturprodukten und empirischen Forschungsdaten mit dem Ziel, auch unbewusste (nonverbale) Bedeutungen zu verstehen (König et al. 1986; Leithäuser & Volmerg 1988). Um diese Bedeutungen interpretativ zu erschließen, setzt die Tiefenhermeneutik an der Wirkung an, die Forschungsmaterialien auf das Erleben der Forscher*innen entfalten: Eine tiefenhermeneutische Interpretation bewegt sich hin und her zwischen einer genauen regelgeleiteten Lektüre des Forschungsmaterials und der Reflexion von Irritationen, Gefühlen und Konflikten, mit denen die Forscher*innen auf das Material reagieren. Werden diese Reaktionen ernst genommen und mit Vorsicht reflektiert, können sie Aufschluss über eine unbewusste Ebene der Forschungsbeziehung (z.B. zwischen Interviewer*in und Interviewee) und damit über eine latente Sinnschicht des Forschungsthemas geben.

Die Forschungswerkstatt bietet die Möglichkeit, tiefenhermeneutisches Arbeiten forschungspraktisch auszuprobieren und erste Eindrücke von der methodischen Vorgehensweise zu sammeln. In der Forschungswerkstatt soll es darum gehen, nach einem Input mit empirischem Material der Teilnehmenden tiefenhermeneutisch zu arbeiten. Vorerfahrungen der Teilnehmenden sind hierbei nicht erforderlich. Eingereicht werden können Transkripte von Interviews und Gruppendiskussionen oder Beobachtungsprotokolle, gerne auch Kulturprodukte wie Bilder, Karikaturen oder Dokumente usw.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bereswill, Mechthild; Morgenroth, Christine & Redman, Peter (2010). Special issue: Alfred Lorenzer and the depth-hermeneutic method. Psychonalysis, Culture and Society, Vol. 15, 3.
  • Haubl, Rolf & Lohl, Jan (2020). Tiefenhermeneutik. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 555–577). Wiesbaden: Springer. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_57.
  • König, Hans-Dieter (2008). Tiefenhermeneutik. In Uwe Flick, Ernst von Kardorff & Ines Steinke (Hg), Qualitative Forschung. Ein Handbuch (S. 556–568). Reinbek: Rowohlt.
  • König, Julia; Burgermeister, Nicole; Brunner, Markus; Berg, Philipp & König, Hans-Dieter für die Forschungswerkstatt Tiefenhermeneutik (Hg.) (2018). Dichte Interpretation. Tiefenhermeneutik als Methode qualitativer Forschung. Wiesbaden: Springer VS.
  • Lorenzer, Alfred (1986). Tiefenhermeneutische Kulturanalyse. In Hans-Dieter König et al. (Hg.), Kultur-Analysen (S. 11–98), Frankfurt am Main: Fischer.

Forschungswerkstatt: Sozialwissenschaftliche Dispositivanalyse

Prof. Dr. Andrea D. Bührmann

Universität Göttingen, Institut für Diversitätsforschung

Daniel Schumann, M.A.

Ruhr Universität Bochum

Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse zielt darauf, diskursive Praktiken zur Herstellung und Durchsetzung von Wissen in spezifischen sozio-historischen Kontexten zu analysieren und dessen Formierungsstrukturen, Funktionsmechanismen und Machtwirkungen zu entziffern. Bei der Dispositivanalyse geht es vor diesem Hintergrund um die die systematische Ergänzung und Weiterung diskurstheoretischer Perspektiven und diskursanalytischer Forschungspraxis. Im Zentrum stehen also diskursive und nicht-diskursive Praktiken und deren Vermittlungen. Zu fragen ist damit nach den Wechselbezügen zwischen normierenden Wissensordnungen, ihren konkreten handlungspraktischen Wirksamkeiten im Austausch von Akteur*innen sowie den damit einhergehenden Selbst-Bezügen und Subjektivitätsformen und -weisen.

Obwohl mittlerweile einige Konzeptionen für eine (auch) an Foucault orientierte und darüber hinausweisende Forschungsmethodik vorliegen, bleibt eine methodische „Schrittfolge“ für Diskurs- und Dispositivanalysen problematisch. Die gilt besonders, falls solche Vorgaben den Anspruch auf Verbindlichkeit und Ausschließlichkeit erheben. Was eine „Diskurs-“ bzw. „Dispositivanalyse“ jeweils ausmacht, muss je nach Forschungsfrage, ihrer jeweiligen theoretischen und methodologischen Fundierung sowie den damit verbundenen methodisch-praktischen Umsetzungen immer erst bestimmt werden.

Die Forschungswerkstatt bietet mit Blick darauf eine grundlegende und einführende Diskussion zur sozialwissenschaftlichen (Diskurs- und) Dispositivforschung, die vor allen Dingen an konkreten methodisch-praktischen Fragen der Durchführung von Forschungsprojekten orientiert ist.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr Forschungsprojekt als (Illustrations-) Beispiel besprochen wird, und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietende der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bührmann, Andrea D.; Diaz-Bone Rainer; Kendall, Gavin; Guiterréz Rodríguez, Encarnación; Schneider, Werner & Tirado, Francisco (Hrsg.) (2007). From Michel Foucault’s Discourse Theory to Empirical Social Research on Discourses. Current Methodological Developments und Methodical Applications in Social Research. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research8(2), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/7.
  • Bührmann, Andrea & Schneider, Werner (2012). Vom Diskurs zum Dispositiv. Eine Einführung in die Dispositivanalyse (2. Auflage) Bielefeld: transcript Verlag.
  • Schumann, Daniel (2022). „Brückenbauer“ im Dispositiv kollaborativer Inklusion. Zur Enaktierung von Expertise in Kooperationen von Kommunalverwaltungen und Migrant:innenorganisationen. Swiss Journal of Sociology, 48(3), 465–487. DOI: https://doi.org/10.2478/sjs-2022-0023.

Prof. Dr. Bettina Dausien

Universität Wien, Institut für Bildungswissenschaft

Prof. Dr. Paul Mecheril

Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft

Was tun wir eigentlich, wenn wir ein Interviewtranskript, ein Beobachtungsprotokoll, eine Tagebuchaufzeichnung oder anderes Material interpretieren und einen Interpretationstext zu diesem (Text-)Material produzieren? In der qualitativen Forschung gibt es verschiedene methodologische Strategien und Methoden, die sicherstellen sollen, dass dieses „Tun“ nicht beliebig, sondern regelgeleitet und begründet erfolgt. Allerdings ist die Anwendung von Methoden kein vollständig technologisierbarer Vorgang, der zu einem „folgerichtigen“ Interpretationstext führt, sondern eine interpretative Praxis, die von unterschiedlichen Bedingungen strukturiert wird und im je konkreten Fall eines Forschungsprojekts, Materials etc. im Rahmen methodischer Regeln immer wieder neu „hergestellt“ wird. Dabei sind die Forschenden selbst aktiv an der Konstruktion ihres Gegenstandes beteiligt.

In methodologischen Debatten wird die Konstruktionsleistung der Forschenden zwar grundsätzlich einbezogen, in den einzelnen methodischen Verfahren fehlen jedoch häufig elaborierte Instrumente für deren Reflexion. Formen der persönlichen Reflexion der Forschenden etwa durch Supervision, ein Forschungstagebuch oder einfach durch „Nachdenken“ sind wichtig, sie bleiben aber in methodologischer Hinsicht unbefriedigend. Notwendig ist darüber hinaus eine systematische methodologisch angeleitete Reflexion der Konstruktivität der Forschungspraxis und der „Ko-Konstruktion“ der Forschenden im Umgang mit ihrem Material.

Der Gedanke der Ko-Konstruktion lässt sich am Verhältnis zwischen einem „empirischen“ Text und den darauf bezogenen, im Forschungsprozess produzierten interpretativen und theoretischen Texten explizieren: Die interpretativen Texte der Forschenden sind mit Alfred Schütz als „Konstruktionen zweiten Grades“ zu verstehen. Der Begriff der Ko-Konstruktion reflektiert aber deutlicher als der Schütz’sche Ansatz die wechselseitige Vermittlung und Dynamik zwischen dem empirischen Material (und den sich darin spiegelnden alltagsweltlichen Konstruktionen) und den im Forschungsprozess produzierten „Konstruktionen zweiten Grades“. Letztere sind keine aus dem Material „emergierenden“ Rekonstruktionen, die zu jenem in einer eindeutigen Relation stehen. Es sind vielmehr unter bestimmten Hinsichten konstruierte Lesarten, die in der kommunikativen Interpretationspraxis herausgearbeitet, bzgl. ihrer Voraussetzungen reflektiert und an bestimmten Kriterien im Hinblick auf Plausibilität und Güte beurteilt werden. Der Blick richtet sich also besonders auf die Relation zwischen den Konstruktionen „im“ empirischen Material und den interpretativen Ko-Konstruktionen der Forschenden sowie auf die wechselseitige Strukturierung dieser beiden Konstruktionskontexte in der Forschungspraxis.

Diese Relation zu reflektieren und bestmöglich zu explizieren, ist eine Forderung qualitativer Forschung, insbesondere wenn sie dem Paradigma der interpretativen resp. rekonstruktiven Sozialforschung folgt. Im Sinn der Entwicklung gemeinsamer Qualitätskriterien qualitativer Forschung und einer „schulenübergreifenden“ Verständigung soll das Verständnis von Interpretation als Ko-Konstruktion dazu dienen, die eigene interpretative Praxis im Hinblick auf ihre Voraussetzungen (Interessen, Vorannahmen, theoretische Modelle usw.), ihre Produkte (Interpretationstexte, Kategorien, theoretische Konzepte usw.) und die damit einhergehenden Gegenstandkonstruktionen zu reflektieren.

In der Forschungswerkstatt wollen wir – an exemplarischem, von Teilnehmenden eingereichtem Material – das Verhältnis von Text, „Interpretationshinsichten“ und Ko-Konstruktionen praktisch ausloten und methodologisch reflektieren.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietende der Forschungswerkstatt weitergeleitet. (Aus den eingereichten Materialien wählen wir max. drei Beiträge für die Besprechung in der Werkstatt aus.)

Literatur

  • Dausien, Bettina (2006). Repräsentation und Konstruktion. Lebensgeschichte und Biographie in der empirischen Geschlechterforschung. In Sabine Brombach & Bettina Wahrig (Hrsg.), LebensBilder. Leben und Subjektivität in neueren Ansätzen der Gender Studies (S. 179–211). Bielefeld: transcript Verlag.
  • Dausien, Bettina (2007). Reflexivität, Vertrauen, Professionalität. Was Studierende in einer gemeinsamen Praxis qualitativer Forschung lernen können. Diskussionsbeitrag zur FQS-Debatte „Lehren und Lernen der Methoden qualitativer Sozialforschung“. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 8(1). DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-8.1.220.
  • Dausien, Bettina (2019). „Doing reflexivity“ – Interpretations- und Forschungswerkstätten. Überlegungen und Fragen (nicht nur) aus der Perspektive von „Anfänger*innen“ in der Biographieforschung. In Gerhard Jost & Marita Koch (Hrsg.), Handbuch zur soziologischen Biographieforschung: Grundlagen für die methodische Praxis (S. 257–276). Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
  • Mecheril, Paul (2003). Text als Medium für Text. Method(olog)ische Anmerkungen zur allmählichen Verfertigung eines Interpretationstextes (Kapitel II aus: Prekäre Verhältnisse. Über natio-ethno-kulturelle (Mehrfach-)Zugehörigkeit). Münster: Waxmann.

Forschungswerkstatt: Konversationsanalyse

Prof. Dr. Arnulf Deppermann

Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim

Gegenstand der Konversationsanalyse sind die Verfahren, mit denen Teilnehmende an einer verbalen Interaktion ihren Austausch organisieren und dabei soziale Wirklichkeit auf verschiedenen Ebenen der Sinnkonstitution herstellen. Die Konversationsanalyse befasst sich mit den grundlegenden Aufgaben der Gesprächskonstitution. Dazu gehören bspw. die Eröffnung und Beendigung von Gesprächen, die Organisation des Sprecherwechsels, die Kategorisierung und Darstellung von Sachverhalten, die Koordination des gemeinsamen Handelns oder die Performanz und Zuschreibung von Identitäten. Ziel der Untersuchung ist die Rekonstruktion konversationeller Praktiken, d.h. von sprachlich-kommunikativen und leiblichen Verfahren, die in bestimmten Gesprächskontexten zur Bearbeitung spezifischer Aufgaben und Probleme der Gesprächskonstitution eingesetzt werden. Diese Praktiken können mehr oder weniger allgemein, kulturspezifisch oder an besondere Aufgaben im Bereich institutioneller Interaktionen (wie Beratung, Gerichtsverhandlung) adaptiert sein. Je nach disziplinärem Interesse kann die Untersuchung z.B. linguistische Formen und Strukturen (interaktionale Linguistik), institutionelle Aufgaben und Probleme (applied conversation analysis) oder das multimodale Handeln in Arbeitskontexten (workplace studies) betreffen. Oftmals ist es zudem nötig, ethnografisches Hintergrundwissen einzubeziehen.

Die Konversationsanalyse arbeitet ausschließlich mit Ton- und Videoaufnahmen sowie Transkripten von Gesprächen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Untersuchungsfragestellungen der Konstitutionsweise der Daten angepasst sind (Natürlichkeitsprinzip) und in intensiver Auseinandersetzung mit dem Datenmaterial spezifiziert werden. Die Methodik der Konversationsanalyse verknüpft die detaillierte Sequenzanalyse von Einzelfällen mit der Arbeit mit Datenkollektionen, die unterschiedliche Realisierungen einer konversationellen Praxis enthalten.

In der Forschungswerkstatt soll anhand von Materialien von zwei Teilnehmenden an jeweils einer kleinen Kollektion von Fällen einer konversationellen Praxis gearbeitet werden. Bewerber*innen werden gebeten, ein kurzes Exposé ihrer für das Methodentreffen relevanten Forschungsfragen (ca. eine Seite) sowie eine Kollektion von drei zu bearbeitenden Transkripten (nach GAT2 oder CA/Jefferson-Notation) einzureichen. Für die Arbeit in der Forschungswerkstatt müssen die Daten zudem als Audiodatei (mp3/wav) oder Videofile (mp4) bereit stehen. Bevorzugt werden dabei Videoaufnahmen.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme das Organisationsteam – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Leiter der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Deppermann, Arnulf (2008). Gespräche analysieren. Opladen: Leske + Budrich.
  • Deppermann, Arnulf (2014). Konversationsanalyse: Elementare Interaktionsstrukturen am Beispiel der Bundespressekonferenz. In: Sven Staffeldt & Jörg Hagemann (Hrsg.), Pragmatiktheorien. Analysen im Vergleich (S. 19–47). Tübingen: Stauffenburg.
  • Deppermann, Arnulf (2020). Konversationsanalyse und diskursive Psychologie. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 649–672)  Wiesbaden: Springer VS. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_50.
  • Sidnell, Jack & Stivers, Tanya (eds.) (2013). Handbook of Conversation Analysis. New York: Wiley-Blackwell.

Forschungswerkstatt: Wissenssoziologische Diskursanalyse

Prof. Dr. Reiner Keller

Universität Augsburg, Allgemeine Soziologie und Wissenssoziologie

Die Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) formuliert ein Forschungsprogramm zur Untersuchung gesellschaftlicher Wissensverhältnisse und Wissenspolitiken, das mittlerweile über die Soziologie hinaus in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zum Einsatz kommt. Ihre theoretischen und methodologischen Grundlegungen liegen in einer Verbindung von wissenssoziologisch-sozialkonstruktivistischen Annahmen und Traditionslinien des soziologischen interpretativen Paradigmas mit theoretisch-begrifflichen Vorschlägen aus Michel Foucaults Reflexionen des Diskursbegriffs. In methodischer Hinsicht greift sie auf Konzepte, Erhebungs- und Analyseverfahren der qualitativen Sozialforschung zurück. Ihr Analyseinteresse richtet sich auf die Untersuchung von Diskursen als einer gesellschaftlichen Wirklichkeitsebene, auf der Wissen hergestellt, reproduziert und verändert wird. Diskurse sind strukturierte Praktiken des Sprach- und Symbolgebrauchs, die spezifische Wissensordnungen konstituieren, mit denen wiederum gesellschaftliche Wirkungen bzw. Machteffekte verbunden sind.

Die Forschungswerkstatt stellt zunächst die Grundannahmen der WDA und die damit anvisierten Fragestellungen in allgemeineren Kontext von sozialwissenschaftlichen Ansätzen der Diskurstheorie und Diskursanalyse vor. Im Zentrum steht dann die Erläuterung des methodisch-praktischen Vorgehens in konkreten empirischen Untersuchungen. Dies umfasst zum einen die Erschließung der Materialität von Diskursen (Akteure, Praktiken, Dispositive), zum anderen die Analyse der diskursiven Wissensformierungen und der daraus entfalteten Subjektivierungsangebote (Deutungsmuster, Klassifikationen, narrative Strukturen, Phänomenstruktur, Subjektmodelle u.a.). In der Werkstatt werden dazu Vorgehensweisen der Datenerhebung und der Datenauswertung diskutiert. Die WDA folgt dabei der Überlegung, dass es kein Standard- oder Rezeptmodell der Diskursforschung gibt, sondern dass jedes Projekt den angebotenen Rahmen für seine spezifischen Fragestellungen entsprechend gestalten muss. Gleichwohl mündet dies nicht in völlige Beliebigkeit, sondern bewegt sich in einem Gesamtrahmen, der Theorie, methodologische Reflexion und methodisches Vorgehen aufeinander bezieht.

Die vorwiegend auf Fragen der praktischen Umsetzung von Vorhaben der Diskursforschung (in unterschiedlichen disziplinären Kontexten) hin ausgelegte Forschungswerkstatt wendet sich zum einen an Interessierte, die ganz allgemein den Ansatz der WDA kennen lernen möchten. Zum zweiten besteht die Möglichkeit, konkrete, mehr oder weniger weit fortgeschrittene eigene Projekte zur Diskussion zu stellen, die bereits mit der WDA arbeiten bzw. dies gegebenenfalls vorhaben. In diesem Fall sollte eine entsprechende, etwa fünfseitige Skizze des Vorhabens sowie der damit verbundenen, beim Berliner Treffen zu diskutierenden Fragen eingereicht werden. Gegebenenfalls können dabei nicht alle Vorschläge, sondern nur eine Auswahl berücksichtigt werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Keller, Reiner (2010). Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen (4. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Keller, Reiner (2011). Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines Forschungsprogramms (3. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Keller, Reiner & Truschkat, Inga (Hrsg.) (2012). Methodologie und Praxis der Wissenssoziologischen Diskursanalyse. Wiesbaden: VS Verlag.

Forschungswerkstatt: Sequenzanalyse bei der Textinterpretation

Prof. Dr. Uwe Krähnke

Medical School Berlin, Hochschule für Gesundheit und Medizin

Bestandteil vieler interpretativer Verfahren ist die sequenzielle Analyse der qualitativen Daten. Diese Analysetechnik wird – wenn auch mit großen Unterschieden in der praktischen Durchführung – vor allem in der Grounded Theory, Objektiven Hermeneutik, Narrationsanalyse, Konversationsanalyse und Dokumentarischen Methode verwendet. Die Sequenzanalyse beinhaltet erstens, dass das Datenmaterial in kleine Einheiten zerlegt wird, etwa ein Interview in einzelne, thematisch abgrenzbare Passagen. Um den Sinngehalt einer sequenzierten Einheit zu rekonstruieren, werden zweitens die in ihr enthaltenen Elemente (Wortäußerungen, prosodische Auffälligkeiten etc.) Zug um Zug in der Reihenfolge ihres Auftretens im Datenmaterial analysiert. Hinter dieser Vorgehensweise steht die Annahme, dass die soziale Ordnung regelgeleitet ist und sich im und durch den Handlungsvollzug der Individuen reproduziert („order at all points“).

Eine sequenzanalytische Durchdringung des Datenmaterials geht deutlich über eine reine Inhaltswiedergabe der von den Beforschten selbst zur Sprache gebrachten Themen hinaus. Sie eröffnet einen systematischen Zugang zur Bedeutung des Gesagten und damit zu den dahinterliegenden Denk- und Handlungsmustern und sozialen Kontextbedingungen. Zudem minimiert die Sequenzanalyse das Risiko, dass die Forschenden bei der Dateninterpretation ihren eigenen, subjektiven Annahmen und Deutungen über das Untersuchungsfeld „aufsitzen“.

Zu Beginn der Forschungswerkstatt werden Varianten der Sequenzanalyse vorgestellt, die dann anschließend gemeinsam praktiziert und diskutiert werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur zur Einführung

  • Kleemann, Frank; Krähnke, Uwe & Matuschek, Ingo (2013). Interpretative Sozialforschung. Eine praxisorientierte Einführung (2. korrigierte und aktualisierte Auflage). Wiesbaden: Springer VS. Insbesesondere die Seiten 22–24, 47–50, 76–88, 124–145, 172–185.

Forschungswerkstatt: Qualitative Inhaltsanalyse

Prof. i.R. Dr. Philipp Mayring

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Institut für Psychologie / Verein zur Förderung Qualitativer Forschung ASQ, Klagenfurt

In der Forschungswerkstatt sollen (max. 4) konkrete qualitativ-inhaltsanalytische Projekte aus dem Kreis der Teilnehmenden diskutiert und gemeinsame methodische Probleme und Lösungsmöglichkeiten herausgearbeitet werden. Mit qualitativ-inhaltsanalytisch ist dabei ein Vorgehen gemeint, das

  • theoriegeleitet und regelgeleitet vorgeht,
  • das zu analysierende Material in ein Kommunikationsmodell einordnet und darauf bezogen die Ziele der Analyse definiert,
  • die zentralen Analyseaspekte in Kategorien(-systemen) formuliert, das Material in inhaltsanalytische Einheiten zerlegt und danach schrittweise bearbeitet,
  • das Instrumentarium (Kategoriensysteme und inhaltsanalytische Regeln) in einer Pilotstudie überarbeitet,
  • die Zuordnung von Kategorien zu Textstellen als interpretativen, regelgeleiteten Prozess auffasst,
  • im weiteren Verlauf auch Quantifizierungen (z.B. Kategorienhäufigkeiten) zulässt,
  • die Ergebnisse an Gütekriterien (z.B. Interkoderreliabilität) misst.

Teilnehmende, die an einer eigenen Projektpräsentation interessiert sind und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein Abstract, in dem Fragestellung der Studie und (mögliches) Kategoriensystem(e) dargestellt werden, einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietende der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Mayring, Philipp & Gläser-Zikuda, Michaela (2005) (Hrsg.). Die Praxis der Qualitativen Inhaltsanalyse. Weinheim: Beltz-UTB.
  • Mayring, Philipp (2020). Qualitative content analysis: demarcation, varieties, developments [30 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 20(3). DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-20.3.3343
  • Mayring, Philipp (2022). Qualitative Content Analysis. A Step-by-Step Guide. London: Sage.
  • Mayring, Philipp (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (13. überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Mayring, Philipp (2023). Einführung in die Qualitative Sozialforschung (7. Auflage). Weinheim: Beltz.

Forschungswerkstatt: Grounded-Theory-Methodologie

Prof. Dr. Günter Mey

Hochschule Magdeburg-Stendal / Institut für Qualitative Forschung

Die Grounded-Theory-Methodologie (GTM) – in der Soziologie von Glaser und Strauss begründet – ist eine der am weitesten verbreiteten qualitativen Forschungsmethodologien, nicht zuletzt wegen ihres „Versprechens“ aufgrund nachvollziehbarer Prozeduren und innovativer Rahmungen zu einer datenbasierten Theorie zu gelangen, ohne dabei auf der einen Seite zu puristisch als reine Auswertungstechnik zu gelten, noch auf der anderen Seite trotz aller vorhandenen Interpretationsspielräume als „Kunstlehre“ zu erscheinen.

Mittlerweile liegen unterschiedliche Positionen vor (einen Überblick bieten die aktualisierten Ausgaben des „Sage-Handbook of Grounded Theory“; Bryant & Charmaz [2019] sowie des „Grounded- Theory-Reader“; Mey & Mruck [2011]), darunter auch Verknüpfungen mit anderen Ansätzen wie Narrationsanalyse oder Diskursforschung und ausgeweiteten Datenbezug – über textuelle hinausgehend werden visuelle Daten berücksichtigt (im Überblick Mey & Mruck 2020).

In der Forschungswerkstatt geht es vor allem darum, orientiert an den Fragen und dem Bedarf der Teilnehmenden und an konkretem Material die wesentlichen Konzepte (u.a. Theoretische Sensibilität) und Auswertungsschritte (v.a. offenes, axiales und selektives Kodieren, wie es in der GTM-Variante nach Strauss/Corbin [1996] vorgeschlagen wird, bzw. initiale und fokussierte Kodierung sensu Charmaz [2014]) sowie Planungsfragen (u.a. Theoretisches Sampling) gemeinsam zu besprechen.

Vor dem Hintergrund dieser Schwerpunktsetzung können als Materialien zur Besprechung eingereicht werden:

  • Forschungsskizzen zur Diskussion von Projektplanungen/Forschungsdesigns
  • Daten zum Kodieren
  • Netzwerkkarten/Visualisierungen

Die endgültige Planung orientiert sich an den eingereichten Materialien. Die Auswahl wird von dem Interesse geleitet sein, möglichst verschiedene Stationen im Prozess einer GTM-Studie anzusprechen. Damit der Werkstattcharakter eingelöst werden kann, können maximal zwei Projekte (Exposé/Daten) diskutiert werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Bryant, Anthony & Charmaz, Kathy (Hrsg.) (2019). The Sage Handbook of Current Developments in Grounded Theory. London: Sage.
  • Charmaz, Kathy (2014). Constructing grounded theory (2. Auflage). London: Sage.
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (2011). Grounded Theory Reader (2., erweiterte und überarbeite Auflage). Wiesbaden: VS Verlag, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-531-93318-4.
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (2020). Grounded-Theory-Methodologie. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 513–535). Wiesbaden: Springer. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_46
  • Strauss, Anselm L. & Corbin, Juliet (1996). Grounded Theory. Grundlagen Qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz.

Dr. Katharina Miko-Schefzig

Wirtschaftsuniversität Wien, Kompetenzzentrum für empirische Forschungsmethoden

Cornelia Reiter, M.A.  

Austrian Institute of Technology, Center for Innovation Systems & Policy

Artefakte sind nicht nur statische, von Menschen geschaffene Objekte, sondern sie sind vielmehr materialisierte Verweise auf die sozialen Kontexte und Dynamiken, in die sie eingebettet sind. Das macht Artefakte zu gewinnbringenden Materialien qualitativer Forschung. Artefakte sind natürliche Daten, die in einem untersuchten Feld als relevant identifiziert und verfügbar gemacht werden können. Gleichzeitig ist ihr analytischer Gehalt groß. Die Artefaktanalyse nach Froschauer und Lueger (2020) ermöglicht es, soziale Kontexte und deren Strukturen und Dynamiken besser zu verstehen. Die schrittweise Interpretation von Artefakten, des Zusammenhangs ihrer Entstehung, ihre Verwendung, die ihnen eingeschriebenen Handlungs- und Kommunikationsvoraussetzungen und -folgen lassen auf Bedeutungs- und Sinnzusammenhänge schließen. Die besondere Verfügbarkeit von Artefakten lässt dies auch zu, wenn keine sprachlichen oder flüchtigen Materialien verfügbar sind.

In der Forschungswerkstatt werden Artefakte analysiert und der Gehalt dieser Materialien für sozialwissenschaftliche Fragestellungen aufgezeigt. Thematisch liegt dabei ein Schwerpunkt auf sozialer Transformation.

In der Forschungswerkstatt werden folgende Inhalte behandelt:  

  • Bedeutung von Artefakten als Daten für sozialwissenschaftliche Forschung
  • Artefaktarrangements als Verbindung von Materialität und ihre situative Einbettung
  • Artefaktarrangements als Sinnesarrangements
  • Ablauf und Phasen der Interpretation von Artefakten
  • Gemeinsame Analyse eines Artefaktes
  • Kombination der Artefaktanalyse mit anderen Methoden
  • Diskussion der Anwendbarkeit von Artefaktanalysen sowie ihrer Grenzen
  • Reflexion zum Workshop

Ziel der Forschungswerkstatt ist es, dass Teilnehmende die Artefaktanalyse als Methode für sozialwissenschaftliche Forschung erschließen und selbst anwenden. Das gemeinsame Analysieren eines Artefakts soll die Teilnehmenden mit den Interpretationsschritten vertraut machen und die methodologische Einbettung veranschaulichen. Teilnehmende sollen eine Methode erlernen, um Artefakte und Artefaktarrangements zu analysieren. Auch sozialer Wandel ist ein Forschungsfokus, wenn Artefaktarrangements als Sinnesarrangements in die Forschung eingebracht werden.

Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr eigenes Projekt als (Illustrations-) Fall besprochen wird und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé (plus Datenausschnitt) einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet

Literatur

  • Froschauer, Ulrike & Lueger, Manfred (2020). Materiale Organisierung der Gesellschaft. Artefaktanalyse und interpretative Organisationsforschung. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Froschauer, Ulrike & Lueger, Manfred (2020). Artefaktanalyse. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie. Band 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 773–794). Wiesbaden: Springer, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-26887-9_54.
  • Miko-Schefzig, Katharina (2023). Performative Sozialforschung als Sinnes-Arrangement. Zeitschrift für qualitative Forschung, 24(1), 106–123.
  • Miko-Schefzig, Katharina (2024). Zeiten der Polarisierung: Das Potenzial der wissenssoziologischen Diskursanalyse zur Erklärung einer gespaltenen Gesellschaft. Zeitschrift für Diskursforschung, 12(1), 71–91.
  • Reiter, Cornelia & Sardadvar, Karin (2024, im Erscheinen). Hermeneutic methods of interpretative analysis – Sequence per sequence to the reconstruction of meaning. In Margarethe Kusenbach & Michaela Pfadenhauer (Hrsg.), Elgar Handbook of Interpretive Research Methods. Cheltenham: Edward Elgar Publishing.

Forschungswerkstatt: Situationsanalyse

Prof. Dr. Ursula Offenberger

Eberhard Karls Universität Tübingen

Tamara Schwertel

Goethe-Universität Frankfurt

Die Situationsanalyse, ausgearbeitet insbesondere von Adele Clarke, Carrie Friese und Rachel Washburn (2018 und 2022), versteht sich als Weiterentwicklung der Grounded Theory im Anschluss an das Werk von Anselm Strauss. Sie wird der zweiten Generation von US-Grounded Theory-Forschenden zugeordnet (vgl. Morse et al. 2009) und enthält weitreichende Vorschläge zur Berücksichtigung von sozialtheoretischen Debatten seit den 1970er Jahren. Zugleich wird die dichte Bezogenheit von Grounded Theory und Symbolischem Interaktionismus/Pragmatismus betont und mit dem systematischen Einbezug der Theorie sozialer Welten und Arenen in situationsanalytisches Arbeiten umgesetzt.

In der Forschungswerkstatt ordnen wir die Situationsanalyse zunächst in ihren Entstehungskontext der US-Methodendebatte ein und fragen nach dem Stand der deutschsprachigen Rezeption (z.B. Gauditz et al. 2023; Offenberger et al. 2023). Danach diskutieren wir anhand von praktischen Beispielen aus den Projekten der Teilnehmenden Bedeutung und Vorgehen der von Clarke vorgeschlagenen Mapping-Strategien (Situationsmaps, Soziale-Welten-Arena-Maps und Positionsmaps). Außerdem nehmen wir Implikationen einer situativistischen Grounded Theory für Prozesse des theoretischen Samplings, von theoretischer Sensibilität und der Involvierung der Forschenden ins Forschungsgeschehen in den Blick.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

 Literatur 

  • Clarke, Adele E.; Friese, Carrie E. & Washburn, Rachel S. (2018). Situational analysis: grounded theory after the interpretive turn (Second edition). Los Angeles: Sage.
  • Clarke, Adele E.; Friese, Carrie & Washburn, Rachel (2022). Situational analysis in practice mapping relationalities across disciplines. New York London: Routledge.
  • Gauditz, Leslie; Klages, Anna-Lisa; Kruse, Stefanie; Marr, Eva; Mazur, Ana; Schwertel, Tamara & Tietje, Olaf (Hrsg.) (2023). Die Situationsanalyse als Forschungsprogramm. Wiesbaden: Springer VS.
  • Morse, Janice M.; Noerager Stern, Phyllis; Corbin, Juliet; Bowers, Barbara; Charmaz, Kathy & Clarke, Adele E. (2009). Developing Grounded Theory. The Second Generation. Walnut Creek: Left Coast Press.
  • Offenberger, Ursula; Baumgartner, Renate; Schwertel, Tamara; Tietje, Olaf; Evans-Jordan, Sarah B. & Kimmerle, Birte (Hrsg.) (2023). Soziale Welten, Arenen und Situationsanalysen: Theoretische Debatten und forschungspraktische Erfahrungen. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/77.

Forschungswerkstatt: Ethnografische Forschungsdesigns

Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer

Universität Wien, Institut für Soziologie

Unter einem ethnografischen Forschungsdesign in der Soziologie verstehen wir die wissenschaftliche Erkundung eines hinlänglich abgrenzbaren Wissens-, Kommunikations- und/oder Interaktionszusammenhanges, kurz: eines identifizierbaren sozialen Feldes, unter Nutzung verschiedener Verfahren der Datenerhebung und einer oder mehrerer interpretativer Methoden der Datenauswertung. Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne eines Verfahren bzw. Methoden kombinierenden Ansatzes unterscheidet sich somit (deutlich) von Designs standardisierter Erhebungen hier und von sogenannten „qualitativen“ Ein-Methoden-Designs da. Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne grenzt sich aber auch ab von Feldforschungskonzepten, in denen – direkte oder indirekte – Veränderungsabsichten intendiert oder impliziert sind (wie etwa solchen, die der sogenannten Aktionsforschung zugerechnet werden können). Ethnografie in dem von uns gemeinten Sinne zielt typischerweise auch nicht ab auf eine Kritik der das je untersuchte Feld kennzeichnenden Praktiken, sondern eher auf ein „vor- bzw. außermoralisches“ Verstehen dessen, was im je untersuchten Feld geschieht, und darauf, das (mitunter befremdliche) soziale Geschehen auch für nicht daran Beteiligte verständlich(er) zu machen.

In dieser Forschungswerkstatt sollen nicht bereits erhobene Daten und/oder sonst wie bereits zuhandene Feldmaterialien ausgewertet, sondern die sozialwissenschaftliche Plausibilität bzw. Plausibilisierbarkeit von Designs bzw. Konzepten für geplante oder laufende ethnografische Studien diskutiert werden.

In der Forschungswerkstatt werden maximal drei von Teilnehmern und Teilnehmerinnen eingebrachte Anlagen ethnografischer Studien besprochen. Diese drei Designs bzw. Konzepte werden nach Sichtung der eingegangenen Bewerbungen von uns ausgewählt. Diese Sichtung erfolgt auf der Grundlage von Exposés, in denen Fragestellungen, Zielsetzung, methodische Anlage und theoretische Interessen der in Frage stehenden ethnografischen Studie klar ausgewiesen sein sollen. Diese Exposés sollen mindestens 10.000 und höchstens. 20.000 Zeichen umfassen.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Breidenstein, Georg; Hirschauer, Stefan; Kalthoff, Herbert & Nieswand, Boris (2013). Ethnografie. Konstanz und München: UVK/UTB.
  • Dellwing, Michael & Prus, Robert (2012). Einführung in die interaktionistische Ethnografie. Wiesbaden: Springer VS.
  • Hitzler, Ronald & Eisewicht, Paul (2016). Lebensweltanalytische Ethnographie – im Anschluss an Anne Honer. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Honer, Anne (2011). Das Perspektivenproblem in der Sozialforschung. In dieselbe: Kleine Leiblichkeiten. (S. 27–40). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Pfadenhauer, Michaela (2017). Grenzziehungen, Grenzverläufe, GrenzgängerInnen. Zum kulturanalytischen Potenzial der Ethnografie [31 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 18(1), Art. 12, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-18.1.2782.

Forschungswerkstatt: Dokumentarische Methode

Prof. Dr. Aglaja Przyborski

Bertha von Suttner Privatuniversität, St. Pölten

Moritz Meister, M.Sc.

Bertha von Suttner Privatuniversität, St. Pölten

Die dokumentarische Methode ist ein Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung und findet mittlerweile in vielfältigen Gegenstandsbereichen und zahlreichen Disziplinen Anwendung; zunehmend beweist sie in transdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojekten ihre Stärken. Die Methode ist in der Arbeit mit Gruppendiskussionen, teilnehmender Beobachtung und narrativen Interviews entstanden, dann für weitere Textsorten und in den letzten Jahren für die Bild- und Videoanalyse weiterentwickelt worden.

Ziel der Forschungswerkstatt im Rahmen des Berliner Methodentreffen ist es, anhand konkreter, forschungspraktischer Beispiele aus dem Material der Teilnehmer*innen die grundlegenden Arbeitsschritte, Kristallisations- und Knackpunkte der dokumentarischen Methode erfahrbar zu machen.

Den methodischen Schwerpunkt soll die Arbeit mit Gruppendiskussionen und/oder Bildern bilden.

Wenn Sie interessiert sind, dass wir die Dokumentarische Methode entlang Ihres Forschungsvorhabens in der Forschungswerkstatt beleuchten, sind folgende Unterlagen als Materialgrundlage notwendig:

  • Projektplanung und Forschungsdesigns
  • Trankskripte von Gruppendiskussionen (oder anderen Gesprächsformaten) oder:
  • Bilder/Fotos
  • Interpretation (formulierende und/oder reflektierende Interpretation nach der Dokumentarischen Methode) zu Ihrem Ausgangsmaterial (Transkript und/oder Bild), die uns zur Verfügung gestellt wird 

Es können maximal zwei Vorlagen diskutiert werden.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Anbietenden der Forschungswerkstätten weitergeleitet.

Literatur

  • Przyborski, Aglaja (2004). Gesprächsanalyse und dokumentarische Methode. Qualitative Auswertung von Gesprächen, Gruppendiskussionen und anderen Diskursen. Wiesbaden: VS Verlag.
  • Przyborski, Aglaja (2018). Bildkommunikation: Qualitative Bild- und Medienforschung. Berlin: De Gruyter Oldenbourg.
  • Przyborski, Aglaja & Slunecko, Thomas (2020a). Dokumentarische Methode. In Mey Günter & Mruck Katja (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der PsychologieBand 2: Designs und Verfahren (2., aktualisierte und erweiterte Auflage; S. 537–554). Wiesbaden: Springer. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-18387-5_45-2.
  • Przyborski, Aglaja & Slunecko, Thomas (2020b). Understanding Media Communication: On the Significance of Iconic Thinking for a Praxeological Model of Communication. Sage Open. DOI: https://doi.org/10.1177/2158244020952064.
  • Przyborski, Aglaja & Wohlrab-Sahr, Monika (2021). Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch (5. vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage). München: Oldenbourg.

Forschungswerkstatt: Mixed Methods

Dr. Stefan Rädiker

Methoden-Expertise.de

Die Kombination qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden bietet ein breites Spektrum an Vorteilen: Sie ermöglicht es uns, soziale Phänomene umfassender zu verstehen, unsere Analyseperspektiven zu erweitern und Ergebnisse im Kontext zu interpretieren. Angesichts dieser Vorteile ist es kaum überraschend, dass die sorgfältige Integration beider Ansätze in einer Studie zunehmend an Popularität gewonnen hat.

Im Zentrum unserer Forschungswerkstatt steht die Frage, wie sich qualitative und quantitative Forschung gewinnbringend verbinden lassen. Dementsprechend werden wir uns am Beispiel von ausgewählten Projekten der Teilnehmenden häufig gestellten Fragen der konkreten Forschungspraxis und Umsetzung widmen:

  • Wie sieht ein Mixed-Methods-Design aus?
  • An welchen Stellen ist „Mixing“ überhaupt möglich und sinnvoll (points of integration)?
  • Welcher Gewinn lässt sich durch die Verbindung qualitativer und quantitativer Samplings, Daten und Ergebnisse erzielen und welche Begründungen für die Durchführung einer Mixed-Methods-Studie können herangezogen werden?
  • Wie lassen sich qualitative und quantitative Daten aufeinander beziehen und welche Formen der Ergebnisdarstellung existieren? Welche Rolle können Joint Displays bei der Analyse und Präsentation übernehmen?

Teilnehmende, die ihr geplantes oder laufendes Mixed-Methods-Projekt in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein kurze Projektbeschreibung einzureichen. Bitte gehen Sie in der Projektbeschreibung (2 bis 4 Seiten) so weit wie möglich auf folgende Punkte ein:

  • Fragestellungen
  • Übersicht über die qualitativen und quantitativen Daten (inkl. Stand der Erhebung und Art der vorgesehenen bzw. durchgeführten Analyse, gerne mit Beispielen)
  • Fragen, „Knackpunkte“ und Unsicherheiten, die Sie im Projekt beschäftigen und die Sie gerne in der Forschungswerkstatt besprechen möchten

Die Beschreibungen werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Leitung der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Alle Teilnehmenden erhalten zudem vorab die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema einzubringen, sodass wir diese in der Forschungswerkstatt berücksichtigen können.

Literatur

  • Baur, Nina; Kelle, Udo & Kuckartz, Udo (2017) (Hrsg.). Mixed Methods. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Sonderhefte, Band 57.
  • Bazeley, Patricia (2018). Integrating analysis in mixed methods research. London: Sage.
  • Fetters, Michael D. (2020). The mixed methods research workbook: Activities for designing, implementing, and publishing projects. Thousand Oaks, London, New Delhi: Sage.
  • Kuckartz, Udo (2014). Mixed MethodsMethodologie, Forschungsdesigns und Analyseverfahren. Wiesbaden: Springer VS.

Forschungswerkstatt: Wissenssoziologische Hermeneutik

Prof. em. Dr. Jo Reichertz

Universität Duisburg-Essen, Campus Essen; FB 1 – Kommunikationswissenschaft

Diese Forschungswerkstatt bietet die Möglichkeit, forschungspraktisch mit der wissenssoziologischen Hermeneutik zu arbeiten. Dieses theoretischemethodologische und methodische Konzept hat zum Ziel, die gesellschaftliche Bedeutung jeder Form von Interaktion (sprachlicher wie nichtsprachlicher; face-to-face wie institutionell geformter) und aller Arten von Interaktionsprodukten (Kunst, Religion, Unterhaltung, Geschäftsordnungen etc.) zu (re-) konstruieren.

Untersucht wird, wie Handlungssubjekte – hineingestellt und sozialisiert in historisch und sozial entwickelte und abgesicherte Routinen und Deutungen des jeweiligen Handlungsfeldes – diese einerseits vorfinden und sich aneignen (müssen), andererseits diese immer wieder neu ausdeuten und damit auch „eigen-willig“ erfinden (müssen). Diese selbständigen Neuauslegungen des vorgefundenen Wissens werden (ebenfalls als Wissen) ihrerseits wieder in das gesellschaftliche Handlungsfeld eingespeist und verändern es.

Das Handeln der Akteure gilt in dieser Perspektive erst dann als verstanden, wenn der Interpret/die Interpretin in der Lage ist, es aufgrund der erhobenen Daten (Interviews, Beobachtungen, Dokumente etc.) in Bezug zu dem vorgegebenen und für die jeweilige Handlungspraxis relevanten Bezugsrahmen zu setzen und es in dieser Weise für diese Situation als eine (für die Akteure) sinn-machende (wenn auch nicht immer zweck-rationale) „Lösung“ nachzuzeichnen.

Schwerpunkt der Forschungswerkstatt soll die Organisationsanalyse (Arbeits- und Interessenorganisationen wie Unternehmen, Parteien, Verbände, Verwaltungen) sein. Erprobt werden soll, ob und wie sich mit der hermeneutischen Wissenssoziologie nicht nur die Besonderheit des Handelns einzelner Akteure ermitteln lässt, sondern wie dieses Handeln mit je spezifischen Strukturen der Organisation und/oder organisationstypischen Mustern der Wahrnehmung, Deutung und Entscheidung zusammenhängt.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Hitzler, Ronald; Reichertz, Jo & Schröer, Norbert (Hrsg.) (1999). Hermeneutische Wissenssoziologie. Standpunkte zur Theorie der Interpretation. Konstanz: UVK.
  • Hitzler, Ronald; Reichertz, Jo & Schröer, Norbert (Hrsg.) (2020): Kritik der Hermeneutischen Wissenssoziologie. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Keller, Reiner; Knoblauch, Hubert & Reichertz, Jo (Hrsg.) (2013). Kommunikativer Konstruktivismus. Wiesbaden: Springer VS.
  • Reichertz, Jo (2013). Gemeinsam interpretieren. Die Gruppeninterpretation als kommunikativer Prozess. Wiesbaden: Springer VS.
  • Reichertz, Jo (2016). Qualitative und interpretative Sozialforschung. Eine Einladung. Wiesbaden: Springer VS.

Univ.-Prof. Dr. Claudia Scheid

Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung

Dr. Peter Münte

Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung

Objektive Hermeneutik ist von ihrem Grundprinzip der Sequenzanalyse her eine sehr einfache Methode: Man betrachtet das Material als Ausdrucksgestalt einer sich über Entscheidungen konstituierenden Praxis, geht es „Zug um Zug“, also Sequenz um Sequenz bzw. Entscheidung für Entscheidung durch, um Hypothesen zur inneren Entwicklungsgesetzlichkeit der zu erschließenden Praxis zu bilden. Bei der Durchführung konkreter Forschungsvorhaben kann es dennoch kniffelig werden: Was ist die der Forschungsfrage angemessene Sequenzierung im Datenmaterial – mit anderen Worten: Was sind die Entscheidungen, um die es geht? Wo sollte man sinnvollerweise mit der genauen Analyse, der sogenannten Feinanalyse, einsteigen? Wie kann man größere Mengen an Datenmaterial sinnvoll verarbeiten? Viele andere Fragen ließen sich anführen.

Zwei aktive Teilnehmende werden eingeladen, ein Projekt und Anfragen mit in die Forschungswerkstatt zu bringen, damit in der Gruppe in die Analyse eingestiegen und darüber diskutiert werden kann. Teilnehmende, die daran interessiert sind, dass ihr eigenes Projekt als (Illustrations-) Fall besprochen wird und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, ein informatives Kurzexposé (plus Datenausschnitt) einzureichen. Die Exposés werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Im Rahmen dieses Vorgehens soll den Teilnehmenden ein realistischer Blick auf Potenziale und Grenzen der Methode möglich werden.

Literatur

  • Franzmann, Andreas; Scheid, Claudia; Rychner, Marianne & Twardella, Johannes (Hrsg.) (2023). Objektive Hermeneutik. Handbuch zur Methodik in ihren Anwendungsfeldern. Stuttgart: UTB.
  • Oevermann, Ulrich (1983). Zur Sache. Die Bedeutung von Adornos methodologischem Selbstverständnis für die Begründung einer materialen soziologischen Strukturanalyse. In Ludwig v. Friedeburg & Jürgen Habermas (Hrsg.), Adorno-Konferenz 1983 (S. 234–289). Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Oevermann, Ulrich; Allert, Tilmann; Konau, Elisabeth & Krambeck, Jürgen (1979). Die Methodologie einer „objektiven Hermeneutik“ und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften. In Hans-Georg Soeffner (Hrsg.), Interpretative Verfahren in den Sozial- und Textwissenschaften (S. 352–434). Stuttgart: Metzler.
  • Maiwald, Kai-Olaf (2005). Competence and Praxis: Sequential Analysis in German Sociology [46 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 6(3), Art. 31, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-6.3.21.
  • Wernet, Andreas (2009). Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik (3. Auflage). Wiesbaden: VS Verlag.

Forschungswerkstatt: Qualitative Inhaltsanalyse

Christoph Stamann

Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften

Markus Janssen

Pädagogische Hochschule Weingarten, Fach Erziehungswissenschaft

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um eine Forschungsmethode zur Systematisierung von manifesten und latenten Kommunikationsinhalten. Als grundlegendes Instrument für die angestrebte Systematisierung der Inhalte dienen Kategoriensysteme. Die Methode zeichnet sich durch eine Vielzahl von Verfahren aus; allen ist jedoch eine in hohem Maße regelgeleitete Interpretation gemein. Erfahrungsgemäß führt dies aber keineswegs zu unsicherheitsbefreiten Auswertungsprozessen. Gerade – aber nicht nur – für Noviz*innen erzeugt das in den einschlägigen Lehrbüchern detailliert dargelegte Vorgehen im Zusammenspiel mit der ebenfalls – lehrbuchübergreifend – postulierten Notwendigkeit, dieses an das eigene Forschungsvorhaben anzupassen, stetig Momente der Unsicherheit.

Die Forschungswerkstatt dient daher der Bearbeitung ebensolcher forschungspraktischer Unsicherheiten, gleichzeitig bietet sie die Gelegenheit, die Sicht auf das eigene Material konstruktiv irritieren zu lassen. Anhand von Materialausschnitten von bis zu drei Teilnehmenden werden einzelne Auswertungsschritte besprochen und vollzogen. Die Forschungswerkstatt ist offen für alle gängigen qualitativ-inhaltsanalytischen Verfahren; im deutschsprachigen Raum sind hier vor allem Kuckartz und Rädiker (2022), Mayring (2022) und Schreier (2012) zu nennen.

Gegenstand der Materialsitzungen ist vor allem die Erarbeitung von Kategorien(-systemen) und die Arbeit mit diesen, d.h. das Codieren. Darüber hinaus können aber auch alle weiteren Aspekte und Auswertungsschritte besprochen werden, so etwa Materialauswahl, Gütekriterien und Qualitätssicherungsstrategien. Aktive Teilnehmer*innen werden gebeten, bei der Materialeinreichung ein möglichst konkretes Anliegen zu formulieren, das in der Materialsitzung besprochen werden soll.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an den Anbietenden der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Da es sich nicht um einen Einführungsworkshop handelt, werden grundlegende Kenntnisse der Methode „qualitative Inhaltsanalyse“ vorausgesetzt.

Literatur

  • Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung (5. Auflage). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Mayring, Philipp (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.
  • Schreier, Margrit (2012). Qualitative content analysis in practice. London: Sage.
  • Schreier, Margrit (2014). Varianten qualitativer Inhaltsanalyse: Ein Wegweiser im Dickicht der Begrifflichkeiten [59 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 15(1), Art. 18, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-15.1.2043.
  • Stamann, Christoph; Janssen, Markus & Schreier, Margrit (2016). Qualitative Inhaltsanalyse – Versuch einer Begriffsbestimmung und Systematisierung [24 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 17(3), Art. 16, DOI: https://doi.org/10.17169/fqs-17.3.2581.

Forschungswerkstatt: Biografische Fallrekonstruktion

Dr. Arne Worm

Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Methoden und methodologische Grundlagen der Sozialwissenschaften

Dr. Johannes Becker

Leibniz-Zentrum Moderner Orient Berlin

In dieser Forschungswerkstatt möchten wir die Teilnehmenden sowohl in die methodologischen Prinzipien als auch in die methodische Vorgehensweise biografischer Fallrekonstruktionen einführen. Dieses Verfahren wurde von Gabriele Rosenthal zunächst im Zusammenhang mit der Analyse biografisch-narrativer Interviews entwickelt. Es zielt als prozessuale und historisch orientierte Methode auf die Rekonstruktion der wechselseitigen Konstitution von Individuen und Gesellschaften. Biografische Fallrekonstruktionen bestehen aus mehreren Analyseschritten, die in der Forschungswerkstatt vorgestellt und am Datenmaterial der Teilnehmenden exemplarisch demonstriert werden. Diese Analyseschritte können in modifizierter Form auch für die Analyse von Familiengesprächen, Interaktionsverläufen, Videoaufnahmen, von Protokollen teilnehmender Beobachtungen sowie bei schriftlichen biografischen Materialien angewandt werden. In der biografieanalytischen Forschungspraxis wird zudem oftmals triangulierend vorgegangen.

In der Forschungswerkstatt werden wir anhand von Materialien der Teilnehmenden (vorzugsweise Transkriptionen von Interviews oder Gruppengesprächen) die konkrete Auswertungspraxis sowie Fragen zu Forschungsdesigns erörtern. Die Planung orientiert sich an den Materialien und Fragen zum Forschungsdesign, die bei uns eingehen. Wir bitten um Verständnis dafür, dass angesichts des vorgegebenen Zeitrahmens gegebenenfalls nicht alle eingereichten Materialien gemeinsam bearbeitet werden können.

Teilnehmende, die eigene Materialien in die Forschungswerkstatt einbringen möchten und sich als aktiv angemeldet haben, werden – nach der Bestätigung der Teilnahme durch die Organisator*innen – aufgefordert, diese einzureichen. Die Materialien werden vom Organisationsteam gesammelt und an die Organisatoren der Forschungswerkstatt weitergeleitet.

Literatur

  • Alber, Ina & Schiebel, Martina (2018). Triangulation in der Biographieforschung. In Helma Lutz, Martina Schiebel & Elisabeth Tuider (Hrsg.), Handbuch Biographieforschung (S. 611–622). Wiesbaden: Springer VS.
  • Becker, Johannes; Pohn-Lauggas, Maria, & Santos, Hermílio (2023). Introduction: Reconstructive biographical research. Current Sociology 71(4), 552–566.
  • Hinrichsen, Hendrik; Rosenthal, Gabriele & Worm, Arne (2013). Biographische Fallrekonstruktionen. Zur Rekonstruktion der Verflechtung „individueller“ Erfahrung, biographischer Verläufe, Selbstpräsentationen und „kollektiver“ Diskurse. PalästinenserInnen als RepräsentantInnen ihrer Wir-Bilder. Sozialer Sinn 14(2), 157–184.
  • Rosenthal, Gabriele (2024/1995). Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt am Main: Campus.
  • Rosenthal, Gabriele (2015). Interpretative Sozialforschung. Eine Einführung. Weinheim: Beltz Juventa.